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Der Dresdner Kammerchor lässt am Ostersonntag in der Annenkirche Schütz? Auferstehungshistorie erklingen

Der Dresdner Kammerchor lässt am Ostersonntag in der Annenkirche Schütz? Auferstehungshistorie erklingen

Obgleich das Jahr 2013 für den Dresdner Kammerchor unter den Vorzeichen des Wechsels seines Leiters Hans-Christoph Rademann nach Stuttgart steht, schaut das Ensemble mit Optimismus nach vorn.

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Der Dresdner Kammerchor bei einem Auftritt in der Annenkirche.

Quelle: Kammerchor

Begründet ist der, neben den vielfältigen künstlerischen Aufgaben, durch eine Anhebung der Finanzmittel durch die Stadt Dresden und eine wegweisende Konzeptförderung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen für drei Jahre. Wie Oliver Geisler vom Musikforum Dresden mit einiger Erleichterung berichtet, bedeutet das Planungssicherheit und also, nicht immer wieder aufs Neue für schon angedachte Projekte Gelder erstreiten zu müssen. 2013 hat Dresden die institutionelle Förderung für das Musikforum, das die Ensembles Dresdner Kammerchor, Dresdner Barockorchester und AuditivVokal vertritt, von vorher 50 000 auf 70 000 Euro erhöht. Das sei, so Geisler, ein richtiges Signal zum richtigen Zeitpunkt gewesen, zumal auch andere Ensembles Etaterhöhungen bekommen hätten. Die Situation für das Musikforum sei jetzt zwar noch lange nicht paradiesisch, so Geisler, aber versetze in die Lage, aufgeschobene Projekte in Angriff nehmen zu können.

Schütz-Gesamteinspielung

Erleichternd kommt hinzu, dass die Kulturstiftung Sachsen eine Festbetragsfinanzierung von 25000 Euro pro Jahr bis 2015 garantiert, die der Gesamteinspielung des Werkes von Heinrich Schütz durch den Dresdner Kammerchor beim Carus Verlag Stuttgart zufließt. Für diese Perspektiven eröffnende mehrjährige Kulturfinanzierung, die Geisler innovativ und vorbildlich nennt, konnten sich Initiativen und Institutionen beim Freistaat bewerben. Zum zweiten Male wurden die Mittel nun ausgereicht, Empfänger sind diesmal neben dem Kammerchor das Neiße Filmfestival und Halle 14 in der Alten Baumwollspinnerei in Leipzig.

Bis 2017 noch wird der Dresdner Kammerchor sein Mammutprojekt der Schütz-Gesamteinspielung fortsetzen, sechs CDs sind bereits veröffentlicht, zum Teil schon in zweiter Auflage, drei weitere produziert. Schließlich werden es insgesamt 21 CDs sein. Den Abschluss soll ein ganz besonderes Projekt markieren: Schütz' Beckerscher Psalter (SWV 97a-256a), vierstimmige, strophisch gebaute Psalmenvertonungen, deren Texte der Leipziger Theologe Cornelius Becker 1602 herausgab. Ab 2015 sollen in einer deutschlandweiten Aktion verschiedenste Laienchöre aufgerufen werden, diesen Psalter selbst mitzugestalten.

Auch ein anderes Unterfangen ist durch die zugesagten Gelder auf festere Füße gestellt: die 3. Dresdner Chorwerkstatt für neue Musik in Kooperation mit Hellerau. Dafür hat der Kammerchor eine Patenschaft für einen in Sachsen ansässigen Schulchor ausgeschrieben, Höhepunkt soll die gemeinsame Erarbeitung und Uraufführung einer Komposition des Leipzigers Bernd Franke im Mai 2014 sein. Auch der Text wird unter Anleitung des Dresdner Lyrikers Christian Lehnert von Schülern verfasst.

An der bizarren Situation, dass sich der Dresdner Kammerchor seine Brötchen vorrangig durch Konzerte und Konzertbeteiligungen außerhalb Dresdens verdient, muss auch in diesem Jahr noch festgehalten werden. Einer der Auftritte in der Heimatstadt ist für den 31. März, 19 Uhr, in der Annenkirche angekündigt: Es erklingt Schütz' Auferstehungshistorie, am Pult Chorleiter Hans Christoph Rademann. Ab Juni wird der 1965 in Dresden geborene und im erzgebirgischen Schwarzenberg aufgewachsene Ex-Kruzianer und heutige Chorprofessor bekanntlich in Nachfolge von Helmuth Rilling die renommierte und gut ausgestattete Internationale Bachakademie Stuttgart übernehmen. Rademann wird damit - er bleibt zudem bis 2015 dem RIAS Kammerchor Berlin verbunden - seinen Arbeitsmittelpunkt zwar ins Ländle verlegen, aber seinem Dresdner Ensemble auch weiter verbunden bleiben. Natürlich wird der Kammerchor seinen Leiter seltener sehen, mit Olaf Katzer steht aber ein junger Dirigent bereit, der selbst durch die Rademann'sche Schule gegangen ist.

Katzer dirigiert beispielsweise am 27. April in der Petrikirche Chemnitz ein A-cappella-Programm zu "125 Jahren Sächsisches Kirchenchorwerk". Im Mai ist der Kammerchor beteiligt am "Liebesmahl der Apostel", das aus Anlass des Wagner-Jubiläums 2013 am Uraufführungsort (1843 mit 1200 Sängern!) und unter Leitung des Chefdirigenten der Staatskapelle Dresden Christian Thielemann in der Frauenkirche erklingen wird.

Im Juli gastiert der Kammerchor unter Rademann mit dem Dresdner Barockorchester und Bachs h-Moll-Messe in Leipzig und Kloster Chorin. Weitere Gastkonzerte sind im August zur Bachwoche Ansbach in der dortigen Orangerie und im Münster Heilsbronn sowie in der Vorweihnachtszeit in Chemnitz, Hohndorf (Erzgeb.) und München geplant. Eine Besonderheit ist im September die Wiederaufführung dreier Brahms-Bearbeitungen von Bach-Kantaten unter Leitung von Jos van Immerseel zum Musikfest Stuttgart. In dessen Rahmen dirigiert außerdem Rademann die erst jetzt wiederentdeckte Brahms-Fassung der Bach-Kantate 21 "Ich hatte viel Bekümmernis", hierbei musizieren die Ensembles der Bachakademie Stuttgart.

Ebenfalls im September bietet der Kammerchor unter Rademann Schütz' Musikalische Exequien in Dortmund dar, verbunden ist damit ein Workshop für Leiter von Laien- und Kirchenchören. Denn, so Oliver Geisler, gerade in diesem Bereich, übrigens auch in Schütz' langjähriger Wirkungsstätte Dresden und Sachsen, gebe es immensen Nachholbedarf, was Aufführungen des Schütz-Werkes durch Laien- und Kirchenchöre betrifft.

Gedenkkonzert

Mit Salomone Rossis Psalmen auf dem Programm ist im Frühherbst eine Tournee durch sechs verschiedene deutsche Städte angesagt, bevor dann auch Dresden wieder auf dem Plan steht: Aus Anlass der Reichspogromnacht vor 75 Jahren wird der Kammerchor hier (7.11. Schülerkonzert und 9.11.) sowie in Passau (8.11.) eben jene Psalmen des jüdischen Barockkomponisten, gekoppelt mit Textpassagen aus Robert Menasses "Die Vertreibung aus der Hölle", zur Aufführung bringen und damit an seine eigene Tradition des Gedenkens an die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns anknüpfen.

Heinrich Schütz wiederum wird den Abschluss des Jahres bestimmen: Dann erklingt unter Hans-Christoph Rademann zunächst in Berlin (17.12. Konzerthaus) und dann Dresden (21.12. Frauenkirche) die Weihnachtshistorie.

Neu im Aktionsradius des Dresdner Kammerchors ist das Militärhistorische Museum Dresden: "Schütz im Kontext" heißt das Programm. Das Ensemble singt zur Eröffnung der Sonderausstellung "1636 - ihre letzte Schlacht", die das Geschehen vom 4. Oktober 1636 bei Wittstock und den Lebensalltag im 17. Jahrhundert aus dem Blickwinkel des Soldaten und Söldners beleuchten will. Passend dazu stehen Werke aus den Kleinen geistlichen Konzerten des Sagittarius auf dem Programm, die der Hofkapellmeister in eben jenem Jahr des Dreißigjährigen Krieges komponierte (30. Mai, 18 Uhr, Militärhistorisches Museum).

www.dresdner-kammerchor.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.03.2013

Kerstin Leiße

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