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Der Dresdner Johannes Goldbach fliegt zum internationalen Ballettwettbewerb "Prix de Lausanne"

Der Dresdner Johannes Goldbach fliegt zum internationalen Ballettwettbewerb "Prix de Lausanne"

Johannes Goldbach aus Dresden, 15 Jahre alt, Student der Palucca Hochschule für Tanz, fliegt heute nach Lausanne. Er hat es geschafft. Als einziger deutscher Kandidat wird er zusammen mit 75 Tänzerinnen und Tänzern, die weltweit anreisen, um einen von 20 Plätzen in der Endrunde tanzen.

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Johannes Goldbach

Quelle: PR Palucca Hochschule/ Andreas Siegel

Bislang nahm als Studentin der Palucca Hochschule erst Leslie Heylmann an einer Endrunde teil, sie gehört jetzt als Solistin zu John Neumeiers Hamburger Ballett. Johannes Schmidt, Coryphé beim Semperoper Ballett, konnte seinerzeit trotz Nominierung seinen Flug wegen einer Verletzung nicht antreten.

Die Entscheidungen, wer in diesem Jahr den begehrten und zukunftsorientierten Preis für junge Tänzerinnen und Tänzer erhält, fällt am 2. Februar im Theater von Lausanne. Eine achtköpfige Jury unter Vorsitz von Kay Mazzo, einst Solistin beim New York City Ballet, jetzt Co-Direktorin der Schule des American Ballet in New York. Maximal sechs Preisträger dürfen sich auf Stipendien wie einen einjährigen freien Unterricht an einer der renommierten Partnerschulen des Prix de Lausanne freuen, auf einjährige Praktika bei Partnerkompanien oder als Preis für den modernen Tanz auf die kostenlose Teilnahme an speziellen Sommerkursen.

Urkunden und Medaillen gibt es auch, wobei die Goldmedaille nicht in jedem Jahr vergeben wird. Da müssen schon außerordentliche Talente in allen Disziplinen, Klassisch, Modern, Musikalität, individuelle Präsenz, oder die Fähigkeiten im Umgang mit Bewegungsinhalten und Dynamik nachgewiesen werden. So sieht es das Regelwerk von Rosella Hightower und Maurice Béjart von 1973 vor, als der Wettbewerb um den Prix de Lausanne zum ersten Mal stattfand. Zum ersten Mal in dessen Geschichte wurde Ende 2013 eine Auswahlrunde in Europa, in Deutschland, in Dresden durchgeführt.

Vor dem Abflug war Zeit für ein kurzes Gespräch mit Johannes Goldbach. Noch, so sagt er, halte sich die Aufregung in Grenzen, aber das Lampenfieber wird noch kommen. Er finde es gut, dass zunächst eine Woche Training angesetzt ist, dass es Proben gibt, dass er sich einstimmen kann. Was auf ihn zukommt, weiß er schon, aber so richtig realisieren wird er das wohl erst, wenn es wirklich losgeht mit dem Wettbewerb. Und spannend wird es dann am Sonnabend vor dem großen Finale, wenn bekannt wird, wer tags darauf in der öffentlichen Endrunde dabei ist.

Johannes Goldbach hat gemäß den Regeln des Wettbewerbs zwei Beiträge vorbereitet. Im klassischen Fach ist das eine Variation des Colas aus dem Ballett "La Fille mal gardée", einem Klassiker des 19. Jahrhunderts, der auf eine Vorlage von 1789 zurückgeht. Als modernen Beitrag tanzt er ein Solo aus "Desde Otello" von Goyo Montero aus dem Jahre 2009.

Auf die Frage, wie und wann es für ihn begonnen habe mit dem Tanz, lässt sich so genau nicht antworten. Johannes Goldbach wurde in Radebeul geboren, die Familie zog nach Dresden, er wurde eingeschult in Trachau, 106. Grundschule, jetzt ist er in Pieschen zu Hause. Oder doch mehr im Internat der Hochschule, wo er seit der fünften Klasse die meiste Zeit verbringt. Und einer Aktion der Palucca Schule, bei der es darum ging, Talente zu finden, verdankt er auch seinen Weg. Man war auf ihn aufmerksam geworden, im Sportunterricht, und er wurde gefragt, ob er sich vorstellen könne, einen Eignungstest zu machen. Die Eltern und Großeltern fanden das auch nicht verkehrt, er bestand die Eignungsprüfung und hat es bis heute nicht bereut, diesen Weg mit Unterstützung seiner Familie eingeschlagen zu haben. Ja, klar, die Kumpels vom Fußball hätten erst gestaunt, Tänzer, hä? Aber bald war klar, der ist klasse, der macht das, und das ist gut so.

Inzwischen, so sagt er, fühle er sich mit Leib und Seele als Tänzer. Keine Frage, Momente der Unsicherheit gibt es schon, die Anforderungen sind enorm. Aber was kann man sich denn tolleres wünschen, als etwas zu machen, bei dem man total authentisch sein müsse, sonst nütze auch die beste Technik nichts. "Im Tanz gibt es kein Playback, alles ist echt."

Tanz ist für den Fünfzehnjährigen ein existenzieller Akt. Er drückt es nicht so aus, aber darum geht es im Gespräch, wenn er etwa erzählt, wie herausfordernd und schwer die klassischen Ansprüche sind, wie moderne Techniken den Körper fordern. Aber dann, vor den Leuten, muss es leicht wirken, selbstverständlich, unverstellt ehrlich.

Ja, seine große Liebe gehöre schon dem klassischen Ballett, und gerade hier komme es darauf an, den eigenen Stil zu finden, bei aller geforderten Exaktheit immer sich selbst nicht zu verleugnen. Und das ist zu erreichen, mit guter Ausbildung und eigenem Einsatz. Er nennt Tänzer, die er bewundert, eben genau darum, wie den argentinischen Tänzer Julio Bocca, der auch zur Jury in Lausanne gehört, oder den italienischen Tänzer Roberto Bolle. Und er hat seine Lieblingsstücke, derzeit ganz klar, "La Fille mal gardée" oder den Piratenreißer "Le Corsaire" oder "Don Quixote", und hier hat es ihm die Partie des Basil angetan.

Auch wenn Johannes Goldbach jetzt auf dem Weg nach Lausanne ganz wörtlich genommen abheben wird, die Bodenhaftung hat er nicht verloren, und dazu kommt sein schlagfertiger Humor. Denn auf die Frage, was er denn mache, wenn es in Lausanne nicht klappt, sagt er mit freundlichem Lachen, "dann klappt es in New York", was ich für einen Scherz halte. Ist aber nicht der Fall, denn schon April geht es tatsächlich zum nächsten Wettbewerb, er hat es nämlich auch geschafft, sich auch für den Youth American Grand Prix zu qualifizieren. Und auch da geht es, wie man gerade in einem ausgezeichneten Dokumentarfilm sehen konnte, um "First Position".

Na dann, guten Flug, und gute Landung.

@www.prixdelausanne.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.01.2014

Boris Gruhl

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