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Der Dresdner Gitarrist Lars Kutschke stellt sein erstes Soloalbum vor

Der Dresdner Gitarrist Lars Kutschke stellt sein erstes Soloalbum vor

Der Name Lars Kutschke taucht in einer enormen Bandbreite nicht nur städtischer Live-Musik auf: Montags bei den Jazzfanatics in der Scheune, regelmäßig im Blue Note, am Theater, auch in der Stammband der Open-Mic-Nächte.

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Lars Kutschke.

Quelle: PR

Überregional spielt(e) Kutschke u.a. bei den Zöllnern, Keimzeit, Pascal von Wroblewsky. Seit 2005 begleitet er die US-amerikanische Bluessängerin Sharrie Williams, hat für sie zwei CDs produziert, Songs geschrieben und viele Konzerte weltweit gespielt. Mit "Right Here Right Now" ist jetzt seine erste Solo-CD herausgekommen.

Frage: Kaum zu glauben, dass die erste Kutschke-Soloplatte so spät kommt...

Lars Kutschke: Das Konzept dafür sollte lange Zeit folgendes sein: Ich hole mir ein paar gute Sänger und interpretiere fremde Songs. Denn ich mag Songs. Ich höre, ehrlich gesagt, kaum Gitarrenmusik, eher Motown-Sachen, Al Green oder Bob Dylan. Die Summe musikalischer Leistungen und die Texte sind wichtig für mich. Das ursprüngliche CD-Konzept hat sich trotzdem noch einmal verändert, denn in den letzten Jahren sind sehr viele europäische, speziell skandinavische Künstler aufgetaucht, die genau dasselbe gemacht haben: neu interpretierte Songs aus den 1980ern. Ich habe mich also schrittweise von meinem ursprünglichen Vorhaben verabschiedet.

...und doch eine Instrumentalplatte gemacht.

Ja, bis auf ein gesungenes Stück mit Sharrie. Ich war vor zwei Jahren auf einer sehr langen und schönen Tour durch Osteuropa, hatte viel Muße zwischen den Konzerten und habe Material komponiert, das weder zum Orgeltrio noch zur Arbeit mit Sharrie passen wollte. Es hing irgendwie in der Luft und hat mir trotzdem gefallen. Also habe ich mit Chris Coleman, Sjan Till Sahm und Tom Götze drei Freunde angerufen, die ich auch als Musiker schätze, habe sie in ein Berliner Studio getrommelt und ihnen meine losen Blätter und Skizzen präsentiert. Sie brachten eigene Ideen mit, und zusammen haben wir das im vorigen Jahr ohne Druck in eine, wie ich finde, sehr schöne Form gebracht. Die Zeit war reif dafür.

"Right Here Right Now" sagt das ja schon im Titel. Die Stücke sind sehr direkt abgemischt, klingen fast wie live und dadurch sehr lebendig und klar.

Gerade Chris Coleman gehört zu den versiertesten Drummern der heutigen Zeit, hier aber musste er wie die anderen eher "einfach" spielen. Ich mag es, wenn Musik aufgeräumt ist, wenn sie eine Ebene hat, aus der immer wieder etwas auftaucht, das man entdecken kann. Für meinen Geschmack muss in der Musik viel Platz sein, wie ich es auch an Filmen mag, wenn dort Raum ist.

Die CD klingt sehr authentisch nach Lars Kutschke, vor allem was Ihre Auffassung von Musik anbelangt. Ist für Sie die Bezeichnung "zwischen den Stühlen" positiv besetzt? Die Tatsache also, dass Sie weder Jazz- noch Blues- oder Rockpurist sein wollen?

Unbedingt. Ich habe mich, als ich 18 oder 19 war, mit heißer Flamme in den Jazz gestürzt und alles inhaliert, was ich bekommen konnte. Im elektrischen Blues habe ich jedoch gefunden, was ich bei der Jazzgitarre immer vermisst habe: die Fähigkeit, Noten zu formen und zu biegen wie ein Sänger oder Saxophonist. Es war aber klar, dass ich niemals Blues-Purist werden kann und auch nicht will. Dafür ist die Welt der Musik dann wiederum zu groß und zu schön.

Fühlen Sie sich manchmal zerrissen oder ist alles so logisch, wie es klingt?

Stilistische Einschränkung kann ein faszinierender Weg sein. Wie die Rotweine im Burgund: Ausschließlich Pinot Noir, aber niemand sonst auf der Welt bekommt ihn so hin. Ich wünschte mir manchmal, dass ich nur eine Sache gemacht, diese aber so tief wie möglich ausgelotet hätte. Das ist mir nicht gelungen. Ich kann trotzdem nicht sagen, dass ich sonderlich traurig darüber wäre. Auch deshalb bin ich mit der CD und ihrer Spannbreite zwischen Gospel, Rock, Blues, ein wenig Jazz und Funk sehr glücklich.

Können und wollen Sie Einflüsse oder Vorbilder benennen? Viele gerade junge und deutsche Musiker mögen das ja überhaupt nicht.

Ich hatte und habe das riesige Glück, durch die Arbeit mit Sharrie Williams viele großartige Künstler aus nächster Nähe zu erleben und mit ihnen auf der Bühne zu stehen - Buddy Guy, Taj Mahal, Bettye LaVette, Robert Cray, Van Morrison, Hubert Sumlin. Sie und ihre Geschichten haben mich enorm beeinflusst, ich konnte das förmlich aufsaugen und fühle mich dadurch ein wenig gesegnet. Auf YouTube kann man heute alle technischen Aspekte des Musikmachens erlernen, die Art, wie ich gefüttert worden bin, hat aber mit Seele zu tun. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, wieso dieser oder jener Typ da vorn nur drei Noten spielt, die mir und dem Publikum richtig ans Herz gehen. Danach komme ich, spiele 60 Noten, inklusive dieser drei, und es ist trotzdem nicht dasselbe.

Sorgen diese befreienden Erfahrungen auch dafür, dass Sie immer wieder gern nach Dresden zurückkommen und in dieser eher beschaulichen Stadt Ihr eigenes Ding machen?

Ich liebe Dresden, aber ich wollte tatsächlich vor acht Jahren in die USA gehen. Gut, ab und an habe ich bereut, es nicht getan zu haben. Dort hätte ich sicherlich viel erreichen können, aber mein erstes Kind wurde geboren... Heute bin ich in der wunderbaren Position, auf der ganzen Welt spielen zu dürfen. In Dresden zu leben, ist eine wunderbare Balance. Hier zu arbeiten auch, obwohl die Gefahr in so einer eher kleinen Stadt groß ist, dass man faul wird, weil man sich nicht die Zähne ausbeißen muss und einem keiner in den Hintern tritt.

Nur die Kollegen können zumeist beantworten, weshalb man für ein bestimmtes Projekt geholt wird. Haben Sie trotzdem eine Vorstellung, warum beispielsweise Sharrie Williams genau Sie in ihrer Band haben will?

Das kann ich, weil sie mir es gesagt hat. 2001 war sie das erste Mal in Europa. Ich war Gitarrist in ihrer Pick-Up-Band, und schon kurze Zeit darauf lud sie mich in die USA ein. Sie sagte später einmal, dass ich an der richtigen Stelle die richtigen Noten spielen würde. Ein tolles Kompliment! Und genau das macht mir die meiste Freude: Hinter Sängern Rhythmus zu spielen, so, dass es passt. Ich fühle mich nicht als Musiker für Musiker oder Gitarrenfreaks. Das ist nicht mein Publikum. Ich fühle mich am wohlsten, mit einem großartigen Schlagzeuger minutenlang einen Groove zu spielen oder einen Sänger, der mir selbst unter die Haut geht, zu begleiten. Wenn ich dann noch acht Takte für ein Solo bekomme, reicht es.

Das Angebot an reinen und qualitativ hochwertigen, noch dazu internationalen Blues- oder Soulkonzerten in Dresden ist überschaubar. Sie haben seit einem Jahr eine eigene Reihe im Blue Note, die sich dem Blues widmet. Wie läuft sie?

Mittlerweile richtig gut. Kirk Fletcher war da, Alex Schultz, jetzt kommt Sharrie Williams, aber auch viele eher lokale Musiker sind dabei. Ich muss ganz klar sagen, dass das, was Mirko Glaser mit dem Blue Note leistet, einzigartig ist. Hätte er seinen Club nicht, wäre ich vielleicht wirklich schon aus Dresden weggegangen. Ich mag die Tonne oder den Beatpol, aber das Blue Note ist ein richtiges Musikzentrum. Das wird vor allem auch von US-amerikanischen Musikern honoriert, die sich hier wie zu Hause fühlen.

Lars Kutschke: Record-Release-Konzert, Montag; Konzert Sharrie Williams, Mittwoch, 10. Juli, beides 21 Uhr, Blue Note

CD: "Right Here Right Now" (Sound So)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2013

Andreas Körner

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