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Der Dresdner Geiger Wolfgang Hentrich spielt das Violinkonzert des Dresdner Komponisten Torsten Rasch

Uraufführung Der Dresdner Geiger Wolfgang Hentrich spielt das Violinkonzert des Dresdner Komponisten Torsten Rasch

Zur Festwoche „800 Jahre Dresdner Kreuzchor, Kreuzkirche und Kreuzschule“ kommt der Komponist Torsten Rasch, Ex-Kruzianer des Jahrgangs 1965, mit einem neuen Stück in seine Geburtsstadt. Das Auftragswerk der Dresdner Philharmonie wird mit Wolfgang Hentrich als Solist in der Kreuzkirche uraufgeführt.

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Komponist Torsten Rasch (l.) und Geiger Wolfgang Hentrich (Erster Konzertmeister der Dresdner Philharmonie).

Quelle: Holger Schütze

Dresden. „Kruzianer und Komponist“. Zur Festwoche „800 Jahre Dresdner Kreuzchor, Kreuzkirche und Kreuzschule“ kommt der Komponist Torsten Rasch, Ex-Kruzianer des Jahrgangs 1965, mit einem neuen Werk in seine Geburtsstadt. Unvergessen sind hier sein Zyklus „Mein Herz brennt“ zu Rammstein-Texten sowie das musikalisch mit den Pet Shop Boys betriebene Schlachtschiff „Potemkin“. Nun soll ein Violinkonzert erklingen. Wolfgang Hentrich freut sich darauf. Der Erste Konzertmeister der Dresdner Philharmonie wird den Solopart des Auftragswerks ausführen. Michael Ernst sprach mit ihm.

Frage: Mit welchen Gefühlen gehen Sie an die Uraufführung von „Tropoi“, diesem Violinkonzert von Torsten Rasch?

Wolfgang Hentrich: Dieses Konzert nimmt momentan meine gesamte Zeit in Anspruch. Das sind ganz aufregende Gefühle, denn ich kenne das Werk ja bis jetzt nur als Partitur, bin also sehr gespannt darauf, es nun erstmals gemeinsam mit dem Orchester erklingen zu lassen. Natürlich bin ich beim Lesen der Partitur auf meine Violinstimme fokussiert, zumal ich als Solist fast durchgängig in Aktion sein werde. Obwohl das ein richtig schwerer Part ist, bin ich jetzt schon sehr fasziniert davon. Das ist eine unglaublich dichte Musik mit einem Solopart, wie man ihn sich als Geiger nur wünschen kann. „Tropoi“ ist ja ein Ausdruck für Melodien, es geht um die eine Melodie, die vielleicht in der Natur ist, die wir jedoch alle nicht kennen. Von der wir aber das Gefühl haben, dass sie die Menschen verändern könnte.

Haben Sie als Uraufführungssolist den Entstehungsprozess des Konzertes mit begleiten können?

Es ist seit mindestens zehn Jahren mein Wunsch, ein Konzert von Torsten Rasch herauszubringen. Das resultiert aus unserer Zusammenarbeit bei „Mein Herz brennt“ im Jahr 2002. Als wir uns nun für dieses neue Werk trafen, sein erstes Konzert für Violine, da hatte ich nur eine einzige Bitte: Dass mein Instrument als Streichinstrument zur Geltung kommt. Ich wollte es nicht für Geräusche missbrauchen lassen, also nicht darauf klopfen oder so. Aber diese Sorge war bei Torsten Rasch vollkommen unbegründet. Er hat einen aberwitzigen Anfang geschrieben, einen nie dagewesenen Klang gewagt, das ist gar nicht mehr ortbar, so hoch fängt das an. Der erste Satz trägt den Titel „Abstieg“, der Schluss heißt dann „Aufstieg“. Dazwischen gibt es „In Zungen sprechen“ und „Verrücktheit“. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier viele Möglichkeiten habe, auf meinem Instrument zu singen.

Aufgrund seiner vielen Projekte auch in der Filmmusik wird Torsten Rasch oft in die Cross-over-Ecke gerückt. Täte man ihm damit Unrecht?

Ich glaube nicht, dass er sich dort wohlfühlen würde. Die Melodien und Intervalle, die ich jetzt gerade einstudiert habe, die sind ein wirklicher Personalstil von Torsten Rasch. Da ist nichts schon vorhanden, das man einfach so abrufen könne. Wenn schon, dann passt er am ehesten in die Schublade „Komponist“.

Man kennt Torsten Rasch als einen sehr dramatisch veranlagten Komponisten. Was lässt er Sie im Violinkonzert „erzählen“?

Das Konzert ist ja dem Schriftsteller Helmut Krausser gewidmet, der auch selbst Komponist ist. Wer dessen 900-Seiten-Roman „Melodien“ gelesen hat, empfindet vielleicht diesen großen humanistischen Anspruch, den ich in meiner Violinstimme enthalten sehe.

Es ist sicher kein Zufall, dass Krausser am Sonntag zur Uraufführung kommen wird. In seinem Buch ging es ja auch darum, nach einer Ur-Melodie zu suchen. Die „ewige Melodie“, sie ist uns abhanden gekommen?

Diese Dramatik empfinde ich in meiner Violinstimme. Es ist kaum übertrieben, wenn ich sage, das Stück frisst mich gerade ziemlich auf. Dieses Konzert von ist voll von diesem Suchen nach der „ewigen Melodie“. Natürlich möchte ich auf der Geige Geschichten erzählen. Dieses Stück hat eine „ewige Geschichte“. Außerdem hat das Werk eine unglaubliche Logik. Ich gehe da zwar über mein Gefühl heran, aber ich weiß, dass Torsten Rasch eine uralte japanische Zahlenreihe verwendet und sie sehr schlüssig mit Zitaten aus alten Chorälen verbunden hat.

Also passt die Kreuzkirche als Uraufführungsort?

Unbedingt! Auch wenn wir hier natürlich die im Vergleich zu einem reinen Konzertsaal wesentlich längeren Nachhallzeiten berücksichtigen müssen. Das ist etwas schwierig, denn wir wollen es ja durchhörbar machen. Das Konzert passt gut in den Kirchenraum, braucht diese Akustik aber nicht unbedingt. Die 800 Jahre sind ein schöner, würdiger Anlass für die Uraufführung, aber ich finde, das Stück muss unbedingt in die Konzertsäle.

Gibt es schon Überlegungen für weitere Aufführungen?

Ja, da die Philharmonie diesen Kompositionsauftrag gemeinsam mit dem US-amerikanischen Orchester Spokane Symphony and South Carolina Philharmonic ausgerichtet hat, wird es dort im Herbst eine Aufführung geben. Ich hoffe aber darauf, auch andere Orchester in Europa von der Qualität dieses Werks überzeugen zu können.

Wie ist es für Sie, jetzt als Solist vor dem eigenen Orchester zu stehen?

Vor den eigenen Kollegen zu bestehen, das ist wirklich das Schwierigste. Man will natürlich immer seiner Verantwortung gerecht werden, das Stück zu beherrschen, aber vor den eigenen Kollegen ist das eine ganz besondere Herausforderung. Andererseits aber auch etwas sehr Schönes, weil ich in diesem Orchester ja zu Hause bin und weiß, dass viele Kollegen mit mir mitfiebern und das Beste geben werden, um dieses Werk und auch mich bestmöglich zu unterstützen. Das ist dann eher eine schöne Motivation für mich.

Uraufführung „Tropoi“ von Torsten Rasch: Sonntag, 17.4., 18 Uhr Kreuzkirche

Von Michael Ernst

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