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Der Dresdner Filmemacher Alexander Schulz und seine Arbeit

ungewöhnliche Perspektive Der Dresdner Filmemacher Alexander Schulz und seine Arbeit

Der 30-jährige Dresdner Alexander Schulz entdeckte seine Passion fürs Filmemachen bereits in seiner Kindheit. Heute ist er Mitgründer der „Die Filmagentur“. Ein Porträt:

Alexander Schulz
 

Quelle: Pr

Dresden.  Der 30-jährige Dresdner Alexander Schulz entdeckte seine Passion fürs Filmemachen bereits in seiner Kindheit. Bald verschlang er Making-Of-Texte und drehte mit der Hi-8-Kamera seines Vaters erste Kurzfilme. Nach dem Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Hochschule Mittweida realisierte er seinen ersten Langfilm „Mitfahrgelegenheit“ – die erste interaktive Spielfilmproduktion Deutschlands, bei der Fans und Unterstützer über das Internet an Entscheidungen zu Titel, Drehbuch und Darstellern teilhaben konnten.

Die Erfahrungen dieses Projekts bildeten auch den Grundstein für die Produktionsfirma „Die Filmagentur“, die Alexander Schulz im selben Jahr zusammen mit seinem Kommilitonen Fabian Schmidt in Dresden gründete. Das Unternehmen realisiert seitdem erfolgreich Werbefilme, namhafte Kunden umfassen die Deutsche Bahn, Audi und Glashütte Original. Dabei betreut Schulz die Projekte auf kreativer Ebene – über Buch und Regie bis hin zu Kamera und Schnitt – während sich sein Partner um Organisation und Kundenbetreuung kümmert.

Die bei der täglichen Arbeit gewonnenen Erfahrungen erachtet Alexander Schulz als unverzichtbar für die künstlerischen narrativen Projekte, die er gemeinsam mit Fabian Schmidt neben dem kommerziellen Geschäft realisiert. „Bei Werbefilmen kann man jedes Mal einen komplett neuen Stil ausprobieren“, so der junge Filmemacher. „Und man ist gezwungen, kurz und prägnant zu denken. Man lernt, alle relevanten Fächer einer Produktion zu verstehen, und das ist natürlich sehr hilfreich für fiktionale Filmprojekte.“

Auf welch professionellem Niveau Alexander Schulz sein Handwerk mittlerweile verinnerlicht hat, zeigt eindrucksvoll sein neuester Kurzfilm „Bis dass der Tod uns scheidet“. In exquisiten Schwarzweißbildern erzählt dieser die Geschichte eines einsamen Witwers, dessen Frau unvermittelt von den Toten aufersteht. Der zunächst überglückliche Ehemann muss jedoch bald merken, dass ein erneutes Zusammenleben mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist. Und auch der Zuschauer wird seine Erwartungshaltung überdenken müssen.

„In meiner ersten Drehbuchfassung fiel die Frau ins Koma, und der Mann musste plötzlich allein zurechtkommen“, erläutert der Filmemacher. „Aber das war eine sehr deprimierende Geschichte. Ich wollte versuchen, sie aufzulockern, und kam dann auf die Idee: Was, wenn die Frau bereits gestorben ist und als Untote zurückkehrt? Wenn der Mann versucht, sie wieder zu seiner geliebten Ehefrau zu erziehen, aber mit ansehen muss, wie sie zunehmend verfällt? So steht er irgendwann vor einer schweren Entscheidung: Soll er sie am Leben halten, nur um nicht einsam zu sein, oder sie gehen lassen und lernen, selbst klarzukommen?“

Auf diese Weise erdet „Bis dass der Tod uns scheidet“ seinen Genre-Rahmen mit einer greifbaren, zutiefst menschlichen Geschichte, die ernste Themen wie Tod, Verlust und Demenz auf originelle, tragikomische Weise reflektiert, ohne dabei in den dokumentarisch-tristen Duktus typischer deutscher Dramen zu verfallen. „Auch darum habe ich mich für Schwarzweiß entschieden“, unterstreicht Alexander Schulz. „Der Zuschauer soll gleich merken: Das hier ist Film, das ist Märchen.“

Die größten Herausforderungen waren neben der Finanzierung des Projekts das Finden eines geeigneten Drehorts – nach monatelanger Suche sicherte man sich schließlich ein altes Haus in der Nähe von Bayreuth – sowie das Casting der beiden älteren Hauptdarsteller, die immerhin bereit sein mussten, ohne Gage für neun Tage mit dem Filmteam ins bayrische Hinterland zu fahren. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Die Atmosphäre ist dicht, und beide Akteure – Arne Fuhrmann und Eva-Maria Kurz – verleihen ihren Figuren eine ergreifende Menschlichkeit.

Nachdem der Film nun Premiere feiern wird, hofft Alexander Schulz, ihn auf möglichst vielen Festivals unterbringen zu können. „Refinanzieren wird er sich nicht – ein Kurzfilm ist im Endeffekt immer eine sehr teure Visitenkarte. Man hofft, dass man damit gesehen und ernstgenommen wird, über gewonnene Preise vielleicht genug Aufmerksamkeit generiert, um in der Folge einen Langfilm finanzieren zu können. Für mich ging es aber vor allem um den Spaß am Drehen und Erzählen, denn es ist letztendlich wahrscheinlicher, dass ich neue Projekte über meine Arbeit im Werbe-Sektor selber finanzieren werde.“

Somit ist es in der Tat bewundernswert, wie konsequent der Dresdner seinen Traum trotz aller Herausforderungen verfolgt, indem er erfolgreich kommerzielle Arbeit mit künstlerisch hochwertigen Filmprojekten verbindet – und aufzeigt, dass man auch ohne Regieabschluss hochprofessionelles Kino machen kann. Bleibt ihm zu wünschen, dass er mit „Bis dass der Tod uns scheidet“ allen verdienten Erfolg erfährt und seine zukünftigen Projekte auf jener großen Leinwand präsentieren kann, die er im Geist bereits als Kind mit phantastischen Geschichten gefüllt hat.

Filmpremiere am 13. März, 14 Uhr, im Lingnerschloss

Von Rafael Kühn

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