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Der Dresdner Dirigent und Komponist Manfred Grafe ist tot

Der Dresdner Dirigent und Komponist Manfred Grafe ist tot

wie fast immer zu solchen Anlässen - zur Premiere von Johann Strauß' "Eine Nacht in Venedig" an seine frühere Wirkungsstätte, die Staatsoperette Dresden, kommen wollen.

Heute Abend hatte er. Reichlich zehn Jahre, von 1976 bis 1987, war Manfred Grafe Musikalischer Oberleiter an der Leubener Bühne, an der er bereits seit 1970 als Erster Kapellmeister gearbeitet hatte. Sein Platz wird heute frei bleiben, denn am Mittwoch ist der Komponist, Dirigent und Arrangeur im Alter von 77 Jahren gestorben.

"Das Ensemble der Staatsoperette Dresden trauert um einen hoch verehrten Kollegen und großen Könner seines Fachs", heißt es in einem Schreiben des Theaters, an dem unter Manfred Grafes musikalischer Leitung zahlreiche Ur- und Erstaufführungen von Operetten und Musicals stattgefunden hatten, darunter die DDR-Erstaufführungen von "Cabaret" 1976 oder - unvergessen - von Webbers "Evita" im Jahre 1987.

Manfred Grafe, am 25. Mai 1935 in Löbau geboren, studierte Dirigieren und Komposition, zuletzt an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, wo er 1957 sein Examen ablegte. Engagements als Dirigent führten ihn von Meißen über Görlitz nach Dresden. Nachdem er sein hiesiges Engagement an der Staatsoperette beendet hatte, war Manfred Grafe 1987 bis 1993 als Chefdirigent beim Wismut-Orchester Karl-Marx-Stadt (später Staatliches Orchester Sachsen/Chemnitz) tätig. Seit 1993 arbeitete er dann freiberuflich als Komponist, Dirigent und Arrangeur, unter anderem für den WDR Köln. Seine Bearbeitungen reichen von großer sinfonischer Besetzung bis hin zur Combo.

Für die Staatsoperette, der er stets treu geblieben war, arrangierte Grafe zahlreiche Musicals und Operetten. Seine besondere Vorliebe galt Jacques Offenbach, von dem er insgesamt 14 Operetten hier dirigierte. Für "Viktoria und ihr Husar" von Paul Abraham, auf die Bühne gebracht 2003, erarbeitete er eine neue jazzige Instrumentation nach dem nur durch historische Ton- und Filmaufnahmen überlieferten Original. "Schweren Herzens müssen wir nun auf ihn verzichten - nicht aber auf seine wunderbaren Arrangements und Instrumentationen, die uns weiter begleiten werden und ihn uns nie vergessen lassen", hieß es aus dem Haus gestern weiter.

Einen Ruhestand im eigentlichen Sinne hatte es für Manfred Grafe nicht gegeben. Erst im Februar dieses Jahres etwa war im 5. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle in der Semperoper durch das Ensemble Semper Brass Dresden sein Divertimento für drei Trompeten, drei Posaunen und Pauken uraufgeführt worden. Das dreisätzige Stück habe nicht nur durch fast sinfonische Klangfülle überrascht, sondern auch anspruchsvolle Rhythmik mit frischer, effektvoller und ungekünstelt sprechender Musik verbunden, schrieb der Rezensent dieser Zeitung nach dem Konzert.

"Effektvoll und ungekünstelt", das galt nicht nur für Grafes ureigene Musik, sondern auch für seine feinfühligen Arrangements, die immer von großem Respekt vor dem Original zeugten. Grafe arbeitete für Laiensembles wie den Polizeichor Dresden, dem er mehrere Medleys "auf den Leib" schrieb, gleichermaßen wie für professionelle Musiker. Die Künstler des Moritzburg Festivals, der Dresdner Kapellsolisten, der Landesbühnen Sachsen oder die Cellistin Sol Gabetta haben sich seiner Künste bedient; in Erinnerung ist auch Grafes musikalische Einrichtung von Ludwig Minkus' Ballett "Don Quixote", für die ihn 2004 der damalige Ballettdirektor der Sächsischen Staatsoper, Vladimir Derevianko, engagierte.

Nicht zuletzt hat Grafe seine Erfah-rungen an den künstlerischen Nachwuchs weitergegeben. An der Dresdner Musikhochschule hatte er seit 1992 Instrumentierung und Instrumentenkun-de unterrichtet, zudem leitete er Koproduktionen der Kunsthochschulen und der Staatsoper Dresden in der damali-gen "kleinen szene", so Christiane Brückners "Diamond Way" und John Lunns "Die Zofen". DNN

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.04.2013

DNN

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