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Der DEFA-Film zum Wagnerjahr: "Der fliegende Holländer" in einer Version von Joachim Herz aus dem Jahr 1964

Der DEFA-Film zum Wagnerjahr: "Der fliegende Holländer" in einer Version von Joachim Herz aus dem Jahr 1964

Wer den Film gesehen hat, wird sich erinnern. Es sind die Augen der Schauspielerin Anna Prucnal als Senta, die man nicht so schnell vergessen kann. Was später immer stärker in den Blick der Regisseure kam - insbesondere Harry Kupfer mit seiner Bayreuther Inszenierung von 1978, die inzwischen auch auf DVD erschienen ist, intensivierte die Sicht darauf -, hat Joachim Herz in seiner Verfilmung von 1964 eindrücklich und aus heutiger Sicht geradezu paradigmatisch sichtbar gemacht.

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Plakat zum Film "Der fliegende Holländer"

Quelle: DIF

"Der Fliegende Holländer" ist Sentas Traum. Sentas Traumwelt sprengt die engen Grenzen ihres eintönigen Lebens als Tochter des geschäftstüchtigen Seemannes Daland, umgeben von spinnenden Frauen, bedrängt vom Jäger Eric mit gütigem Herzen, aber engem Sinn.

Joachim Herz und sein Kameramann Erich Gusko konnten sich damals neuer Techniken bedienen und das bei der DEFA bis dahin schon etablierte Genre des Opern- oder Operettenfilms weit über das bis dahin übliche Maß der bei Musikfilmen gängigen Ästhetik hinaus führen. Bildtechnisch war es möglich geworden, ohne Objektivwechsel das Bild zu verengen und groß aufzublenden. So ist die normale Welt Sentas auch optisch klein, und ihre Traumwelt bekommt weite Dimensionen. Der Film ist in Schwarzweiß gedreht, das ergibt eine gewisse Strenge, zum anderen auch immer wieder Momente, die so etwas wie expressionistische Bildwelten entstehen lassen.

Auch tontechnisch nutzte Joachim Herz die noch ganz neuen Möglichkeiten. So gibt es immer wieder akustische Wechsel zwischen "normalem" Monoklang und parallel zum Bild das große Aufblenden, den Raumklang aus mehreren Lautsprechern, wobei die damals noch recht neue Vierkanaltontechnik zur Anwendung kommt. Bei wenigen Umstellungen hat Herz die Handlung der Oper auf gut 100 Minuten gestrafft, der erzählerische Duktus ist stringent, Aufnahmen im Studio wechseln bspw. mit Einstellungen am Strand, hierbei dürfte es sich um den der Ostsee auf dem Territorium der DDR handeln.

Gemäß der Aussage des Films lebt die Bildsprache von der Intensität der polnischen Schauspielerin Anna Prucnal, die es bei der DEFA später mit der Komödie "Reise ins Ehebett" zu großer Popularität bringen wird. Wegen des Films "Sweet Movie", den sie 1974 mit dem jugoslawischen Regisseur Dusan Makavejev dreht, wird sie aus Polen ausgewiesen. Sie geht nach Paris, Fellini entdeckt sie für seine "Stadt der Frauen", dann startet die in Warschau ausgebildete Sängerin als Chansoninterpretin und macht eine internationale Karriere, die bis heute erfolgreich ist. Erst 1989 durfte sie wieder nach Polen reisen, damals bestand Francois Mitterand bei seinem Staatsbesuch darauf, dass sie und Francoise Sagan ihn begleiten.

Joachim Herz hatte alle Rollen mit Schauspielern besetzt, Fred Düren ist der Holländer, Gerd Ehlers Daland, Herbert Graedke Erik und Mathilde Danegger Mary. Es spielt das Gewandhausorchester Leipzig unter Leitung von Rolf Reuther, den Chor der Leipziger Oper hat Andreas Pieske einstudiert. Die Partien werden von Opernsängern gesungen, das ist immer dann besonders stark, wenn der Gesang zum inneren Monolog wird und die Schauspieler nicht "synchronisieren". Diese Form hatte Walter Felsenstein 1956 in "Fidelio" schon wesentlich konsequenter verwendet bei seinem einzigen Spielfilm nach Beethovens Oper.

In der Verfilmung der Wagneroper von Joachim Herz passen die Stimmen der Sänger nicht immer zum Spiel der Schauspieler. Hat man dennoch beim Gesang von Rainer Lüdecke als Holländer, Hans Krämer als Daland, Rolf Apreck als Erik oder Katrin Wölzl als Mary eindrückliche Hörerlebnisse, so bleibt die gesangliche Leistung von Gerda Hannemann als Senta oft unangemessen.

Dennoch, es ist gut, dass noch rechtzeitig zum Jubiläumsjahr dieses Dokument wieder da ist. Wegen der optischen Erkenntnisse, die der Film liefert, aber auch wegen der bis heute gültigen Interpretation dieser Oper durch Joachim Herz, und natürlich nicht zuletzt wegen der Erinnerungen an Sängerinnen und Sänger, Schauspielerinnen und Schauspieler, denen wir grandiose Opernabende, Theateraufführungen und Filme verdanken.

Der Fliegende Holländer, DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg, 98 Minuten, s/w, Totalvision und Normalformat, 4-Kanal-Magnetton. DVD, erschienen bei ICESTORM Entertainment GmbH, Berlin

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2013

Boris Gruhl

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