Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Der Comedian Ralf Schmitz ließ den Schlachthof toben

Der Comedian Ralf Schmitz ließ den Schlachthof toben

Dass Comedians in ihren Live-Programmen einen Schnellstart hinlegen, ist normal. Aber was Ralf Schmitz am Mittwoch im ausverkauften Schlachthof für einen Raketenstart produzierte, war phänomenal.

Voriger Artikel
Geiger Daniel Hope über den Einfluss europäischer Flüchtlinge auf die amerikanische Filmmusik
Nächster Artikel
Rihm, Lachenmann und Beethoven im Sinfoniekonzert der Musikhochschule

Ralf Schmitz mit vollem Körpereinsatz im Alten Schlachthof.

Quelle: Dietrich Flechtner

Und dann Klaus. Es dauerte keine drei Minuten und er saß bei der ersten Zuschauerin auf dem Schoß. Der Saal tobte.

Und dann Klaus. Auf ihn war Schmitz durch das wiehernde Lachen von dessen Frau aufmerksam geworden. Klaus beziehungsweise "Dor Glauos", wie Schmitz ihn nannte, wurde zu einem der Running Gags des Abends, die Schmitz zu Beginn säte. Mit deren Pointen würzte er immer wieder seine Nummern, was zwar zum Rüstzeug eines jeden guten Comedians gehört, Schmitz aber setzte es grandios ein. Er zog überhaupt eine Menge Zuschauer auf. Aber er blieb immer der Nette, der sich über sich selbst totfeixt und sich für alle Spaßhäme gleich entschuldigte. Er nannte das Publikum "Ihr Lieben". Da ist er anders als etwa ein Krömer oder Mittermeier.

Ines und Michaela müssen leiden

"Aus dem Häuschen" heißt das aktuelle Programm des 40-Jährigen. Er gehört mittlerweile zur etablierten Riege der deutschen Comedians. Hat im Team der Schillerstraße auf Sat 1 einst die Gunst des Publikums für sich gewonnen, wurde ausgezeichnet unter anderem mit dem Deutschen Comedypreis. Nur seine Mitgliedschaft in der dumpfen Zwergenschar von Otto Waalkes passt nicht so recht ins Bild.

Eines kann er sehr gut: Sich hämisch lustig machen über die Angst des Publikum, von ihm angesprochen zu werden oder auf die Bühne zu müssen. Jeder Comedian macht es mittlerweile. Ralf Schmitz trieb das in Dresden auf die Spitze. Zu Anfang ging er in die vorderste Reihe, kommentierte das Zuschauerverhalten, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten und die Farbe der Umgebung anzunehmen. Nur um dann in die zweite Reihe zu gehen, weil die sich ja schon in Sicherheit wogen. Und er verspricht irgendwann, jetzt müsse wirklich niemand mehr auf die Bühne. Zuschauerin Ines solle ihm einfach ein Wort zurufen. 30 Sekunden später ist Ines auf dem Weg zur Bühne, Schmitz begrüßt sie beschwichtigend: "Keine Angst, es wird nicht so schlimm, wie du befürchtest. Es wird viel, viel schlimmer!" Und feixt...

Zuschauerin Michaela hingegen hatte durch ein lautstarkes "DM" die Aufmerksamkeit von Schmitz auf sich gezogen, nachdem er gefragt hatte, wo man alles einkaufen könnte. Die Vehemenz dieses "DM" trieb Schmitz gleich mal zu einer spontanen Hitlerparodie. Jedenfalls wurde Michaela zur Bühnenprotagonistin, mit der Schmitz drei Mal die gleiche Einkaufsszene spielte: besoffen, wütend, erregt. Besoffen war einfach großartig, weil besoffen immer großartig ist. Aber auch, weil Schmitz es auf die gute Dinner-for-One-Weise macht. Dresden grölte.

Wagt sich aufs Feld der Improvisation

Schmitz ist irgendwie anders als viele deutsche Comedians. Er macht auch Stand-up und erzählt hier und da eine lustige Geschichte. Etwa, wie er als Bohrmaschinen-Rambo einen Krieg führt gegen eine Wand in seiner Wohnung, an die er nur ein Bild hängen will. Oder wie der Handwerker bei ihm zu Hause den Riss im eben angebrachten Waschbecken als "nur ein Schatten" bezeichnet, der Fliesenleger die Fugen mal eben mit Schmitz' elektrischer Zahnbürste reinigt.

Schmitz ist anders, weil er sich auf das scheiteranfällige Feld der Improvisation traut. Er fordert schon einiges von seinen "Opfern", wenn er etwa Ines auf die Bühne ruft. Ines war nicht sehr überzeugt von ihrem Bedürfnis, jetzt da vorne auf der Bühne sich den Späßen eines Schmitz auszusetzen. Aber das ist okay, denn Schmitz gibt auch viel her. Riskiert immer sich selbst auch. So wird es fair und lustig.

Und deshalb muss Schmitz ein sehr mutiger Mensch sein. Oder einer, der viel Vertrauen hat. In sich und darin, dass schon alles irgendwie klappen wird, wenn Manuela auf der Bühne steht und ihm von ihren 1,80 Meter herab den Kopf tätschelt. Schmitz ist 1,68 Meter. Er unterhielt sich mit Manuela fast talkmäßig über deren Hobby: Fallschirmspringen. Unwissend wurde dieses Gespräch aufgezeichnet und Schmitz improvisierte danach das gesamte Gespräch noch einmal in Gebärdensprache, während es vom Band zu hören war. Etwas zu lang, und irgendwann langatmig, aber trotzdem lustig seine körperkomischen Verrenkungen und gestischen Blödeleien. Denn sowas bringt so erfrischende Zufälligkeiten, die doppelt lustig sind.

Nur noch auf die Spitze getrieben in der Zugabe. Als Zuschauer Mark Schmitz wie eine Puppe bewegen musste. Schmitz quasi als Handwerkerpuppe, die eine Spülmaschine repariert und nebenbei ihr Vorgehen kommentiert. Dass Schmitz hier im Sekundentakt exakt auf die unvorhersehbaren Momente pointierte Kommentare setzte, ließ ihn fünf Minuten ein Komiker-Genie sein. Und der volle Saal kriegte sich einfach nicht mehr ein.

Robert Kaak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr