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Der Comedian Moritz Neumeier war in der Herkuleskeule zu erleben

Der Comedian Moritz Neumeier war in der Herkuleskeule zu erleben

Da betritt einer die Bühne im Stammhaus der Herkuleskeule und staunt erst einmal ausgiebig in alle Richtungen. Darüber, dass das Publikum schon klatscht, obwohl er doch noch gar nichts gesagt habe.

Denn Moritz Neumeier betrachtet dieses erste Zusammentreffen doch eher wie eine Art "Blind Date". Und so ist er es folgerichtig gewohnt, sich zunächst selbst als Person dem Publikum zu erklären. Zum ersten Thema in Moritz Neumeiers Bühnenprogramm - es trägt den reichlich undurchschaubaren Titel "Kein Scheiß Regenbogen" - wird sein Sohn. Und Neumeier arbeitet dieses Thema inklusive aller Höhen, Tiefen und Unwägbarkeiten dann auch mit größtmöglicher Konsequenz ab.

Das hört sich in etwa so an: "Ich bin ein netter Mensch, der gefangen ist in mir." Ein Bekenntnis, mit dem das Publikum aber noch nicht allzu viel anzufangen weiß. Danach lotet er die Tiefen der Kindererziehung aus und verkündet die nicht gerade originelle Erkenntnis: "Kindergebrüll ist ja so was von anstrengend." Und kommt nun direkt auf den eigenen Nachwuchs zu sprechen, den er mit dem Vorwurf belegt: "Mein Sohn ist der undankbarste Mensch aller Zeiten" Und weil der Sohn offenbar munter weiter brüllt, leitet Neumeier zu seiner nächsten Handlung über, die ganz direkt auf seine grandiose Hilflosigkeit als Vater verweist. Er erklärt dem Publikum nämlich: "Meine Hauptaufgabe ist jetzt, dass dieses Ding nicht stirbt." Vor allem aber soll es endlich still sein. Doch dann findet Neumeier den Grund fürs Gebrüll des Sohnemanns und stürzt in die nächste Krise, denn "Mein Sohn hat sich von Kopf bis Fuß eingeschissen." Deeskalierend aber wirkt in dieser Situation nun die Feststellung: "Ab und zu gibt's doch Stille." Für Moritz Neumeier das Signal, dass er bis dahin eigentlich alles richtig gemacht habe.

Aber auch in anderer Hinsicht merkt Moritz Neumeier, dass man ihn als Bürger nun ernst nimmt. Denn er verkündet "Ich muss jetzt Steuern zahlen." Alle bisherigen Briefe vom Finanzamt habe er zwar geduldig ignorieren können, doch nun muss er zahlen. Gegen Steuern hat er ja eigentlich auch gar nichts, aber dass ihn das nun auch ganz persönlich betreffe, das habe er einfach noch nicht geschnallt. Fassungslos erklärt er: "Ich bin ja fürs Steuern Zahlen, aber ich glaubte, dass mich das gar nichts angehe."

Doch ein Standup-Comedian vom Schlage eines Moritz Neumeier gibt nicht so schnell auf. Auch wenn's noch so dicke kommt. Nach einem Fernsehauftritt bekam er mal 98 Mails. Und in allen wurde er kritisiert. Ja, er habe den ganzen Abend Witze von Behinderten erzählt. Und ja; er habe dabei festgestellt, dass ostdeutsche Witze am besten ankommen.

Gleich danach übt sich Neumeier in Larmoyanz und meint "Wir Deutschen haben kein Temperament." Zur Daseinsberechtigung der eigenen Spezies Comedian sagt er schlicht: "Ich mag das politische Kabarett nicht." Er erklärt aber mit keinem Wort, warum das so ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2015

Wolfgang Zimmermann

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