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Der Ballett-Uraufführung "Tristan + Isolde" in der Semperoper Dresden wohnt ein Zauber inne

Der Ballett-Uraufführung "Tristan + Isolde" in der Semperoper Dresden wohnt ein Zauber inne

Diese Liebe aber auch! So allumfassend, so voller Möglichkeiten, so hinreißend und verzaubernd. Zu allen Zeiten erzählen unglaubliche Geschichten von Liebenden in Glück und Leid, werden zum Inspirationsquell für Künste und Künstler.

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Courtney Richardson (Isolde) und Fabien Voranger (Tristan).

Quelle: Ian Whalen

Kein Wunder also, dass sich auch das Semperoper Ballett mit diesem unvergänglichen Thema immer wieder befasst, und dafür konnte der weltweit agierende David Dawson gewonnen werden, der einst als Hauschoreograf mit seinen Arbeiten für recht unterschiedliche Publikumserfahrungen sorgte.

Obwohl es bei der Inszenierung um "Tristan + Isolde" geht, eine Liebe aus uralten Zeiten, die bekanntlich tragisch endet, ist diese Balletturaufführung wahrhaft kein ewig traurig machender Abend. Bei dem zum Schluss die Damen im Parkett und auf Rängen gefühlig vor sich her schnäuzen. Aber der seelenvolle Seufzer "War das schön!" ist auch zur Premiere zu hören. Und deutlich haben sich beim Schlussbeifall im Publikum, das die Aufführung mit spürbarer Aufmerksamkeit und wohlwollend verfolgte, kaum widerstreitende Fronten gebildet.

Was ist es also nur, womit David Dawson, der sich vor Jahren die Herzen der Ballettfans in Dresden keineswegs im Sturm eroberte, das im Alter erfreulich vermischte Tanzpublikum im Opernhaus offenbar eint? Wie kann es ihm gelingen, die einen wie die anderen mit ins Boot zu nehmen? Wo er doch nicht zwingend ein begnadeter Geschichtenerzähler ist und für seine Choreografien ein erkennbares, sich wiederholendes Bewegungsvokabular nutzt, das sich durchaus erschöpft, speziell auch in den Gruppenchoreografien, und recht ermüdend sein kann. Dabei vermeidet er es in seiner Bühnenästhetik, Gefühle voll auszuleben (was auch schief geht, wenn er eine schluchzende Isolde zulässt), schafft ohne brachiale Brüche fast durchweg eine gewisse Distanz zum Bühnengeschehen.

Vielleicht wohnt auch David Dawson ein gewisser Zauber inne. Obwohl er nicht am Anfang steht. Und manches, wenn man es so sehen will, verändert sich halt. Dawson hat seine unbedingten Stärken in den Arbeiten für Solisten. Und das lebt er in der abendfüllenden Uraufführung, wo alles und jeder Schritt auf ihn zugeschnitten ist, spürbar aus. Er verführt diese Auserwählten, insbesondere Courtney Richardson als Isolde und Fabien Voranger als Tristan, nicht zu schwindelerregenden Kunststückchen, belässt sie ein Stück weit als Darsteller, die sich tatsächlich in ihrer Zuneigung, ihrem Tanz, ihren exponierten Rollen derart verausgaben und verschmelzen, dass es ein Wunder ist, wie sie das durchhalten. Und wenn sich mit dem Schlussbeifall der über den beiden Körpern abgesenkte Vorhang wieder öffnet, stehen sie eng umschlungen und wie der Welt entrückt auf der Bühne, symbolisieren etwas ganz und gar Gegenwärtiges, Weiterwirkendes.

Obwohl bei dieser Thematik, die erzählerisch quasi nur punktuell der Geschichte folgt, Richard Wagner fast unvermeidbar scheint, hat sich Dawson bewusst dafür entschieden, seine Sicht auf "Tristan + Isolde" mit einer speziell dafür entstandenen Komposition von Szymon Broska auf die Bühne zu bringen. Das erweist sich als kluge Wahl, zumal Broska mit Ballettkompositionen erfahren ist, wenn auch mehr mit abstrakten Stücken. Bei dieser Arbeit muss er Szenen bedienen und der Geschichte folgen. Doch damit hat er kein Problem, schafft eine musikalische Struktur, die das Geschehen auch mit dem "Anklang von Minimalismus" wie im Fluss erscheinen lässt, Schwachstellen der Gruppenchoreografie quasi "ausbügelt", vielleicht nicht zwingend aufregend, aber verlässlich hilfreich ist. Was schon viel wert ist bei einer Ballettkomposition. Und das mit dem wunderbaren Luxus der live musizierenden Sächsischen Staatskapelle unter Leitung von Paul Connely.

Erstaunlich bei diesem Abend ist, wie Eno Henze mit seinen Bühnenelementen, die sich - fast lautlos bewegt von Tänzern - dem jeweiligen Geschehen zuordnen, ohne dabei allzu konkret oder illustrierend zu sein. Es geht um Situationen, Veränderungen, Stimmungen, und dabei entstehen erzählerische Raumbilder. Wie jenes Bild, wenn Isolde und Tristan einander suchen und zwischen diesen aufragenden "Bauten" umherirren.

Dass der Abend auch von der Präsenz der Kostüme lebt, liegt auf der Hand. Yumiko Takeshima hat für ein Erscheinungsbild gesorgt, das die Uraufführung deutlich mit prägt. Sie weiß als Tänzerin sehr genau, wie sich ein Kostüm dem Körper anpassen sollte, ohne diesen in der Bewegung zu hindern. Und so gelingt ihr beispielsweise im Festbild vom zweiten Akt ein edles Farb- und Formenspektrum, derweil die Farbpalette der Marktszenerie zu Beginn oder der Zuschnitt vom Kleid Isoldes im Schlussbild eher gewöhnungsbedürftig sind.

Unverkennbar auch, wie Bert Dalhuysen den Raum mit seinen Lichtideen immer wieder verwandelt, wobei es zuweilen wenig vorteilhaft scheint, wenn markant einbezogene Lichtflächen die Sicht der Zuschauer auf die Tänzer fast "überblendet". Was so beabsichtigt sein mag, aber ein Zuviel ist eben ein Zuviel. Zumal das auch keine Licht-Installation mit Tänzern, sondern ein Ballettabend ist mit allem, was dazu gehört.

Ach ja, die Liebe. Die vermag es wohl auch, sich gemäßigt-freundschaftlich beim Betrachter einzunisten. Und wenn diverse Einsichten zum Überdenken mahnen, nichts so ist, wie man es sich vielleicht erhoffen würde, dann ist es eben so. Dann kann man auch die nicht in allen Teilen favorisierte Tanzsprache akzeptieren oder die Gruppenbilder mit Versatzstücken der Ballett-Pantomime erstaunlich gut aushalten. Ganz ohne Reue. Weil die Sinne wach und durch nichts eingeschläfert sind. Es ist, wie es ist.

weitere Vorstellungen: 17., 25. und 26. Februar

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2015

Gabriele Gorgas

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