Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+
Der "Akt um 1900" als Thema im Albertinum der Kunstsammlungen Dresden

Der "Akt um 1900" als Thema im Albertinum der Kunstsammlungen Dresden

Die Schaudepots der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Albertinum bieten dem Besucher viel Großartiges von der Antike bis zur Gegenwart.

Voriger Artikel
Abschied für Reiner Feistel - Chefchoreograf des Balletts der Landesbühnen Radebeul geht nach Chemnitz
Nächster Artikel
Populistischen Thesen begegnen - Das Medienkulturzentrum Dresden feiert 20-jähriges Jubiläum

Paul Sturm, Träumerei, um 1903, Bronze, erworben 1902. Skulpturensammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.

Quelle: Hans-Peter Klut/Elke Estel

Gleichwohl: Die großen Glasvitrinen mit den aufgereihten Kleinformaten erzeugen zuvorderst vor allem einen summarischen Eindruck. Einzelne Werkgruppen in einer Kabinettausstellung hervorzuheben, der Aufmerksamkeit der Kunstfreunde mit der Möglichkeit zur Rundumsicht zu empfehlen, ist eine gute Idee. Der Eckraum in der ersten Etage, der schon dem Schaffen Helmut Heinzes und dem Rietschel-Preisträger 2012 Johannes Wald gewidmete Präsentationen zeigte, hat nun dem "Akt um 1900" Platz gemacht. Unter dem Motto "Körper, Landschaft, Erotik" geht die kleine sehenswerte Schau mit Werken deutscher und Französischer Künstler auf eine Epoche des Umbruchs (nicht nur) in der Kunst ein. Gezeigt werden zwei Marmorskulpturen und neun Bronzeplastiken aus der Zeit zwischen 1860 und 1910. Einbezogen sind auch drei Bildwerke aus der Galerie Neue Meister und dem Kupferstich-Kabinett.

Das Sujet des Aktes ist mehr als jedes andere geeignet, um die Vorstellungen zum idealen Körper, zu gesellschaftlicher Konventionen und zum Erotischen in einem Zeitalter zu verdeutlichen. Anschaulich gemacht wird dies durch die Zuordnung der Werke der Exposition zu vier Themenbereichen: An historische Vorläufer knüpfen Darstellungen an, die sich auf Mythen der griechischen und römischen Antike beziehen, die wiederum in Renaissance und Barock aufgegriffen wurden - auch als einzige Möglichkeit der Aktdarstellung. So ließ sich auch noch Hermann Schubert um 1860 vom Mythos um "Venus und Amor" inspirieren.

Die Antike war aber durchaus auch das Vorbild der idealisierten Jünglinge im deutschen Jugendstil, der seinerseits nicht ohne die Lebensreformbewegung zu denken ist. Ein solcher Jüngling bildet den Fuß eines silbernen Standspiegels von Ernst Moritz Geyger aus dem Jahr 1896, der wiederum ein mögliches Vorbild in einem 1890 von Georg Treu angekauften antiken figürlichen Spiegel haben könnte, lehrte Geyger doch 1893 in Dresden. Der Bildhauer schuf auch den bekannten Dresdner Bogenschützen (1902).

"Der weibliche Akt als Ideal", auch als idealer Ausdruck eines harmonischen Verhältnisses Mensch/Natur zu begreifen, ist eines der bestimmen- den Themen bei Künstlern des Jugendstils - ausgedrückt häufig im Sujet von "Badenden" oder "Mädchen an der Quelle". Dem entspricht eine "Stehende Badende" Aristide Maillols (1899), aber auch die marmorne "Haarflechtende Frau" von Albert Bartholomé (kurz vor 1897), die "Kauernde Japanerin" Georg Kolbes (1911) oder das von einem nicht bekannten Autor stammende "Nackte kniende Mädchen mit Krug" (um 1900). Bilder des seit 1900 in Italien lebenden Ludolf Verworner (Frauen an der Quelle, 1926) oder des Dresdner "Arkadiers" Ludwig von Hofmann ("Landschaft mit Badenden", wohl um 1915/1922) sowie "Badende", die Albert Krüger Edgar Degas nachempfand (vor 1905), ergänzen diesen Schwerpunkt und vervollkommnen zugleich die kleine Ausstellung als solche.

Neu um 1900 war der Blick auf das Individuum und seine Psyche, besonders auch das weibliche. Namen aus Wissenschaft und Kunst von Freud über Munch bis Wedekind stehen beispielhaft dafür. In der Bildhauerkunst äußert sich diese Sicht in der Schaffung für sich stehender, zweckfreier, oft in sich gekehrter Akte. Als erster schuf Auguste Rodin, der Begründer der modernen Skulptur, solche subjektive, vollkommen auf sich bezogene Frauenbildnisse, wozu auch seine "Eva" von 1881 gehört (die gezeigte Marmorausführung stammt von 1900). Stanislaw Cauer ("Beim Bildhauer - Die sich Schämende", um 1894), Max Lange ("Nackter Jüngling mit Stab", 1903) oder Paul Sturm ("Träumerei", um 1903) schufen, von Rodin beeinflusst, jugendstilhaft elegische Figuren.

Einen Schritt weiter in Richtung Moderne ging Bernhard Hoetger, der im Unterschied zu vorhergehenden Auffassungen vor dem Hintergrund des Bewusstseins der Isolation und Gefährdung des modernen Individuums in Gestalt des Torsos die Unversehrtheit des menschlichen Körpers infrage stellte ("Elberfelder Torso",2. Fassung 1905). Damit nahmen Künstler Entwicklungen wahr, die schließlich mit und nach dem 1. Weltkrieg in neuer Qualität für alle offensichtlich wurden. Die Konstatierung der Zerstörung des Menschenbildes, aber auch seine Verteidigung wurden fortan wichtige Themen der Bildhauerei. In diesem Kontext behielt auch die Frauenfigur ihre Bedeutung - allerdings wohl ohne die erotische Sprengkraft der Zeit um 1900. In den Vordergrund traten zunehmend Aspekte wie die Verletzlichkeit des Menschen. iBis 21. Juli, Skulpturensammlung im Albertinum, täglich 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2013

Lisa Werner-Art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr