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Der Abschied der Galerie Döbele - zumindest von der Pohlandstraße

Der Abschied der Galerie Döbele - zumindest von der Pohlandstraße

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen: Die Galerie Döbele, die - sie war 1976 von Johann Döbele in Ravensburg gegründet worden - 1995 aus Stuttgart nach Dresden kam, bald auch ihren Hauptsitz hier in der Pohlandstraße 19 hatte, verlässt diese Räume.

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Ein bei Döbele gezeigtes Werk ist Curt Querners Aquarell "Tauwetter in Diebels Büschel", 1957.

Quelle: Galerie

Fortan wird das Dresdner Engagement von der Ende März 2012 als Dependance eröffneten, kleineren Räumlichkeit in der Schössergasse 29 gelenkt, betreut durch Mitarbeiterin Franka Häßner. Und noch eine Neuigkeit gibt es: Die Galerie Döbele ist seit Ende Januar in Mannheim - der Stadt, wo Gustav Friedrich Hartlaub einst den Begriff der Neuen Sachlichkeit prägte - präsent. Es mag für diese Schwerpunktverlagerung manche, auch familiäre Gründe geben. Das Bedauern unter vielen Kunstfreunden Dresdens ist nichtsdestotrotz groß, wie man nicht zuletzt beim Abschiedsabend in der das Engagement in der Pohlandstraße beendenden Ausstellung "Elbgezeiten" bemerken konnte. Diese letzte Schau weist noch einmal auf das hier kontinuierlich über viele Jahre präsentierte Spektrum, dessen Bogen sich von der Klassischen Moderne über die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die aktuelle Kunst spannt, wobei Dresden im Zentrum stand, der Blick aber sehr wohl darüber hinaus geweitet wurde.

Mit "Otto Dix und den Künstlern seiner Dresdner Zeit" begann die Galerie Döbele vor Ort ihren Ausstellungszyklus. Und immer wieder hatten die Dresdner, aber auch auswärtige Kunstfreunde Gelegenheit, Werken solcher Künstler, darunter Bursche, Felixmüller, Griebel, Kesting, Lachnit, Querner, Richter, Rudolph oder auch Tröger, zu begegnen. Ebenso traf man auf Hassebrauk, Jüchser, Körnig, Kröner, Schmidt-Kirstein, Wigand, Wilhelm, Winkler und viele andere der kurz vor oder nach 1900 geborenen, mit Dresden verbundenen Maler. Gewürdigt wurden natürlich auch "Brücke"-Künstler oder Konstruktivisten wie Glöckner und Müller. Die Galerie Döbele brachte aber ebenso Zeitgenossen, die die Hiesigen in den Kontext des Ganzen stellten, in die Pohlandstraße. Ohne ihre Aktivität hätte man wohl weder Werke von Hölzel, Ackermann und Batz, Epstein und Kerkovius vor Ort gesehen, um nur einige zu nennen. Auch Jüngere wie Klotz, Giebe, Leifer, Plenkers, Uhlig, Weidensdorfer und andere waren im Blick. Jüngst richtet sich der Fokus zudem auf Absolventen der Dresdner Hochschule für Bildende Künste der letzten Jahre wie Lutz Bleidorn, Tanja Pohl, André Schulze. Aber auch bei dieser Generation geht der Blick über Dresden hinaus - etwa auf den gebürtigen Russen Igor Oleinikov. Alle der genannten Künstler und viele mehr sind in 102 Einzel- oder Gruppenausstellungen in den Galerieräumen in der Pohlandstraße präsentiert worden.

Ein besonderes Verdienst an diesem Dresdner Engagement hat gewiss der weibliche Teil des "Gespanns" Döbele - Hedwig Döbele. Sie hatte wohl um 1980 - 1979 zeigte die Galerie Ernst Hassebrauk - "Blut geleckt", was die Dresdner Kunst betrifft, zeigte sie fortan kontinuierlich. Erinnert sei: Es war die Zeit, als die Entspannungspolitik manches möglich machte, im Westen auch das Wecken des Interesses an Kunst, die im Osten ihre Wurzeln hatte, nicht zuletzt in Dresden. Einen Anteil daran hat gewiss der jüngst in dieser Zeitung gewürdigte Publizist und gebürtige Dresdner Dieter Hoffmann. Man sollte auch erwähnen, dass die Galerie Döbele über Jahre in Dresden entstandene Kunst auf die Messen in Köln und Basel brachte. Heute sind es die in Köln, Karlsruhe und Frankfurt.

Nur noch wenige Tage stehen die Räume in der Pohlandstraße offen. Wer sich noch einmal das Gewesene ins Gedächtnis rufen will, schaue sich die Schau unter dem sinnbildhaften Motto "Elbgezeiten" an: Ackermann und Altenbourg, Batz und Epstein, Giebe, Glöckner und Gotsch, Hassebrauk und Hegenbarth, Kettner und Kerbach, Klotz und Kunze, Lohse und Niemeyer-Holstein, Plenkers und Pohl, Hans-Theo Richter und Rosenhauer, Schmidt-Rottluff und Tröger, Wittig und Wolff sind ein Teil der Namen, auf die man trifft. Es ist eine gute Gelegenheit, um sich noch einmal vor Augen zu führen, dass die Galerie Döbele in der Pohlandstraße während rund 20 Jahren eine "Institution" war, die vor Ort ein Feld besetzt hat, das nicht so leicht wieder zu füllen ist. Freilich eine kleine - dies bezieht sich ganz direkt auf die Räumlichkeit in der Schössergasse.

Trost bleibt: Hedwig Döbele wird die Geschicke hier weiter lenken, auch ein Lager und eine kleine Wohnung in Dresden behalten. Wie sagte sie doch angelegentlich der letzten Kunstbegegnung in der Pohlandstraße: "Der Fokus der Elbestadt wird meine Domäne bleiben, sowohl im Ausstellungsbetrieb wie im Kunsthandel... Ich lasse Dresden nicht los - richtig ist, dass Dresden mich nicht los lässt." Und so ist auch schon die nächste Eröffnung angekündigt: für morgen 19 Uhr, in der Schössergasse. Aus Anlass des 70. Jahrestages der Zerstörung Dresdens wird Ulrich Lindners Fotografik-Zyklus "Der Tod und die Stadt" gezeigt. Zu den 1984 entstandenen Arbeiten spricht Ingo Zimmermann.

Elbgezeiten (Pohlandstraße 19) noch bis 7. Februar, geöffnet Mi-Sa 12-18 Uhr;

Ulrich Lindner: Der Tod und die Stadt, Fotografik zum 13. Februar 1945, 5. Februar bis 10. April, Eröffnung morgen 19 Uhr

Galerie Döbele, Schössergasse 29, geöffnet Di-Fr 12-18 Uhr, Tel. 0351/ 49776311;

Galerie Döbele Mannheim, Carl-Reuther-Str. 1 (Sirius Business Park), 68305 Mannheim, Tel. 0621/ 79943078;

für beide Standorte: www.galerie-doebele.de, info@galerie-doebele.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.02.2015

Werner-Art, Lisa

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