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Der 1. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle

Der 1. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle

Der 1. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle fiel auf den, sonst den sinfonischen Konzerten vorbehalten, Sonntagmorgen und hatte für diese frühe, aufgeweckte Stunde vielleicht ein wenig zu intime Werke im Gepäck.

Dresden. Ob es leichter ist, die richtige, reife Stimmung für Kammermusik am Abend zu treffen? Der 1. Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle fiel auf den, sonst den sinfonischen Konzerten vorbehalten, Sonntagmorgen und hatte für diese frühe, aufgeweckte Stunde vielleicht ein wenig zu intime Werke im Gepäck. Aus den vielen Raritäten Robert Schumanns waren die Fantasiestücke für Klavier und Klarinette op. 73 sowie die Märchenerzählungen op. 132 für den ersten Programmteil ausgewählt worden. Robert Oberaigner (Klarinette) und Michael Schöch (Klavier, als Gast) spielten zuerst die drei Stücke von op. 73, die höchst klangschön und elegant vorgetragen waren, doch auch etwas zu verhalten und geglättet daherkamen. Für den großen Raum des Opernhauses fehlten ein kräftigerer Puls und auch ein größerer Variantenreichtum des Ausdrucks. Der zweite Satz ähnelte dem ersten im Gestus zu sehr und erst im letzten kamen die beiden Musiker von dem übermäßig spätromantischen, kaum eine klassische Anmutung zulassenden Tonfall los und fanden zu besserer Kraft und zu mehr Farben.

Intensiver waren die vier Märchenerzählungen op. 132 gestaltet, oft sogar üppig erzählt und im Dialog von Klarinette und Viola ausgesprochen lebendig. Ein großes Verdienst an diesem vorangehenden Spiel hatte Michael Horwath (Viola), der auch die einseitige Grundfärbung des Konzertbeginns mit greifbarerem Spiel sehr bereicherte. Dennoch blieb, besonders bemerkbar im ruhigen dritten Stück, der Ausdruck insgesamt etwas nach innen gekehrt und privat und kaum für die Wirkung auf das ganze Publikum gearbeitet. Als geistreiche Verbindung der beiden Schumann-Stücke erwies sich die Hommage à R. Sch. von György Kurtág, der in sechs kurzen und kürzesten Sätzen einige Äußerungen Schumanns aufgriff und den verbalen Witz des Komponisten zum Klingen brachte. Als die für einen Ton am Schluss nötige große Trommel aufgebaut wurde, raunte es vernehmlich, aber es gab tatsächlich keine Änderung im Programm. Oberaigner, Horwath und Schöch spielten mit Lust, auch expressionistisch (In der Nacht) und ließen den letzten, längeren Satz stetig wachsen und an Spannung gewinnen. Wenn nur Schumann öfter so vergnüglich wäre wie diese Sicht auf ihn.

Dass dieses Konzert zu den Richard-Strauss-Tagen der Staatskapelle gehörte, bekräftigte der zweite Konzertteil mit dem Klavierquartett c-Moll op. 13 des Komponisten. Vor dem Jubiläum der Uraufführung von Strauss' "Alpensinfonie" gab es also ein frühes Stück, das noch ganz dem romantischen Ideal verpflichtet ist. Susanne Branny (Violine), Michael Horwath, Titus Maack (Violoncello) und Michael Schöch spielten von Beginn an mit guten Kontrasten und bewegt, korrespondierten hervorragend und waren klanglich bestens aufeinander bezogen. Stärkere Impulse im Klavierpart wären aber doch öfter, besonders im Andante nötig gewesen. So blieb die Aufgabe, die Spannung zu erhalten oder zu erneuern meist Susanne Branny überlassen. Im Finale war man sich aber in der Frische, der Freiheit und der Dichte des gemeinsamen Spiels sehr einig und setzte damit einen stimmigen Schlusspunkt.

von Hartmut Schütz

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