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Denovali Residency Vol. 3 in der Scheune mit Mario Massa, Eugenio Caria und Federico Albanese

Denovali Residency Vol. 3 in der Scheune mit Mario Massa, Eugenio Caria und Federico Albanese

Es ist also bereits der dritte Abend, der den Freunden gediegenen Ambient(e)s in der Scheune gehört. Genauer, den Klängen des Bochumer Labels Deno- vali, das seit November letzten Jahres einige seiner Künstler auf "Residency"-Tour auch nach Dresden schickt.

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Federico Albanese

Quelle: Beniamino Barrese

Künstler aus einem Pool von über 50 Projekten, die seit 2006 unter dem geschulten Ohr Timo Alterauges und Thomas Hacks dort veröffentlichen. Das Dale Cooper Quartet, Witxes, Carlos Cipa und Poppy Ackroyd waren schon da. Mit ihnen kam ein erster Querschnitt durchs auffällige Label-Programm, der von akustischen Pianoklängen übers offene Klangexperiment bis zum freigeistigen Bandkonzept reichte, und das alles strikt international. Bis in den Juni reicht die Rest-Offerte, wobei sich ein Begriff wie "Rest" eigentlich streng verbietet.

Am Freitag geht es zum Italiener, genauer, zu den Italienern. Nach England, Deutschland und Frankreich ist es der vierte Länderausflug. Es wird die Mischung aus naturbelassenen Tasten, Blech und Electronics gefeiert. Eugenio Caria stammt wie sein Kollege Mario Massa aus Sardinien. Caria versteckt sich hinter dem Projektnamen Saffronkeira, um Klangcollagen zu erschaffen, Massa ist freier Trompeter. Die Zusammenarbeit, die in der gemeinsamen CD "Cause And Effect" (erschienen im November 2013) gipfelte, war für beide ein außerordentlicher Glücksfall. Vom Ansatz her scheinen sie kreativ ähnlich verwurzelt wie dereinst Brian Eno und Jon Hassell, deren wiederveröffentlichte Meilenstein-CD "Fourth World Vol. 1: Possible Music" jüngst gefeiert wurde. Zu Recht.

Massa/Caria hielten zunächst Skizzen zwischen Komposition und Impro- visation fest. Für die CD haben sie sich diesen Geist dann bewahrt. Ihre Ver- bindung ist organisch und herausfordernd zugleich, entstanden sind fiebrige Szenen voller innerer Spannung, die kühl sind, frostig, dann unversehens ins Wärmende ziehen, ohne zu überhitzen. Und Chet Baker lächelt vom Himmel über die Jugend von heute - anerkennend! Entdeckermusik eben.

So wie es auch die eher miniaturgleich angelegten Stücke von Federico Albanese sind. Der 32-Jährige aus Mailand, jetzt in Berlin lebend, hatte sich bereits einen Namen als Filmkomponist und -Requisiteur gemacht, bevor mit "The Houseboat And The Moon" vor einem Jahr sein CD-Debüt erschien. Darauf arbeitete Albanese mit einem alten Uher-Tonbandgerät, was der Platte einen für heutige Verhältnisse eher ungewohnten dumpfen Klang verleiht. Hintergrund war - der Hintergrund, denn Multiinstrumentalist Albanese wollte mehr als den reinen Sound seines Klaviers, sondern auch den der direkten Umgebung einbeziehen. Als die "basics" im Kasten waren, addierte er Electronics hinzu, Vokal-Samples, Glas, Glockenspiel, Vibraphon, Spielzeugpiano, holte Streicher ins Studio. 13 Stücke sind auf "The Houseboat And The Moon" zu finden, die das Spektrum zwischen eher defensiver Hintergrundmusik bis hin zu offensiv-drängenden Melodien und Rhythmen abdecken. Federico Albanese erschafft, ähnlich wie Max Richter oder Nils Frahm, ein Universum.

Da die drei Künstler, die am Freitag auf der Scheune-Bühne stehen, schon vor geraumer Zeit auf Denovali veröffentlicht haben, sei gern auch auf die aktuellen Alben des Labels verwiesen, denn auch da sind hochspannende Ergebnisse zu hören. Solche, die neugierig machen auf eventuelle spätere Bühnen-Begegnungen. Ricardo Donoso bringt nächste Woche "Saravá Exu" heraus. Der Brasilianer weigert sich, auf nur einem Stuhl Platz zu nehmen, ist als Drummer in einer Metalband zu hören, macht bissfesten Techno oder - wie hier - auch musikethnologisch relevante Musik, indem er sich mit traditionellen sakralen Ritualen Brasiliens auseinandersetzt. Er selbst sagt, es sei ein Höllentrip.

Mit "Second Moon Of Winter" erlaubt Denovali schließlich die zeitnahe Erkundung eines irisches Musikerkollektivs aus Myrtleville. "One For Sorrow, Two For Joy" nennt sich deren Visitenkarte. Die Schraffuren sind hier durchaus irritierend wie zunächst die Besetzung: Stimme (Kim Sheehan), E-Gitarre (Ari Sheehan) und Klarinette (Tom Hodge). Sie selbst sagen, es ginge ihnen um ein eigenes Planetensystem, das allerdings Bands wie Mono, Godspeed! You Black Emperor oder The Mars Volta in unmittelbarer Sicht- und Hörweite dulden will.

Für die in Live-Situationen aufgenommenen Sessions zur Platte, die nachträglich keine Overdubs oder Samples bekamen, spielten Second Moon Of Winter erstmals zusammen, das Visier hochgeklappt, die Messer gewetzt. Kammerklassik trifft Free Jazz trifft Geräuschgebirge - und wie sie sich mögen! Natürlich sind die Koloraturen der ausgebildeten und praktizierenden Opernsopranistin Kim Sheehan Wirkungsfaktor Nr. 1. Alles andere aber findet schnell zusammen. Mächtig!

Denovali Residency Vol. 3: Federico Albanese & Saffronkeira/Mario Massa, Freitag, 21 Uhr, Scheune

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2015

Andreas Körner

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