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Denovali Residency Concerts feiert kleines Jubiläum in Dresdens Scheune

Konzert Denovali Residency Concerts feiert kleines Jubiläum in Dresdens Scheune

Es klingt nach einem zunächst wirklich drastischen Gegensatz. Matthew Collings nannte seine bislang letzte, insgesamt zweite CD „Silence Is A Rhythm Too“ (2014 auf Denovali erschienen) und veröffentlicht im April dieses Jahres „Requiem For Edward Snowden“. Eine audiovisuelle Hommage an einen Mann, der gottlob nicht geschwiegen hat.

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Dresden. Es klingt nach einem zunächst wirklich drastischen Gegensatz. Matthew Collings nannte seine bislang letzte, insgesamt zweite CD „Silence Is A Rhythm Too“ (2014 auf Denovali erschienen) und veröffentlicht im April dieses Jahres „Requiem For Edward Snowden“. Eine audiovisuelle Hommage an einen Mann, der gottlob nicht geschwiegen hat.

Wenn Collings zum zehnten Jubiläum der Reihe Denovali Residency Concerts in der Scheune spielen wird, gibt er auf eigene Art dem Abend ein Motto. Denn zusammen mit dem Deutschen Orson Hentschel wird für zwei musikalische Stunden vor allem der Rhythmus dominieren, die perkussive Möglichkeit von Electronics und Hand-Arbeit, all das Beißende und Bissige, das Hinterlistige und Nagende. Beide Künstler arbeiten nicht mit charmanten Flächen und weichen Teppichen, die anflattern und sich willig um Seele und Ohren legen. Collings und Hentschel jonglieren mit Elementarteilchen, konstruieren im gleichen Maße wie sie alsbald darauf wieder dekonstruieren, sie bauen auf und reißen nieder. Eine lebendige, laute, heftige Begegnung steht zu erwarten.

Biographisch gibt es bei Matthew Collings nahezu das „Übliche“ zu vermelden. Er ist begehrter Kollaborateur – u.a. für Ben Frost, der mit ähnlichen Mitteln arbeitet wie er, ebenso für Tänzer und Filmregisseure. Seine Musik floss bereits in Installationen und Stummfilme, er lebte sechs Jahre auf Island, dann in Irland, nun Schottland, ist also auch nach Kilometern gemessen ein Reisender.

Collings arbeitet mit E-Gitarren, Streichern und Klavier genauso wie mit Klarinetten-Samples, Geräuschen und ästhetisierten Soundgebilden. Immer mehr Wert gewann bei ihm zuletzt das Detail, und das wiederum lädt nach dem Hören ein zum unbedingten, fast zwanghaften Wiederhören, Entdecken …

Das oft beschriebene Minimal-Element in Matthew Collings aktueller Musik bricht sich nur dezent, langsam, fast hinterrücks Bahn, steckt verhüllt hinter Dutzenden Krusten, die nach und nach aufbrechen. Bei seinem deutschen Kollegen Orson Hentschel ist es deutlicher zu hören. In ihren leuchtenden Momente klingt sein nächste Woche erscheinendes CD-Debüt „Feed The Tape“ (Denovali) wie die Fortführung oder Ergänzung der Soundtracks von Philip Glass, die er für Godfrey Reggios Monumental-Trilogie „Koyaanisqatsi“, „Powaqqatsi“ und „Naqoyqatsi“ geschaffen hat. Und wenn Glass, dann ist auch Steve Reich nicht weit – zwei lebende Legenden des Minimals.

Orson Hentschel kommt aus Düsseldorf, der deutschen Hochburg experimenteller Musik seit Jahrzehnten. Klassisch ausgebildet, früh am Klavier gesessen, interessiert und inspiriert Hentschel vor allem das, was schon existiert, was in Filmen schon zur Anwendung kam, als Song „ausformuliert“ oder in Klang-Bibliotheken abrufbar ist. Zudem forscht Orson Hentschel – auch in Dresden, wo er sich speziell mit der Polyphonie der Vokalmusik des späten Mittelalters beschäftigt hat.

So wird aus „Feed The Tape“ wirklich eine „Fütterung“: Körperlich, lebendig, aggressiv und durchaus eine Anstrengung wert. Könnte gut sein, er kommt am Mittwoch zudem mit seinem Livedrummer Lukas Baumgart. Auf alle Fälle ist zu erleben, was Hentschel unter Visualität auf der Bühne versteht: ein individuelles Licht- und Effektkonzept.

Es ist der zehnte Denovali-Abend in der Scheune. Dort bedankt man sich beim treuen oder neuen Publikum mit der Tatsache, dass schon beim Einlass der „Hut“ steht. Was meint: Jeder zahlt das, was er will oder kann. Und wenn Freeshow, dann Freeshow! Statement des Veranstalters: „10 x Staunen, 10 x Musik abseits des Mainstreams – wir möchten das Label, das Format, diese kleine, aber feine Reihe feiern und uns für das Interesse bedanken. Wir als Scheune werden auch weiterhin diesen Themen treu bleiben.“

Denovali Residency # 10 mit Orson Hentschel & Matthew Collings, Mittwoch, 21 Uhr, Scheune

Von Andreas Körner

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