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Den Laibach rauf und runter - Slowenische Konzeptrocker in Dresden

Den Laibach rauf und runter - Slowenische Konzeptrocker in Dresden

Das mit dem Balkan eben! Die Region hätte in diesen Breiten immer wieder und sogar dauerhaft im Fokus stehen können, vor allen Dingen fern der kriegerischen Auseinandersetzungen und deutschen Urlaube.

Doch irgendwie ist der Wurm drin. Lange Jahre bis heute begann die kulturpolitische Wahrnehmung bequem bei Folk-Bläsern, Emir Kusturica und Exilanten in anderen Ländern, um bald auch dort zu enden. Eine authentische Künstlervereinigung aber setzte immer wieder gezielt Spitzen: Laibach aus Slowenien. Weil sie Zeitenströme und Systeme überdauert haben, immer wieder an Grenzen stießen, missverstanden und umgedeutet wurden. Und stets mehr waren als eine Rockband. Erst recht nicht eine, die sich vereinnahmen ließ. Allein der Name: Laibach für Ljubljana! Zunächst waren Laibach eher eine ferne Ahnung. 1984 hatte man hier im Osten mit eigenen Manifesten und versteckten Aktionen, angefüllt mit vieldeutiger Symbolik zu tun, da beachteten nur die ganz Wachen Tendenzen, die sich im (Fast-)Bruderland Jugoslawien Bahn brachen. Von der NSK hörte man zunächst über den Westen. Laibach als Musiker waren in dieser "Neuen Slowenischen Kunst" dabei, ebenso wie Maler und Tänzer. Die NSK wurde auch in der Dresdner IG Rockmusik beim Kulturbund diskutiert, wo man alles aufsog, was an Populär-Informationen zu erhaschen war. Man analysierte und hörte Laibach parallel zu Zappa, Throbbing Gristle, Captain Beefheart, den Residents, Pere Ubu oder den tschechoslowakischen Plastic People Of The Universe. Dort also, wo sie hingehören.

Schon 1987 kamen Laibach zum britischen Label Mute. Was mit "Opus Die" begann, findet gerade mit "Spectre" eine nächste Fortsetzung. Acht Jahre liegen zwischen den letzten beiden Studioalben, der Soundtrack für die abgefahrene filmische Persiflage "Iron Sky" (2012) - ein Angebot, das Laibach niemals ausgeschlagen hätte - sei nicht übergangen. Die Pause nach der CD "Volk", die gewagte Adaptionen von Nationalhymnen enthielt, musste wohl sein. Seit dann erste Songs des neuen Albums zu hören waren, rätselten die Gelehrten darüber, ob man die konkreten "Ansprachen" in den Songs nun ernst nehmen sollte oder nicht. Denn allegorische Konzepte von einst mit bevorzugten Themen wie Religion, Ideologie, Utopie, Ästhetik, Bach, Militär und Interdisziplin sind nunmehr klaren Statements gewichen, ohne auf den ersten Blick besonders originell zu sein. Da geht es um Snowden und die Armut, um Finanz- und Glaubenskrisen, kurz: um Europa.

Begleitende Laibach-Zitate mussman erst mal setzen lassen: "Die Menschen in Europa brauchen eine neue Identität, die für sie Bedeutung hat und sie Begeisterung für die Zukunft spüren lässt. Die Revolution muss von den Straßen in Hamburg und Berlin, Paris und Athen, Istanbul, Kiew, Barcelona oder Ljubljana kommen. Die Antwort auf die Krise muss internationalistischer und universeller sein als die Universalität des globalen Kapitals." Setzen, eins!

Laibach geben inhaltlich anno 2014 Rätsel auf. Musikalisch nicht so sehr: Technisierter Industrial, fette Beats, dunkle Runzelstimme und feminine Strahler, ein hübscher Marschierer ("Whistleblower" als idealer Einstieg), Grummel-Pop, in den Bonus-Tracks die fortgesetzte Tradition grob behauener Originale (diesmal von Blind Lemon Jefferson und Serge Gainsbourg). Und wieder sagen jüngere Menschen, es sei einfach Mist, dass wieder jemand Rammstein kopiere. Wenn die wüssten.

iLaibach, Sonnabend 21 Uhr, Reithalle Straße E, Werner-Hartmann-Straße 2; Karten ab 27,10 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.04.2014

Andreas Körner

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