Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dem Schicksal die Stirn bieten: Reinhard Sandners Malerei in der Alten Feuerwache Loschwitz

Dem Schicksal die Stirn bieten: Reinhard Sandners Malerei in der Alten Feuerwache Loschwitz

Eine unscheinbare Arbeit mit dem Blick auf ein düsteres Waldstück, erhellt von winzigen Blumenlichtern, benennt der Dresdner Maler Reinhard Sandner (geb. 1951 in Bockwitz bei Lauchhammer) unprätentiös "Stirn": Der "dunkle Wald", durch den Dante schritt, ist nicht nur ein Gleichnis für das unerbittliche Schicksal, sondern auch Ort der Erinnerung und der Trauer um einen geliebten Menschen.

Voriger Artikel
Dresden bekommt eine neue Bühne: das Centrum Theater
Nächster Artikel
Subversive Bildsprache: Interview mit dem Dresdner Kunsthistoriker Jürgen Müller zur anstehenden Ausstellung von Pieter Bruegel d.Ä. in Chemnitz

Reinhard Sandner: Wunde. Acryl, 2012.

Quelle: Heinz Weißflog

Man muss dem Schicksal die Stirn bieten, ihm behutsam wie einem Freund in die Augen sehen, aber es auch annehmen. Angesichts des Waldes erfüllt sich die Arbeit des Malers, vor der "Stirn" erscheint ihm die Vision, die sichtbare Erinnerung als Malerei wie ein zweites Leben. Das geliebte Wesen Dantes, die früh gestorbene Beatrice, gilt als das Ideal der Muse schlechthin. Für Reinhard Sandner war es Bettina, deren Verlust den Künstler nicht nur mit unsäglicher Trauer erfüllt, den auch tapferer Widerstand belebt und sich in den über 43 Arbeiten in der Alten Feuerwache Loschwitz e.V., in den vergangenen Jahren vier Jahren geschaffen, manifestiert. Da ist kaum ein Bild, auf dem Tina nicht dunkel verschattet oder hell erleuchtet erscheint, wie eine still sich neigende Engelsfigur am Rande des Kirchhofes, als Porträt oder als eine Lichtfigur ("Lux eterna", 2012).

Die aschfarbenen gelb-ocker-braunen Acrylbilder zwischen 2011 und 2014 atmen und ächzen zuweilen. Ihr Hauch, pastos auf die Leinwand getupft oder geschmettert, lebt von der Fläche am richtigen Ort und durch die richtige Kommunikation mit anderen. Besonders hervorzuheben ist dabei das an den Bergbau erinnernde Bild "Ort" (2012) mit seinen hellen im Dunkel leuchtenden Flecken und tiefvioletten Fluoreszenzen. Auf das Flächenphänomem lassen sich die Worte von Rainer Maria Rilke anwenden, der an seine Frau Clara über Paul Cézanne am 21. Oktober 1907 schrieb: "Ich wollte aber eigentlich noch von Cézanne sagen, dass es niemals noch so aufgezeigt worden ist, wie sehr das Malen unter den Farben vor sich geht, wie man sie ganz allein lassen muss, damit sie sich gegenseitig auseinandersetzen. Ihr Verkehr untereinander das ist die ganze Malerei. Wer dazwischenspricht, wer anordnet, wer seine menschliche Überlegung, seinen Witz, seine Anwaltschaft, seine geistige Gelenkigkeit irgend mit agieren lässt, der stört und trübt schon ihre Handlung". Mit letzterem ist Sandner nicht einverstanden: "Ganz ohne Herz und Seele geht es nicht", meint er, der die Bilder seiner Seele in die Malerei einbringt und mit ihr verschmilzt.

Neben den von Wachwitzer und Loschwitzer Landschaften inspirierten großformatigen Naturstücken, die mit dem hellen Licht und seinen Verschattungen zusammenwirken ("Ziegengrund", Hörnchengrund", 2013/14), stehen die in Serien zusammengefassten Tuschen und Pinselzeichnungen (auch zwei Bleistiftzeichnungen), darunter zwölf Blätter aus der Serie "church yard", die zum Teil im Loschwitzer Friedhof entstanden sind und wo neben Tina auch verstorbene Bekannte und Freunde (Frank Georg Barycz, Jochen Lorenz) an besonderer Stelle auftauchen. Die Blätter sind keine reinen Naturstücke, sondern durch eine geheimnisvolle Figuration geprägt. Da erscheint auch das ihm liebe Eichhörnchen (auch als Acrylbild unter dem norddeutschen Titel "Katteker", 2014). Eigenes Befinden wird eingebracht ("OP Tag") ebenso ein Spaziergang durch den Botanischen Garten.

Fast allegorisch dagegen wirken die Acrylbilder "Wunde", "Slüzzelin" (mittelhochdeutsch: Schlüssel), "De Permett" (erzgeb. für Pyramide) und "Chor", 2012). Das ist reine Malerei in ihrer ausdrucksstärksten Form, die im Entstehungsprozess immer wieder auch der Korrektur unterliegt.

Fundstücke aus der Umgebung von Lauchhammer, sogenannte Bieberplastiken und ein Hornissennest ("Zu Hause") ergänzen die skurrile Schau.

bis 20. April. Alte Feuerwache Loschwitz e.V., Fidelio-Finke-Straße 4, geöffnet So-Do 12-18 Uhr, Kontakt: Tel. 0351 267 86 26

www.feuerwache-loschwitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.04.2014

Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr