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Dem Maler Hernando León ist zu seinem 80. eine Ausstellung in Dresden gewidmet

Dem Maler Hernando León ist zu seinem 80. eine Ausstellung in Dresden gewidmet

Der Strohhut steht ihm gut. Während wir hinter seinem Atelierhaus in Laubegast miteinander sprechen, klebt er Bänder und malt mit breitem Pinsel schwarze Steifen und Linien auf eine Plastik: Ein "Lloica" (chilenischer Nationalvogel) für ein Projekt der UNICEF.

Künstler aus über hundert Ländern stiften Kunstwerke für den Verkauf. Ausstellungen und Performances fanden bereits in vielen Ländern statt. Der chilenische Maler Hernando León führt den Pinsel sorgfältig und liebevoll über das Pappmaché. Er spricht von seiner Heimat Chile, seinen indianischen und spanischen Wurzeln. 1818 wurde Chile als eines der ersten Länder unabhängig, andere lateinamerikanische Länder folgten. Die Chilenen feiern nach altem Brauch den ganzen September über ihren Nationalfeiertag. Hernando León begeht zur gleichen Zeit seinen 80. Geburtstag am 30. September und gibt aus diesem Anlass im Dresdner Kulturrathaus mit einer Ausstellung einen Überblick über sein umfangreiches Lebenswerk.

Die Großmutter erzählte ihm als Kind indianische und europäische Märchen. So saß die Muse mit ihr zusammen an seinem Bett. Später keimte der Wunsch, selbst Kunst zu machen, zu malen, zu schreiben. Die Schriftstellerei lebt er genussvoll in seinen vielen Mal-Tagebüchern aus: Notate und Anmerkungen, philosophische Sentenzen, Notizen zur eigenen Arbeit, Selbstvergewisserungen in erstaunlich kluger sprachlicher Dialektik. Seinen Start als Künstler hatte Hernando León von 1952-58, als er ein Studium für Kunsterziehung und Malerei an der Universität in Santiago absolvierte. Schließlich ging er in die damalige DDR, um dort an der HfBK Dresden bei Professor Hans-Theo Richter zu studieren (1958-61). Lehrer und Schüler verstanden sich gut. Der Meister lobte immer wieder Leóns großes zeichnerisches Talent.

Die Jahre an der Universität in Antofagasta zwischen 1964 und 1973 waren ihm die liebsten, weil die produktivsten. Der Kontakt zum chilenischen Volk und seiner archaischen Kunst, seinen Mythen, belebte die Arbeit vieler junger Künstler. Man ging mit der Kunst unter die Menschen, zweifellos auch mit sozialer Absicht und ehrlichem Engagement. Indem sie nach den Wurzeln der chilenischen Kunst forschten und sich zugleich für sozialistische Ideen öffneten, integrierten sie in ihre Werke Themen der indianischen Malerei zusammen mit magisch-surrealistischen Elementen, dem Expressionismus und dem Fauvismus.

Für León spielten die Wandmalerei mit ihren großen lateinamerikanischen Traditionen (Rufino Tamayo, Mexiko), sowie die moderne chilenische Malerei mit Roberto Matta eine besondere Rolle. In die Ausbildungsarbeit junger Studenten, die ihm anvertraut waren, bezog er (in Chile und Dresden) interdisziplinär Musik, Theater, Tanz, Dichtung und Geschichte ein. Zahlreiche Szenografien, Performances und Animationsfilme entstanden in den reichlich dreißig Jahren, in denen er in Dresden wirkte, manches nicht immer nur wohlwollend aufgenommen. Nach dem Militärputsch von 1973 kam er auf Einladung in die Elbestadt, wo er eine Dozentur für Malerei/Grafik und später für Bühnenbild erhielt. Zur gleichen Zeit schuf er neben den Wandbildern in Prohlis auch Bühnenbilder, darunter u.a. für das Nationaltheater Weimar ("Mutter Courage", Brecht). Für Quito in Ecuador "La Traviata" (Verdi) und für Dresden die Szenografie für die Zauberflöte von Mozart.

Das Werk von Hernando León ist eng mit seiner Biografie, aber auch mit den Ereignissen der Weltgeschichte verbunden. Seit 1992 arbeitet er in Chile und in Deutschland für Projekte im kulturellen Bereich. In Yungay, dem Dorf, wo er geboren wurde und seine Kindheit verlebte, wird inzwischen eine Sammlung in einer Bibliothek und einem Ausstellungsraum mit seiner Kunst und anderen zeitgenössischen bildenden Künstlern gezeigt, die vor allem durch Schenkungen der Künstler möglich wurde. Seit 2013 werden in einem Ausstellungssaal in der Universität von Bio-Bio Werke chilenischer, spanischer und deutscher Künstler präsentiert.

2011 hat León nach der Aufgabe seines Hauses in Pirna in Andalusien ein kleines Atelierhaus bezogen. Im Kontakt mit der alten spanischen Kirchenkunst entdeckte er viele Ansätze für die eigene Arbeit, aber auch diverse Wurzeln seiner dreihundertjährigen Familiengeschichte. Bereits in Pirna schuf León im Jahr 2005 eine Serie von Mischtechniken unter dem Titel "Die Geheimnisse der Marienkirche", darunter das Diptychon "Monster und Syrene" (siehe Ausstellung), in dem er Anregungen der sakralen Malerei, Architektur und Bildhauerei zusammen mit surrealen Momenten verarbeitet hat. So erschloss sich hier für ihn die Realität des Irrationalen in seinem Ausdruck und seinen Formen, die nun verwandelt in seiner Kunst auftauchen.

Aus Anlass des Nationalfeiertages und Hernando Leóns 80. Geburtstages richtet die Botschaft der Republik Chile in Berlin im September eine Ausstellung mit einem seiner Kunst-Projekte aus dem Museum der Grafik in Chillán aus. Im Dezember wird in der Universität Bio-Bio in Chillán das grafische Werk von Hernando León zu sehen sein. Im Kulturrathaus Dresden wird Malerei von León aus den vergangenen dreißig Jahren gezeigt.

Ausstellung: bis 27. September. Kunstfoyer im Kulturrathaus Dresden, Königstraße 15, 01097 Dresden. Geöffnet: Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.09.2013

Heinz Weißflog

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