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Dem Konservatorium in Dresden droht wieder die Insolvenz

Dem Konservatorium in Dresden droht wieder die Insolvenz

Da "genießt" das Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden mit nur 46 Prozent öffentlichem Zuschussanteil schon eine weit unterdurchschnittliche Förderung, die im Landesdurchschnitt der Musikschulen bei 57 Prozent liegt.

Die Unterrichts-Entgelte decken fast den gleichen Anteil und gehören zu den höchsten in Deutschland. Das Verwaltungspersonal ist von 19 auf 11 reduziert worden. Lehrkräfte werden schlechter bezahlt als Grundschullehrer und verzichten im Haustarif auf sechs Prozent Einkommen. Honorarkräfte, die etwa die Hälfte des Personals ausmachen, unterrichten für ungefähr 17 Euro die Stunde. Und dennoch schrammt die ehemalige Landesmusikschule mit ihren mittlerweile 5800 Schülern seit Jahren immer knapp an der Insolvenz vorbei. Die nächste droht im kommenden Jahr, wenn ein Fehlbetrag von 372 000 Euro nicht ausgeglichen wird. Das hat das Konservatorium bislang ohne Erfolg schon im April beantragt.

Zuletzt schoss die Stadt Dresden 2008 einmalig 295 000 Euro zu und erhöhte dann den jährlichen städtischen Zuschuss um 150 000 Euro. Macht dennoch nicht mehr als rund 1,5 Millionen, und für eine eigentlich kommunalisierte Musikschule sind 30 Prozent städtischer Kostenanteil nicht gerade üppig. Nicht zu vergessen: 128 000 Euro fließen als Gebäudemiete an die Stadt zurück! Mit dem Gesamtetat von rund 5,2 Millionen Euro kam das Schütz-Konservatorium jetzt vier Jahre lang aus.

"Wir haben den Haushalt bislang in den Griff bekommen, aber nun stellen uns externe Einflüsse vor ein Problem", sagt Geschäftsführerin Kati Kasper. Seit der Mitgliederversammlung vom 15.November hat sie übrigens mit dem ehemaligen Geschäftsführer der Musikfestspiele Kim Ry Andersen als Vereinsvorsitzendem einen erfahrenen Kaufmann zur Seite.

Finanzprobleme immer in Dresden

Als negativen Haupteinfluss nennt Kati Kasper das Zurückfahren der Landeszuschüsse, von denen das Konservatorium aber mit seinen Fortbildungs- und Beratungsangeboten für Lehrer und der Begabtenförderung immer noch überdurchschnittlich profitiert. Rund 850 000 Euro kamen jährlich vom Freistaat. Doch Sachsen strebt eine gleichmäßigere Verteilung dieser Zuschüsse an, die im Haushaltentwurf 2013/14 insgesamt nicht verringert werden. Zu-gunsten der kleineren Städte musste Dresden in diesem Jahr schon auf 90 000 Euro verzichten, 2014 werden 140 000 Euro weniger kommen. An Personal-kosten gibt es nicht nur durch den Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst einen Aufwuchs. Die 90 festen Lehrkräfte, die sich 49 volle Stellen teilen, werden im Durchschnitt immer älter und rutschen automatisch in höhere Gehaltsgruppen. Und freie Lehrkräfte müssen besser bezahlt werden, damit sie nicht zu den Privaten abwandern, wie bei den Piepmatz- und Früherziehungskursen schon geschehen.

Jörg Clemen, Geschäftsführer des Musikschul-Landesverbandes, bezeichnet indessen die Behauptung als "groben Unfug", die finanzielle Schieflage des Schütz-Konservatoriums habe etwas mit zurückgehenden Landeszuschüssen zu tun. Dann müssten auch die anderen "Großen" in Leipzig und Zwickau längst pleite sein. Es falle auf, dass die finanziellen Probleme immer nur in Dresden aufträten. Was sicher auch am geringen städtischen Finanzierungsanteil liegen dürfte. Leipzig beispielsweise zahlt für seine vergleichbar große Bach-Musikschule, einem städtischen Eigenbetrieb, mit 2,8 Millionen fast das Doppelte.

Adressat der HSKD-Geschäftsführung, des Fördervereins, des Betriebsrates oder der Elternvertretungen ist deshalb vor allem das Dresdner Rathaus. Auch im räumlichen Sinn, wenn am Donnerstag vor der Stadtratssitzung protestiert werden soll. Das Kulturrathaus hat eine Weiterreichung des kompletten Fehlbedarfs-Antrags an die Ausschüsse abgelehnt und den bisher üblichen Jahresplan nur mit einem Vermerk versehen. Dem Vernehmen nach hat man eine Erhöhung um lediglich 150 000 Euro signalisiert. Kati Kasper benennt zwei gleich fatale Alternativen, käme der Ausgleich nicht: Entweder müssten die Elternentgelte nochmals steigen, so dass sich bald nur noch Reiche eine musikalische Ausbildung leisten können.

Oder man beraubt sich selbst der entscheidenden Vorzüge eines solchen Konservatoriums und streicht die Ensembles wie Knabenchor, Motettenchor und die Orchester, was auch nur 170 000 Euro sparen würde. Auch Abteilungen könnten geschlossen und Projekte und Fördermöglichkeiten abgesetzt werden. "Wir wollen unseren Anspruch halten", bekräftigt hingegen Kati Kasper zugleich den kulturellen Bildungsauftrag. Was aber will die Stadt? Michael Bartsch

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.11.2012

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