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Dem Irrtum keine Chance: Rolf Dobelli lehrt auch in Dresden die Kunst des klugen Handelns

Dem Irrtum keine Chance: Rolf Dobelli lehrt auch in Dresden die Kunst des klugen Handelns

Wenn Sie über einen Mann namens Mark die Information bekommen, er sei schlank, trage eine Brille und höre gern Musik von Mozart - würden Sie es für wahrscheinlicher halten, dass er LKW-Fahrer oder Literaturprofessor in Dresden ist? Das Gros der Leute, die zu der von den DNN präsentierten Lesung von Rolf Dobelli in die Thalia-Buchhandlung gekommen war, tippte darauf, dass Mark Literaturprofessor ist - und lag damit falsch.

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Warum wir das eine tun, das andere lassen, an das eine glauben, das andere verdammen, ist eine zutiefst menschliche Kiste. Der Mensch handelt nicht immer rational, sondern lässt sich nun mal von Emotionen, Affekten, Vorurteilen leiten. Das macht ihn menschlich, unterscheidet ihn etwa von Maschinen und Robotern, lässt Psychologen und Verhaltensforscher allerdings auch ein gutes Betätigungsfeld wie Einkommen haben. Dobelli hat ein (Sach-)Buch geschrieben, eines, das verspricht, klug zu machen. "Kunst des klaren Denkens" stürmte die Bestsellerlisten. Nun hat der Schweizer Autor nachgelegt. "Die Kunst des klugen Handelns. 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen" heißt es das neue Werk. Auch dessen Texte, die zusammengenommen einen kurzweiligen Streifzug durchs Kuriositätenkabinett menschlicher Unzulänglichkeiten ergeben, basieren - frei nach dem Motto "never change a winning book" - auf Kolumnen, die Dobelli für Zeitungen geschrieben hat. Alle haben sie ziemlich gleiches Format: eine mehr oder weniger aussagekräftige Zeichnung und drei Seiten Text, meist mit einem Fazit endend. Das starre Korsett erweckt ein bisschen den Anschein, alle Phänomene hätten die selbe Wertigkeit, was wohl selten der Fall ist.

Mag der Autor des öfteren auch mit Binsenweisheiten gegen Binsenweisheiten ankämpfen, unterhaltsam ist es, wenn man explizit darauf gestoßen wird, dass man selbst immer wieder Denkfehler begeht, weil tief in einem der alte Adam steckt. Stichwort "Begründungsrechtfertigung". Sie besagt nichts anderes, als dass Menschen Anweisungen lieber folgen, wenn sie einen Grund genannt bekommen - und sei er noch so trivial. Wir wissen das, rein theoretisch, und lassen doch Menschen in einer Schlange vor, mag der Grund, den sie angeben, auch einer Überprüfung nicht standhalten. Oder die Aufwandsbegründung, laut Dobelli ein Spezialfall der sogenannten "kognitiven Dissonanz". Eine milde Form der Aufwandsbegründung ist der sogenannte Ikea-Effekt. Seinetwegen erachten wir ein ästhetisch hässliches Teil für wertvoller als ein teures Designerstück - bloß weil wir es selbst zusammengeschraubt haben. Deshalb werden manche Bauten auf Teufel komm raus fertig gebaut - mit dem "Argument", man hätte jetzt schon so viel Zeit und Geld investiert. Deshalb werden Prestigeobjekte wie Elbphilharmonie in Hamburg oder City-Tunnel in Leipzig zu Ende gebaut, koste es, was es wolle.

Nun sind die Denk- und Verhaltensmuster meistens evolutionär bedingt, über Jahrtausende gewachsen. Manche sind sogar geschlechtsspezifisch. Frauen neigen etwas mehr zu Herdenverhalten, Männer dafür zur Selbstüberschätzung. Das zu benennen ist nicht verkehrt, und Dobelli beschreibt die Irrungen und Wirrungen menschlichen Handelns durchaus unterhaltsam. Sie zu ändern, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es macht den Menschen letztlich ja auch sympathisch, wenn er Hemmungen hat, mit Dartpfeilen auf Fotos von ihm nahestehenden Personen zu zielen. Nicht jede Optimierung menschlichen Handels ist wünschenswert. C. Ruf

Rolf Dobelli "Die Kunst des klugen Handelns. 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen". Carl Hanser Verlag, München, 248 S., 14,90 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.10.2012

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