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Dem Dresdner Künstler Veit Hofmann zum 70. Geburtstag - Ausstellung bei Kühl

Dem Dresdner Künstler Veit Hofmann zum 70. Geburtstag - Ausstellung bei Kühl

Eigentlich ist es ein kleines Wunder, Veit Hofmann feiert seinen siebzigsten Geburtstag, doch wer ihn persönlich erlebt, begegnet einem Menschen, der sich eine Neugier und eine Freude am Leben erhalten hat, die man sonst nur bei Kindern findet.

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Veit Hofmann. Phantasma 4. (Hermann Glöckner gewidmet) 2012. Materialgrafik. WVZ 4994.

Quelle: Galerie

Beides fließt bei Veit Hofmann dann mit einer reichen Lebenserfahrung zusammen, die aus einem Leben für die Kunst und aus dem Überleben in zwei ganz unterschiedlichen Gesellschaftssystemen gespeist ist.

Veit Hofmann lässt sich von allem, was ihm in die Augen und zwischen die Finger gerät, zu künstlerischer Kreativität verleiten. Auf jeden Fall ist er Maler, aber er ist noch viel mehr: ein Magier der Linie, Buchkünstler, Regisseur poetischer Installationen; und er war Telefonkünstler (mit Otto Sander-Tischbein). Bei allem aber ist und bleibt die Farbe unangefochtene Grundlage der künstlerischen Arbeit. Hier steht er in einem vitalen Zusammenhang mit den besten Seiten Dresdner Maltradition.

Im letzten Jahr vor dem Kriegsende geboren, begann er als 16-Jähriger eine Lehre als Buchdrucker. Von 1967 an studierte er an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden. Zu seinen Lehrer gehörten Herbert Kunze, Gerhard Kettner und der heute eher unbekannte Franz Tippel. Einer der wichtigen Lehrer im übertragenen Sinn wird aber das Dresdner Künstlerhaus gewesen sein, in das Veit Hofmann hineingeboren wurden. Dort hat er nicht nur die permanente Anwesenheit von Kunst mit der "Muttermilch" aufgesogen, sondern er erlebte die Diskussionen über Farbe, über Komposition der Formen als vollkommene Selbstverständlichkeit. Nicht zu vergessen, dass sein Vater ebenfalls ein angesehener Maler war.

Seit 1972 lebt und arbeitet Veit Hofmann als freischaffender Künstler in Dresden. Er arbeitet dabei gern mit anderen Künstlern zusammen, so mit Claus Weidensdorfer oder seinerzeit mit Bernd Hahn, und er bildete mit Stefan Plenkers und Rainer Zille eine lockere Freundesgruppe, die sich gegenseitig anregte. Doch ebenso gern zieht er sich auch zurück - zum wiederholten Mal hat er in Griechenland den heiligen Berg Athos aufgesucht.

Veit Hofmann setzte sich intensiv mit Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner, Otto Mueller und Emil Nolde auseinander. Dieses expressionistische Erbe ist in sein Werk eingeflossen. Es ist zu spüren am Ausdruckswert expressiver Linien und am Mut zum Setzen kräftiger Farben, die für ein unmittelbares Lebensgefühl zu stehen vermögen. Aber Veit Hofmann hat früh den ihm gemäßen, eigenen Personalstil gefunden und ist allen Lehrern und Anregungen gegenüber autonom geblieben.

Was heißt eigentlich, er hat seinen Personalstil gefunden? Hinter dieser Aussage verbirgt sich einer der zentralen und existentiellen Momente der Formung und Entwicklung einer künstlerischen Persönlichkeit. Denn nur wenn es gelingt, diesen einen, eigenen Stil zu finden, wird das entstehende Werk seine Autonomie und seine Qualität bezeugen und behaupten können. Gelingt dies nicht, können Ansätze eines Stils zur Manier werden oder auch nur manieriert wirken. Veit Hofmann hat die Essenz künstlerischer Gestaltung für sich erarbeitet und geht seither souverän damit um.

Eine Besonderheit in seinem Werk möchte ich hervorheben. Sie sorgt beim Betrachten seiner Kunst für anhaltende Anregung. Veit Hofmann hält sich von allen ästhetischen Dogmen fern. Er experimentiert mit einer Vielzahl von Materialien und besitzt dabei ein ausgeprägtes Bewusstsein und Gespür für das Material. Und er lässt die Fantasie und die Impulse der Wirklichkeit in seiner Arbeit gewähren, niemals legt er ihnen die Zügel an. Drängt die künstlerische Artikulation zur Abstraktion, so ist ihm das genauso willkommen, als wenn sich Figurationen im Bild etablieren, an denen sich auch Bild-Erzählungen knüpfen können. Abstraktionen sind bei Veit Hofmann selten formale Spielereien. Der Künstler hat eine sichere Empfindung für die symbolische Deutung des Daseins. Und so beschäftigt er sich in seiner Kunst nicht mit Erscheinungsformen, sondern mit den Elementen unseres Lebens selbst. Seien es nun die vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer oder seien es emotionale Eigenschaften wie das Schweben, unsere Sehnsucht oder das Gefühl der Unendlichkeit. Farben und Formen sind für Veit Hofmann autonome Energieformen. Manchmal wird der Künstler dabei zum Schamanen, den unsere Welt mehr als nötig hat.

Im Prozess der künstlerischen Arbeit wandelt sich die Welt-Anschauung Veit Hofmanns zur künstlerischen Form. Und in der Welt-Anschauung sind alle Anregungen einbegriffen, seine Reisen, seine Lesefrüchte und natürlich der erlebte Alltag. Manchmal mutet es mir an, als sei Veit Hofmann auf geheimnisvolle Weise mit dem "Gralsschatz" verbunden, dem bekanntlich nur derjenige nahe kommen kann, der vorurteilsfrei und unverstellt der Welt begegnet. Und dies scheint auch das Rezept zu sein, mit dem Veit Hofmann jung bleibt.

Dr. Gisbert Porstmann ist Direktor der Museen der Stadt Dresden und der Städtischen Galerie

"Tür an Tür" heißt die Ausstellung mit Arbeiten von Hans Jüchser und Veit Hofmann, die die Galerie Kunstausstellung Kühl aus Anlass des 70. von Veit Hofmann bis 17. Mai zeigt. Nordstraße 5. Di-Do 11-18 Uhr, Fr 11-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr und n.V.

www.kunstausstellung-kuehl.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2014

Gisbert Porstmann

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