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Dem Dresdner Helmar Helas, der für den Wiederaufbau der Semperoper mitverantwortlich war, zum 100.

Dem Dresdner Helmar Helas, der für den Wiederaufbau der Semperoper mitverantwortlich war, zum 100.

Zu Recht genießt das Dresdner Opernhaus, gemeinhin Semperoper genannt, nicht nur als Spielstätte, sondern auch als "Gesamtkunstwerk", als Architektur, an der auch Plastik, Malerei und Dekoration Anteil haben, einen internationalen Ruf.

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Helmar Helas bei der Maßüberprüfung am Originalgemälde des Schmuckvorhanges von Ferdinand Keller, 1979.

Quelle: Archiv Magirius

Obwohl seit der Wiedereröffnung nach der Kriegszerstörung fast 30 Jahre vergangen sind, hält der Touristenstrom, der das Innere des Hauses auch als Sehenswürdigkeit erleben will, Jahr für Jahr unvermindert an. Das rechtfertigt noch immer die damalige Entscheidung, den Wiederaufbau im Sinne Sempers, das heißt mit großem Aufwand an konservatorischem und restauratorischem Geschick voran zu treiben, verpflichtet die Intendanz aber auch, die immer mehr ausufernde Gastronomie und ihre Installationen in den Foyers und Vestibülen in Grenzen zu halten, denn hier sind die Folgeschäden an der Substanz, aber auch die ästhetischen Beeinträchtigungen unübersehbar.

In diesem Sinne scheint es an der Zeit, daran zu erinnern, dass die Wiederherstellung der Innenräume vor allem einer Vielzahl von Malern und Restauratoren zu verdanken ist. Das Innere der Oper stellt auch eine Art Leistungsschau von akademisch ausgebildeten Dresdner Malern und Bildhauern des 20. Jahrhunderts dar, die sich hier in den Dienst einer denkmalpflegerischen Aufgabe gestellt haben, so zum Beispiel Sigrid Artes, Friedrich Decker, Erika Heinze, Gerhard Keil, Egon Pukall, Franz Tippel und Günter Schreiber als Maler, oder Werner Hempel, Wilhelm Landgraf und Christian Schulze als Bildhauer, um nur einige bekannte Künstlernamen zu nennen. Von besonderer Bedeutung war die künstlerische Leitung von zwei Arbeitsgruppen, die eine war Matthias Schulz anvertraut. Er war für die seitlichen Vestibüle und den Zuschauerraum zuständig. Helmar Helas hatte die Rundfoyers, die Exedra und den Bühnenvorhang in seiner besonderen Verantwortung.

Hier erinnern wir an Helmar Helas. Er wurde am 7. März 1914, also vor einhundert Jahren geboren. Nach einer Malerlehre 1928-1930 besuchte er die Akademie für Kunstgewerbe in Dresden. Alexander Baranowsky, sein Lehrer, war hier für "dekorative Malerei", aber auch für "Bühnenmalerei" zuständig. Das nachfolgende Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Dresden 1933-1939 fällt in die Zeit einer durch die Naziideologie verursachten künstlerischen Krise. Tiefere Spuren hinterließ bei Helas als Lehrer lediglich Hanns Hanner, in dessen Malsaal er arbeitete und von dem es heißt, dass er sich "um eine handwerklich gediegene Kunstausbildung" bemüht habe.

Neubeginn als Glasmaler für Kirchenfenster

1939 als Soldat eingezogen, hatte Helas das Glück, 1941-1944 als Theatermaler in Plauen im Vogtland tätig sein und in der Glasmalereiwerkstatt Lang sich mit dem Thema der Glasmalerei vertraut machen zu können. Nach Kriegsende suchte er Kontakt mit kirchlichen Architekten, zunächst mit Fritz Steudtner, glaubte aber auch, das abgebrochene Studium fortsetzen zu sollen.

In den ersten Nachkriegsjahren wandte sich Helas vor allem der Glasmalerei zu. Teils handelte es sich um Ergänzungen zerstörter oder teilzerstörter Fenster wie der der Versöhnungskirche (1947/1949) oder Martin-Luther Kirche in Dresden (1948), teils aber auch um Neugestaltungen. Das interessanteste Beispiel aus dieser Zeit ist der Glasfensterzyklus im Chor der Markuskirche in Dresden (1946/1947). Diese Fenster sind dem Thema der Glaubensstärke mit Beispielen aus dem Neuen Testament gewidmet. In der Gestaltung der stark farbigen, dekorativ wirkenden Fenster knüpft Helas an den Stil von Fenstern Otto Gussmanns und Paul Rößlers an. Spätere Fenster wie die für die Kreuzkapelle in Mauersberg (1951) sind stärker auf die Ablesbarkeit der Gestalten konzentriert. Bei der Ausgestaltung der Kreuzkapelle mit Bildern und Symbolen an den Emporenbrüstungen und an der Felderdecke (1953) spielen Anregungen des Kreuzkantors Rudolf Mauersberger als des Stifters der Kapelle die wesentliche Rolle. Die zahlreichen bildinhaltlichen Bezüge dienen einem Wirkungszusammenhang, der Vertrauen in die heimatliche Überlieferung ausstrahlen soll. Mauersbergers musikalische Initiativen für die Musik des Dresdner Oberhofkapellmeisters Heinrich Schütz dokumentiert das Glasfenster in der Schützkapelle der Dresdner Kreuzkirche von Helmar Helas (1954/1955). Hier sind die verlorenen Dresdner Schütz-Gedenkstätten dargestellt.

In den sechziger Jahren ergeben sich für Helas Änderungen in der Arbeitsweise. Die Betreuung von mehr als zwölf Kircherneuerungen im Jahr zwingt ihn, sich nach Hilfskräften umzusehen. Er findet sie in meist gut ausgebildeten Handwerkern, denn noch immer gibt es keine Fachausbildung von Restauratoren. War es bisher Usus gewesen, dem Institut für Denkmalpflege farbige Blätter zur Gestaltung von Innenräumen vorzulegen, werden jetzt mehr und mehr Untersuchungen zur historischen Abfolge der Ausmalung gefordert. Das Institut für Denkmalpflege behält sich vor, die Farbuntersuchungen in kunsthistorisch wichtigen Räumen zu begleiten und die Ergebnisse in entsprechenden Entwürfen zu begutachten. Bei der Restaurierung der George-Bähr-Kirche in Schmiedeberg wird 1961/1963 dieses Vorgehen mit Helmar Helas erstmals praktiziert. Im Verlauf des nächsten Jahrzehnts entwickelt Helas bei seinen Restaurierungen einen gewissen Standard denkmalpflegerischen Vorgehens. Als herausragende Beispiele seien die Innenräume der Barockkirche in Bernsbach (1962), der St. Georgskirche in Schwarzenberg (1966/1969) und vor allem der George-Bähr-Kirche in Hohnstein (1963/1967) genannt. Vielfältige denkmalpflegerische Probleme stellen sich bei der Restaurierung der Stadtkirche in Dippoldiswalde mit einer reizvollen Ausmalung des 17. Jahrhunderts, die von zahlreichen Mitarbeitern - darunter Künstlern - sorgsam freigelegt wird.

Denkmalpfleger mit politischen Schwierigkeiten

Da kommt der denkmalpflegerischen Aufgabe zugute, dass bildende Künstler, die politisch Schwierigkeiten haben, gern derartige Arbeiten übernehmen. So bildet sich ein Stamm von restauratorisch tätigen Künstlern und Handwerkern heraus, dem auch größere Aufgaben zugetraut werden kann, so zum Beispiel die Restaurierung des Innenraums der Stadtkirche in Torgau (1968/1971).

Neue Aufgaben stellen sich bei der Erneuerung von Innenräumen des Historismus und des Jugendstils, aus Epochen also, die bis dahin nicht gewürdigt worden waren. Mit Entwürfen von Helmar Helas für die Erhaltung wenigstens der wichtigsten Elemente der historistischen Ausmalung der Trinitatiskirche in Riesa (1968) wurde der erste Versuch einer Ehrenrettung gemacht. Nicht weniger neuartig war der Versuch, in der während der Nachkriegszeit seiner Ausmalung beraubten Christuskirche in Dresden-Stehlen wieder an die noble Gestaltung von 1905 anzuknüpfen, was Helas auch im Hinblick auf die neugestalteten Fenster mit großem Einfühlungsvermögen gelungen ist (1973/1977). Von 1967 an war Helmar Helas mit Gestaltungsaufgaben in der Katholischen Hofkirche in Dresden betraut. Mit der Ausmalung der Kreuzkapelle (1967) wurde der Versuch gemacht, die schon frühklassizistische Ausmalung zu rekonstruieren, um die räumliche Gesamtwirkung wieder zur Geltung zu bringen. In der Sakramentskapelle, wo noch Reste der historischen Ausmalung von Stefano Torelli vorhanden waren, wagte er sich zusammen mit Matthias Schulz an eine Rekonstruktion der Kuppelmalerei (1976/1978). Der wiederhergestellte Prospekt der Silbermannorgel erhielt eine Farbfassung im Sinne seiner Entstehungszeit. An diesen großen, nur in Zusammenarbeit mit kundigen Helfern wie Peter Taubert und Hans Riedel zu leistenden Aufgaben konnte ermessen werden, dass Helmar Helas auch bei der Wiederherstellung der Semperoper leitend tätig sein könnte. In Vorbereitung des übernommenen Auftrags zur Rekonstruktion des Bühnenvorhangs von Ferdinand Keller starb er am 30. Juli 1981 im Palais im Großen Garten.

Die Leistungen von Helmar Helas sind nicht mit heute gültigen restauratorischen Maßstäben zu messen. Ihre Genese ist vielmehr in der Tradition der dekorativen Dresdner Kunst vom Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde es Helas mehr und mehr wichtig mitzuhelfen, dass die Stadt Dresden und das Land Sachsen ihr kulturelles Profil bewahren möchten. Das war nur durch gestalterische Kräfte möglich. Für Helmar Helas bedeutete das vor allem aber auch unentwegte Mühe und Arbeit.

*

Heinrich Magirius, 1994 bis 1999 Landeskonservator, war während seiner Zeit im Dresdner Institut für Denkmalpflege auch für den Wiederaufbau der Semperoper mitverantwortlich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.03.2014

Heinrich Magirius

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