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Deep Purple fragt in Dresdens Messehalle "Now what?!" und gibt selbst die Antwort

Deep Purple fragt in Dresdens Messehalle "Now what?!" und gibt selbst die Antwort

Die Überraschung geschah schon vorher: Deep Purple fragte sich ernsthaft "Now what?!", ging nach Nashville zu Bob Ezrin ins Studio und landete plötzlich und ganz ohne Rauch und Wasser Anfang Mai auf Nummer eins der deutschen Albumcharts.

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Sänger Ian Gillan (li.) und Gitarrist Steve Morse.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das 19. Studioalbum der 45-jährigen Bandgeschichte war überhaupt das erste seit acht Jahren und eroberte auch in Tschechien und Österreich kurzzeitig den Spitzenplatz der Albumcharts, in der Schweiz den zweiten.

Nun begannen die gestandenen Musikanten, zwei schon im Alter von echten Rockerrentnern, ihre Deutschlandtour - ausgerechnet in der großen Dresdner Messehalle Nummer eins. Doch am Dienstagabend erwies sich die Variabilität des Riesenschlauchs als Vorteil: Der Andrang war zu groß für andere Spielstätten, aber eigentlich nicht groß genug für diese Halle. Doch die Bühne ward einfach dreißig Meter nach vorn in den Raum verschoben, und durch die Sitzplatztribüne hinter den Stehern und Tänzern, deren 1400 Plätze nahezu alle voll besetzt waren, war auch der Hall gebremst, so dass neben großer Bewegungsfreiheit beste Sicht- und Hörbedingungen für alle herrschten.

Doch dass es rundum ein gelungener Konzertabend wurde, lag vor allem an der Profession aller Beteiligten. Die Herren um Sänger Ian Gillan, mittlerweile 68 Jahre reif, wirkten tiefenentspannt und hochkonzentriert, spielten ihre Soli und brauchten keine Show oder Publikumsanimation. Sie flochten viel von der aktuellen Scheibe ein und hoben sich den Song rings um den berühmtesten Gitarrenriff der Rockgeschichte bis kurz vorm Schluss auf. Steve Morse, mit zarten 59 der Band-Benjamin und, ebenso wie Bassist Roger Glover (67), in der passenden Körperform für ärmellose Muskelshirts, kam aus einem langen Solo ansatzlos zu "Smoke on the Water", die Lichtanlage simulierte ein Flammenmeer, der Saal sang mit.

Wer handwerklich so gut ist, kann sich auch genau zuschauen lassen: Kleine stationäre Kameras wurden von der Regie klug eingesetzt und projizierten die Bilder der Fingerfertigkeit auf zwei Leinwände neben der Bühne. Im Hintergrund fünf Aktivdisplays im Hochformat, die farbige Animationen oder verzerrte Livebilder lieferten - doch immer stand Inhalt vor Form. Und der war perfekt zelebriert. Wer wissen will, wie unaufgeregt Rockgeschichten zu erzählen sind, muss nur "Vincent Price" vom aktuellen Album anhören (oder das Video schauen) - da braucht es keine Formeln als Botschaften, keine Show zur Staffage, es bedarf nur die Muße, sich Zeit zu nehmen und zu seiner eigenen Art zu bekennen. Dann gehen auch Schmusesongs wie "All the Time in the World" mal durch. Rund zweieinhalbtausend Besucher lauschten dem Quintett, viele von ihnen können aus den Etappen einzelner Konzerte ein Puzzle an Erinnerungen zusammensetzen - das jüngste wird als gutes darin vorkommen.

Dresden war der Startort von acht Deutschlandkonzerten in zwölf Tagen, die zweite Station ist heute Erfurt, die vierte am Sonnabend Berlin. Für alle deutschen Abstecher kam Peter Frampton samt Gruppe als Vorband mit - auch er ein solider Gitarrist, der Ende der Siebziger seine größten Erfolge samt Grammy feierte und heute ebenso seine Leistung bringt, ohne mit dem Alter zu kokettieren.

Ebenso imponierend wie die fulminante Lichtshow im Saal: Die lange, doppelte Rückrotlichtschlange oberhalb und in der Flutrinne. Doch mit der Spitzenreiterplatte im Autoplayer vertreibt es sich jede Heimfahrt gut. Und wer den internationalen Vergleich sucht: Ab Februar sind die Herren wieder auf Tour und reisen aus Norwegen und Schweden kommend vom 11. bis 20. Februar dicht an uns vorbei: Von Kopenhagen geht es nach Poznan, Katowice und Pardubice gen Südosten nach Budapest, Belgrad und Bukarest.

@www.deep-purple.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.10.2013

Andreas Herrmann

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