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David Munyon sorgte mit seinem Gesang für Gemeinschaftsgefühl in der Dreikönigskirche

David Munyon sorgte mit seinem Gesang für Gemeinschaftsgefühl in der Dreikönigskirche

"Fragile" steht auf seinem Gitarrenkoffer - und zerbrechlich wirkt David Munyon mittlerweile auch. Alt und grau geworden, geradezu ein wenig unsicher auf den Beinen, wenn er die mit einem Orientteppich zum heimeligen Wohnzimmer gestaltete Bühne vor dem Altar der Dreikönigskirche betritt.

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Purple Cadillacs lautet der Titel von David Munyons neuem Album.

Quelle: PR

Sein Amerikanisch klingt breiter denn je - er ist gerade aus Alabama zurück, wo er schon Sonnenschutzmittel brauchte. Lucky America!

Das Songbook, es hat wieder Aktenordner-Stärke, und David Munyon kündigt wieder an, "some songs" spielen zu wollen - wobei er sowohl zur Pause als auch zum Ende von seinem umtriebigen Begleiter mit sanfter Gewalt gezwungen werden muss. Über drei Stunden dauern Munyon-Abende, gerade die in der Dresdner Kirche, auf die er sich, wie er selbst sagt, das ganze Jahr über freut.

Logisch - der Mann bezeichnet sich als durch Jesus und Maria gerettet, Religion ist ihm Lebenselixir. Vielleicht - ganz zynisch - etwas zu sehr. Aber es mag auch die Aufwärmzeit gewesen sein, die auch ein David Munyon braucht, die den Anfang mit zwei komplett religiösen Stücken etwas schwergängig machte. Da nähert er sich zwar mit den perfekt gesetzten, langen Pausen in seinem Gitarrenspiel geradezu der Stille, inhaltlich erreicht er zumindest die Skeptiker im Publikum mit seiner Lobpreisung Gottes jedoch noch nicht wirklich. Mit dem dritten Stück dann aber, "Song for Mother Mary" - natürlich auch christlich inspiriert - hat er uns. Er selbst scheint komplett angekommen, sein Gitarrenspiel ersetzt problemlos die Band, und so ist es egal, wen oder was er mit Mutter Maria meint, wir lassen uns mitnehmen von ihm. Durch die nächsten Songs, den langen Abend, hin zu weniger Zweifel, gar zu einer Art Glauben...

Von den beiden neuen CDs ist lediglich das Stockfisch-Album vor Ort vorhanden - Probleme bei der Produktion der neuen Mobile-Home-Scheibe. Eine großartige erste Kostprobe darauf gab es mit "I Preach the Blues", das dunkel, fast düster daherkommt, da Munyon selbst seine eigene Basslinie spielt. Nicht umsonst sagt der Mann, er habe sein Gitarrenspiel bei Hank Williams gelernt!

Ein Plädoyer für Patenschaften für Kinder in der Dritten Welt führt zu dem eindringlichen "Stealer of Hearts" für sein Patenkind. "Little Hare Krishna boy run away with me" heißt es darin. Hier würde man sich eine E-Gitarre, Drums und einen Bass wünschen; wenn Munyon jedoch zu ganz reduzierten Akkorden der Akustischen seine volle Stimme zum Hare-Krishna-Gebet erklingen lässt, dann kann man sich das intensiver kaum vorstellen.

Ein kompliziertes Intro leitet eine phänomenale Hommage an Muddy Waters ein, und "Angel With a Busted Wing" ist eines der schönsten Erinnerungs-Liebeslieder überhaupt. Nachdem er alles ruiniert hat, soll die Frau wenigstens den Engel mit den gebrochenem Flügel behalten. Neben den Erinnerungen. Für die Erinnerungen. Und mit solchen traurig-schönen Oden an die Menschheit schlechthin geht es nach der Pause weiter. Eine Liebeserklärung an jemanden im Publikum kulminiert in der Zeile: "If I was a perfect man I wouldn't need a song." Aber was bliebe uns dann?

"Sometimes I Can't Believe I'm Here With You", wiederum von der fehlenden "Waterside: The Ghost of Sonny Hamm" ist intensiv, der "Song for Danko" von der vorliegenden "Purple Cadillacs" schön voll. Rick Danko ist ein Freund. David Munyons Welt, auch die Welt seiner Songs, ist voller Freunde.

Auch Paul McCartney gehört dazu - ein Freund im weitesten Sinne, würde man vermuten. Immerhin soll Munyon im Juni bei einem Konzert in Polen mit ihm auftreten - und die beiden haben gemeinsam einen Song geschrieben: "World Love". Und wenn das Stück auf der CD "Pretty Blue" auch nie einer der eigenen Favoriten war, so schafft Munyon es live, mit der Inbrunst seiner Botschaft tatsächlich ein warmes Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, den Gedanken, dass es möglich sein müsste, könnte, wenn man daran glauben würde - und so etwas kann nun wirklich nur er: Zynische Agnostiker in einer Kirche zu einer Art Glauben bewegen....

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.04.2013

Beate Baum

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