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Das verkaufte Lachen - Zum Tod des Dresdner Künstlers und Filmemachers Heinz Wittig

Das verkaufte Lachen - Zum Tod des Dresdner Künstlers und Filmemachers Heinz Wittig

Obwohl Dresden bis heute der Ruch eines konservativen Klimas anhaftet, war und ist die Stadt oft Vorreiter und Gestalter einer subversiven Kultur. Auf der Suche nach künstlerischen Freiräumen bildete sich in Dresden zwischen den sechziger und siebziger Jahren eine lebendige Kulturszene neben der offiziellen Kunst und Kulturpolitik an der Kunsthochschule, in der Neustadt und in Loschwitz heraus.

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Heinz Wittig.

Quelle: privat

Eingebunden in die Subkultur der Elbhanglandschaft war der Künstler Heinz Wittig. Geboren 1939 in Greiz in Thüringen, zog er 1958 nach bestandenem Abitur voller Tatendrang nach Dresden. Dort hatte schon sein Vater studiert. Maler wollte er werden. Vor seiner Aufnahmeprüfung an der Akademie lernte in einer Bar am Körnerplatz den Trickfilmer Will Hamacher kennen. Diese Begegnung war schicksalshaft - brachte er ihn doch dazu, nach der bestandenen Aufnahmeprüfung von 1960 bis 1965 an der Hochschule für Bildende Künste nicht Malerei, sondern in der Fachklasse für Trickfilm bei Otto Sacher zu studieren und sein Diplom abzulegen. Es erfolgte eine Anstellung im Dresdner DEFA-Studio für Trickfilme. Wie andere hoffnungsvolle und begabte Absolventen dieses Jahrganges fühlte er sich im Studio in seinem Schaffensdrang eingeschränkt und gemaßregelt, weshalb er sich 1967 für eine freiberufliche Tätigkeit entschied und ein eigenes Filmstudio in Graupa aufbaute. Er wurde Mitglied im Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR.

Blickt man auf seine umfangreiche Filmografie, so findet sich dort eine große Anzahl von feinsinnigen und künstlerisch anspruchsvollen Animationsfilmen für das Kinderfernsehen, späterhin auch Dokumentar- und zahlreiche Werbefilme, Künstlerporträts sowie Beiträge für das ZDF-Kulturmagazin Aspekte.

Observiert von der Stasi, veranstaltete er in Graupa Gartenfeste, an denen zahlreiche Künstler und Freunde teilnahmen. Im Kreise seiner Künstlerkollegen "Matz" Griebel, Wasja Götze, Helge Leiberg und Ernst Hirsch hat er einen festen Platz eingenommen, war er doch Ideengeber und Initiator zahlreicher Künstlerfeste, Happenings und Performances. Legendär sind die Faschingsfeste in der Kunsthochschule, seine Aufführungen von audiovisuellen Livemontagen im Kleinen Haus und in der Lucaskirche bis hin zu Landart-Projekten in der Umgebung von Graupa. In Heinrichs Gaststätte in Wachwitz und im Stammlokal Körnergarten wurde nicht nur getrunken, sondern es wurden auch Pläne geschmiedet.

Im Katalog der Ausstellung "bohème und diktatur in der ddr", die das Deutsche Historische Museum in Berlin 1997 veranstaltete, berichtet er über diese Zeit: "Schulterschluss und Unterhaken, das war unsere Intention damals. Es war nur das los, was man selbst los machte. Eine fröhliche Notgemeinschaft, wenn man so will. Als ich damals in den Westen ging, kam ich mir vor wie Tim Taler, der sein Lachen verkauft hatte." Viele Künstler gingen freiwillig oder auch unfreiwillig in den Westen. 1983 siedelte auch Heinz Wittig nach Ettlingen um, wo er sich eine neue Arbeitsbasis als freiberuflicher Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann schuf. Als er nach dem Mauerfall in sein geliebtes Dresden zurückkam, hatte sich vieles verändert. Die "fröhliche Notgemeinschaft" gab es nicht mehr. Jeder seiner ehemaligen Künstlerfreunde kämpfte mehr oder weniger erfolgreich ums Überleben. Doch Dresden war sein Lebensmittelpunkt und hier schuf er sich gemeinsam mit seiner Frau Ulrike Wittig am Körnerplatz einen neuen Lebens- und Arbeitsbereich. An der Hochschule für Bildende Künste konnte er seine Erfahrungen und sein hohes fachliches Können im Studiengang Neue Medien an die Studenten weitergeben. Alte Freundschaften wurden erneuert. Wer von seinen Freunden erinnert sich nicht an die ein- oder mehrdeutig kunstvoll gestalteten Grüße zum Jahreswechsel? Obwohl er noch viele Ideen hatte, war er müde geworden. Nach kurzer Krankheit hat der Tod am 29. Dezember 2011 seinen Plänen ein viel zu frühes Ende gesetzt. In Dresden wird sein lebendiger und inspirierender Geist fehlen.

Heidrun Sünderhauf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.01.2012

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