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Das (verflixte?) siebente Jahr: Die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch

Neu: Nacht- und Wanderkonzerte Das (verflixte?) siebente Jahr: Die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch

Vom 24. bis 26. Juni finden die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch statt. In diesem Jahr steht die Verbindung im Schaffen des Komponisten zu seinem Kollegen Hans Eisler im Mittelpunkt.

Gennadi Roschdestwenski (r.), diesjähriger Schostakowitsch-Preisträger, mit Tobias Niederschlag, dem künstlerischen Leiter in Gohrisch.
 

Quelle: dpa/ Harald Schluttig

Dresden.  Musikalische Brückenschläge gehören in Gohrisch zum guten Ton. Da ging es nie nur und ausschließlich um Schostakowitsch. Seit Gründung der Internationalen Schostakowitsch-Tage im Herbst 2010 spielen dramaturgische Querverbindungen zwischen Dmitri Schostakowitsch, seinen kompositorischen Vorbildern, Weggefährten und der künstlerischen Erbengeneration eine wichtige Rolle.

Die Freundschaft zu Benjamin Britten, die Vorbildwirkung für Sofia Gubaidulina, die so schicksalhaften wie einflussreichen Verbindungen zu Mieczyslaw Weinberg, Vsevolod Zaderatsky und Arvo Pärt – all das hat in den vergangenen Jahren dieses einzigartige Festival sehr geprägt. Am letzten Juni-Wochenende 2016 werden Ludwig van Beethoven und Hanns Eisler das Schaffen von Dmitri Schostakowitsch umrahmen, was zunächst vielleicht ein klein wenig überraschen mag, bei näherer Betrachtung aber absolut einleuchtend ist. Denn Beethoven war zeitlebens ein wichtiges Leitbild für Schostakowitsch sowohl in sinfonisch struktureller Hinsicht als auch in Bezug auf die humanistische Botschaft aus der Tiefenkraft der Musik.

Aber Hanns Eisler? Nun, die schlüssige Verbindung ergibt sich aus den Biografien beider Komponisten, die ihr Leben lang an eine bessere Welt glaubten, nichtsdestotrotz aber auf Distanz zu den diktatorischen Regimes in DDR und Sowjetunion blieben. Eisler wurde gar in mehreren Systemen bedroht und verfolgt, entkam als Jude den deutschen Nazis, war in der McCarthy-USA als angeblicher Kommunist observiert und verfemt, behielt aber auch später, nach seiner Rückkehr in den Osten Berlins, die österreichische Staatsbürgerschaft bei.

Dass er allerdings mehr ist als nur der Komponist der DDR-Hymne (die letztlich ein billiger Abklatsch des „Goodbye Johnny“ von Peter Kreuder war), das werden die diesjährigen Schostakowitsch-Tage unter Beweis stellen, wie deren Gründer und Künstlerischer Leiter Tobias Niederschlag gestern schon einmal ankündigte. „Hier gilt es viel zu entdecken“, gab er bekannt, „und wohl auch eine Menge wiedergutzumachen.“

Diesem Anspruch werden die dreitägigen Schostakowitsch-Tage programmatisch mit mehreren Konnzerten gerecht. Am Eröffnungsabend gibt es, dargeboten vom belgischen Quatuor Danel, das 13. Streichquartett Ludwig van Beethovens sowie das letzte Streichquartett von Schostakowitsch, die Nr. 15. Mit diesen Werken wird Eislers Streichquartett op. 75 umrahmt, eine mit Spannung erwartete Idee.

Tags drauf wird es einen Vortrag der Musikwissenschaftlerin Friederike Wißmann zu den Komponisten Schostakowitsch und Eisler geben, dem eine Podiumsdiskussion mit Peter Gülke, Krzysztof Meyer, Peter Rösel und Uwe Tellkamp folgen soll. Als Novität wurde ein Wanderkonzert des Vocal Concert Dresden angekündigt, das mit Musik von Schostakowitsch und Eisler durch Gohrisch und die nahe Umgebung führen soll, bei Schlechtwetter aber in der Konzertscheune stattfinden wird.

Dort gibt es später den Kammerabend mit einem eigens gegründeten Trio um die Pianistin Anna Vinnitskaya, den Cellisten Isang Enders und Matthias Wollong, den Ersten Konzertmeister der Staatskapelle. Auch hier steht Musik der drei diesjährigen „Säulen“ auf dem Programm. Erstmals folgt zu späterer Stunde ein Nachtkonzert in der Scheune, das Peter Rösel gemeinsam mit dem Solobratscher Sebastian Herberg gestaltet. Beethovens „Mondscheinsonate“ und das letzte vollendete Werk Schostakowitschs, die Sonate für Viola und Klavier op. 147, werden erklingen, eine absolut schlüssige Verbindung.

Der Sonntag startet mit einer Matinee, die das Dresdner Streichquartett mit Kammermusik von Beethoven, Eisler und Schostakowitsch umrahmt, um die Biografie „Dirigent und Kosmopolit“ von Michail Jurowski zu präsentieren. Der 1945 geborene Künstler gilt in Gohrisch als Mann der ersten Stunde, wofür er bereits 2012 mit dem Internationalen Schostakowitsch-Preis geehrt worden ist. Den erhielt dieses Jahr sein einstiger Lehrer, der Dirigent Gennadi Roschdestwenski (DNN berichteten). Mit dem wiederum, dies schon als Ausblick auf 2017, wird im Sommer kommenden Jahres der Auftakt zu von da an regelmäßig stattfindenden Sonderkonzerten gegeben, die jeweils am Vorabend der Schostakowitsch-Tage in der Semperoper stattfinden werden.

Bevor es allerdings dazu kommen wird, sollen die 7. Schostakowitsch-Tage mit dem Abschlusskonzert ausklingen, das von Musikerinnen und Musikern der Staatskapelle gestaltet wird und in dem zusätzlich zu Beethoven und Schostakowitsch neben Hanns Eislers berühmtem Divertimento „Vierzehn Arten, den Regen zu beschreiben“, das passenderweise zum gleichnamigen Stummfilm von Joris Ivens erklingt, auch Paul Dessaus Quintett für Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier zu hören sein wird.

Das Spektrum des Festivals ist in diesem Jahr so konzentriert, wie es weit gefasst ist. Zu allen Konzerten bieten Studenten des TU-Instituts für Musikwissenschaft Einführungsvorträge an, zudem gibt es an allen Festivaltagen Rundgänge durch den Kurort mit Erläuterungen zu Schostakowitschs Aufenthalten in Gohrisch.

7. Internationale Schostakowitsch-Tage Gohrisch, 24. bis 26. Juni

www.schostakowitsch-tage.de

Von MICHAEL ERNST

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