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Das soeben eröffnete Atelier Mikky Burg ist ein rein weibliches Refugium in Dresden

Das soeben eröffnete Atelier Mikky Burg ist ein rein weibliches Refugium in Dresden

Draußen vor der Tür... Schleicht der Verkehr vorbei. Trifft ein Straßendreieck aufeinander. Kündet ein Schriftzug von Vergangenem. Ein Getränkemarkt, versichern die Buchstaben, versorgte hier die Nachbarschaft mit Grundnahrungsmitteln.

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Doch der Erfolg des Ladens blieb offenbar begrenzt. Eine Weile stand er jedenfalls leer. Bis eine Mitarbeiterin der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft auf die Idee kam, an diesem Ort nicht länger am Einzelhandel festhalten zu wollen - und die Liegenschaft als Atelierfläche vergab. Annett Vetters, so der Name der Mitarbeiterin, nahm Kontakt mit der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) auf. Dann ging alles recht schnell, eine Gruppe von Interessenten fand sich rasch, ein erster Besichtigungstermin stand an - und schon hatte Dresden, in dem bezahlbare Atelierflächen äußerst dünn gesät sind, einen Platz mehr, an dem Künstler arbeiten und auch ausstellen können.

Doch damit nicht genug. Noch ein anderes Novum steht hinter der Ateliergemeinschaft mit dem etwas rätselhaften Namen Mikky Burg (dessen Geheimnis hier bewusst nicht gelüftet wird): Es sind ausschließlich Frauen, sieben davon noch im Meisterschülerstudium an der HfBK, die achte hat es schon erfolgreich hinter sich gebracht. Der Frauen-Achter hat seit Oktober also sein Domizil am Ort des Zusammentreffens von Hechtstraße und Bärwalder Straße, mit Blick auf den zur Stauffenbergallee hin ansteigenden Hechtpark. Ein erster Besuch bestätigt: Die Künstlerinnen - Kristina Berndt, Olga Grigorjewa, Caroline Guenther, Charlotte Perrin, Henrike Pilz, Suntje Sagerer, Juliane Schmidt, Katarina Schrul - sind mehr als zufrieden mit der Örtlichkeit. Das erzählen zumindest Pilz, Sagerer und Schmidt, sozusagen stellvertretend.

Dazu gibt's Tee, am kleinen Tisch auf dem gemusterten Teppich, der irgendwie an Kindertage erinnert. Mich zumindest. Die große Fensterfront lässt viel Licht herein. Dass auch dieser Aspekt ein entscheidendes Plus dafür war, das Ateliersangebot anzunehmen, liegt auf der Hand. Dass das Finanzielle auch eine Rolle spielte, ebenfalls. "Wir warten noch auf die Betriebskostenabrechnung", sagt Juliane Schmidt verschmitzt und hat dennoch gut Lachen. Sie weiß, dass der Mietpreis für die knappen 200 Quadratmeter ein recht guter ist. Vetters macht daraus auch kein Hehl. "Es gab ein Entgegenkommen unsererseits. Wir sehen das als Unterstützung junger Kunst." Eine wirklich genossenschaftliche Herangehensweise. Als generelle Lösung für die Ateliermisere in Dresden will sie das aber nicht sehen. "Das funktioniert eher punktuell. Wir sind ja auch erst auf Umwegen auf diesen Gedanken gekommen", räumt Vetters ein. Den Künstlerinnen jedenfalls dürfte es recht sein, dass andere Pläne wie die Ansiedlung einer Physiotherapie in diesen Räumlichkeiten ohne Erfolg blieben.

Die Nachbarn zeigten sich auch schon vor der Eröffnungsausstellung vor einer Woche neugierig. Eine Frau bleibt am Fenster stehen, liest den an die Scheibe gepinnten Flyer, lugt herein. "Das passiert immer wieder", kommentiert Suntje Sagerer das Ganze. In einem benachbarten Laden sei sie schon mal gefragt worden: "Sind Sie von drüben?", erzählt Juliane Schmidt. Und freut sich sichtlich daran, dass die Leute aus der Nachbarschaft Interesse am Atelier haben - und an denen, die drin arbeiten.

Eigentlich wollen die drei nicht weiter darüber reden, dass es ausschließlich Frauen sind, die sich hier zusammengefunden haben. Wir machen es dann doch, natürlich, ausführlich sogar. "Männer sind meist gut vernetzt, haben ihren Platz - oder nehmen ihn sich." Sagt Juliane Schmidt. Und ich frage mich, ob wir gerade wirklich nur über die Welt der Künstler sprechen. "Ich sehe das alles aber vor allem als Atelier - die Frauensache gehört dazu", schiebt sie wie zur Klärung nach. Henrike Pilz widerspricht, zumindest ein wenig. "Ich hatte im Studium nicht das Gefühl, als Frau ein Problem zu haben." Sie freut sich erklärtermaßen vor allem auf das gemeinschaftliche Arbeiten. Das erinnere sie an gute Zeiten auf der Burg Giebichenstein in Halle. In Dresden habe sie zuletzt im Wächterhaus gearbeitet, "Allein, in einem kleinen Atelier", wie sie fast bedauernd anfügt.

Nun also zu acht. Viel Austausch, aber auch Nähe. Ein Problem sei das nicht, sagt Henrike Pilz. "Ich mache bei der Arbeit die Schotten dicht." - "Neid!" ruft es halblaut herüber, Absender Juliane Schmidt. "Ich hab' nämlich auch meine Ängste, weil ich bisher immer allein gearbeitet habe." Und für Suntje Sagerer stellt sich noch ein anderes Problem: Reizüberflutung. Sie teilt sich den größten Raum im Atelier mit drei Kolleginnen, und besonders die Blicke von draußen stören sie manchmal in der Konzentration.

Probleme, die einem Anfang eben auch innewohnen. Doch unterm Strich bleibt, das betonen alle, eine große Vorfreude. Und Pläne gibt es genug. Der ersten kurzen Ausstellung soll in nicht allzu weiter Ferne die nächste folgen, auch der Keller harrt noch seiner künstlerischen Nutzung. Vor allem aber warten die jungen Frauen darauf, wie die Dresdner Kunstszene auf die Mikky Burg reagiert. Ein Name, das sei zumindest verraten, der zufällig entstand, ohne intellektuelle Überhöhung oder Symbolik.

@https://www.facebook.com/atelier.mikky.burg

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.01.2014

Torsten Klaus

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