Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Google+
Das schöne Leben - Liz Green war in Dresden, Matt Elliott kommt

Das schöne Leben - Liz Green war in Dresden, Matt Elliott kommt

Nun, das mit dem von uns angekündigten Morbiden muss allein auf ihre Platte(n) beschränkt bleiben. Im Konzert ist dieser Eindruck keinesfalls zu halten. Nicht nur, dass Liz Green aus Manchester selbst von sich sagt, dass Lieder über den Tod bei ihr eher aufs schöne Leben verweisen, regelrecht Spaß machen beim Schreiben und Singen.

Auch die Präsentation des Abends hatte die gesamte Palette von Kindergarten, Große Gruppe, bis Theater, Große Bühne zu bieten. Dass Green, die Band und der Zuhörer mit einigen dunklen Stücken ernsthaft in Gefahr geraten könnten, war in keiner Phase zu befürchten.

Es begann schon mit Alabaster Deplume, um dessen Namen man ihn beneiden müsste, wäre es sein richtiger. Gus Fairbairn klingt so unedel auch nicht, doch für den Poeten, Gitarristen und Saxophonisten ist Deplume eine Kunstfigur, in die er vollständig hineinschlüpft. Im Stile eines Ur-Urenkels von Shakespeare rezitiert er gestenreich lakonische Texte, begleitet sich selbst skizzenhaft auf der Akustischen oder lässt sich von Sam Buckley am Kontrabass assistieren. Skurrile Texte über den Fluss Irwell, der durch Manchester fließt, oder über die Repräsentanz der Queen, hätten in jedem Club-Saal der Stadt wohl überrascht, hier aber war es eine waschechte Vorstellung. Auffällig: Fairbairns göttliches Gekicher.

Liz Green meldete sich schon aus dem Zuschauerraum: mit eigenem Gekicher. Was sich nur unwesentlich ändern sollte, als sie sich, nach solistischem Einstieg, mit Buckley und Fairbairn verbündete. Immer wieder kleine aufgeregte Anekdötchen, kleine fahrige Geschichten, ein herzhaftes Gegluckse zwischendurch. Morbides entfaltet da einfach keine Wirkung. Aber eben jener Spaß, jene Freude, die sich fast eins zu eins aufs Publikum überträgt. Wenn man mit Greens Stimme etwas anfangen kann, jenem belegt-jubilierenden Organ, das von weiter "hinten" zu kommen scheint als üblich und auf diese aus der Ist-Zeit gestürzte, Exzentrik schrammende Mischung aus Blues, Folk, Jazz, Chanson passt. Ungestüm ist das nie, stets aber vom Innern heraus tänzelnd. Und sehr eigen.

Mit einem Blues von Son House hätte alles bei ihr begonnen, sagt Liz Green, die älter, reifer scheint als sie mit 28 tatsächlich ist, nicht nur, weil sie sich konsequent "alter" Liedkunst bedient. Mit einem Blues von Blind Willie McTell beginnt sie diesen Abend, mit "Bei mir bist du scheen" macht sie am Ende die swingin' Andrew Sister. Dazwischen fast komplett die Debüt-CD "O, Devotion!" mit all ihren tragikomischen Versatzstücken. Sam Buckley und Gus Fairbairn hören zu, bevor sie sich einmischen: Von Fairbairn kommen einige besonders lässige Schleifen am Tenorsax, Buckleys Bass singt mit. Den Trompetenpart in "Bad Medicine" übernimmt Green selbst - ohne Trompete. Am Klavier klingt sie schwer nach Vaudeville-Tradition. Das verwundert längst nicht mehr, und auch nicht, als sie sich eine Vogelkappe über den Kopf zieht.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, wer nach etwas abenteuerlichen Konstellationen und Stil-Mixen lechzt, der hat heute gleich Gelegenheit zum Nachschlag. "The Broken Man", die neue CD des in Frankreich lebenden Briten Matt Elliott (Third Eye Foundation), vereint diesmal spanische Gitarren, wuchtiges Piano, flirrende Flöten, sonore Männerstimmen zwischen Begräbnis und Fischkutter. Eigentlich müsste man schon wieder vom Morbiden munkeln, doch diesmal warten wir ab... Andreas Körner

Matt Elliott, heute, 20.30 Uhr, Thalia

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.03.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr