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Das projekttheater feiert den 25. Jahrestag der Erstvorstellung mit einem Überraschungsabend

Das projekttheater feiert den 25. Jahrestag der Erstvorstellung mit einem Überraschungsabend

Die wilden Jahre sind zweifelsohne vorbei: Julius Skowronek wirkt tiefenentspannt, seit 17 Jahren ist er in Phase sechs der Entwicklung seines Neustädter Eigengewächses.

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Theaterpower im Kulturschutzgebiet: Karoline Bischoff-Leesch, Anke Siefke, Daniela Oswald (sitzend v.l.) und Dirk Wirzbicki, Julius Skowronek, Radhoin Khalfi (stehend v.r.).

Quelle: Dietrich Flechtner

Er schmaucht in seinem Büro über der Louisenstraße genüsslich eine Zigarette. Wenn er Lust und Zeit hätte, könnte er aus seinem Fenster gut das allabendliche Treiben auf der nahegelegenen Kreuzung, wo die Rothenburger sich zur Görlitzer verengt - von Polizeireportern auch Bermuda-Viereck genannt, weil sich viele kurzfristig Verschwundene hier wiederfinden - beobachten.

Hat er aber nicht, sondern er bereitet sich auf ein Jubiläum der besonderen Art vor: Sein "projekttheater", von Anfang an kleingeschrieben, feiert am Sonnabend den 25. Geburtstag per Überraschungsparty. "Was genau passiert, weiß ich nicht, meine Brigade will auch mich überraschen." Nur so viel ist bekannt: Die einhundert Gäste werden in fünf Gruppen einen Parcours durchs gesamte Haus absolvieren, in Nischen und Nestern warten "heitere-kuriose Szenen aus dem Biotop".

Doch der Jahrestag der ersten Vorstellung ist - eine Woche nach der legendären Erklärung der Projektgruppe "projekttheater dresden" und zwei Tage nach der darin angekündigten Besetzung - der heutige Mittwoch. Die Chronik verweist auf Gastspiele von "Der Kandidat" der Gruppe Zinnober Berlin und "Schach" von "wm88" mit Peter Meining und Steffen Woelk. Seither bilden Kiez und Kulturschutzgebiet, so der Untertitel seit fast 18 Jahren, eine nahezu eheliche Symbiose.

Diese ungewöhnliche Konstanz ist gleichzeitig auch Skowroneks Nachwendegeschichte, denn der markante Dresdner, vor dessen scharfer Zunge einige zurückweichen und der konventionelle Theaterformen scheut wie Gott das Hinken, setzte die Meilensteine: Anfangs als erster Geschäftsführer, der den regelmäßigen Spielbetrieb in den kleinen, maroden, verlassenen Hallen des VEB Metallwaren ins Laufen brachte, und später - nicht einmal zwei Jahre nach dem Start - als sein Verein mit einem außergewöhnlichen Deal das Grundstück kaufte.

Heute schmunzelt er darüber, mag aber nichts Genaueres mehr sagen, weil alles schon erzählt und gut so sei, wie es ist. 400 000 Westmark, darunter ein Viertel per Darlehen eines Mäzens, war für solch Ambitionen kein Pappenstiel. Aber es macht heute den Verein durchaus resistenter gegen Unbill im Förderklima.

Ein Jahr gehaltsfreie Probezeit verordnete er sich anfangs selbst, danach sollte der Verein ihn als Geschäftsführer bezahlen können - das tut er bis heute, wo er die jährlichen Fördermittel mit 120 000 bis 130 000 Euro, neuerdings nur noch vom Land, angibt. Auch 250 Vorstellungen mit 30 Prozent Kostendeckung können sich im Vergleich sehen lassen. Fünf Wohnungen sind vermietet, im Hinterhaus sind Lager- und Probenräume. Doch eigentlich hat Skowronek seit 12. Januar 1994 Hausverbot, das ihm der Vorstand erteilte und das eine knapp zweijährige Denkpause außer Haus brachte. "Das Verbot wurde zwar nie aufgehoben, war aber sowieso nicht rechtskräftig", grinst er. Und als die Fördermittelgeber das wirtschaftliche Chaos ohne ihn einsahen, holten sie ihn zurück - um den Preis des Abschieds der Anderen.

Schnell wird klar, dass Skowronek, Cottaer des Jahrganges 1959, den alle außer seiner Mutter Julius nennen, so dass er sich diesen Namen auch offiziell eintragen ließ, mit fünf Phasen nicht hinkommt - gleich gar nicht im netten wie bewährten Schema von Fünfjahresplänen. Denn schon 1998 beginnt die sechste und jüngste Phase, bis dahin ist das Haus instandbesetzt, etabliert, saniert und künstlerisch wie wirtschaftlich konsolidiert. Weitere Meilensteine fürs Haus (und Dresden): die Ansiedlung von Derevo als "Artists in Residence" von 1996 bis 1998, die regelmäßige Bespielung seitens Utz Pannickes Panischem NotTheater und die jüngsten Kooperationen mit der TU-Bühne und den Landesbühnen.

Das zweite bekannte Gesicht des Hauses gehört Anke Siefke - sie betreibt seit 2001 das Tagesgeschäft des Gastspielhauses mit dem arteigenem Ambiente, das heute niemand mehr zum edlen Behufe der bühnenhaften Selbstverwirklichung besetzen würde. So sind Spielplan, Öffentlichkeitsarbeit, also auch die Frühschichten, ihr Metier. Und ihr gebührt die Organisation der samstäglichen Party, bei der ihr auch andere Stammgäste wie das Ensemble La Vie, Die silbernen Reiter oder die JuWie Dance Company das Überraschen erleichtern wollen. Dafür soll es statt Eintritt innovative Geschenke hageln.

www.projekttheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.02.2015

Andreas Herrmann

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