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Das mulmige Gefühl - Ausstellung zu World Press Photo 2014 im Hauptbahnhof Dresden

Das mulmige Gefühl - Ausstellung zu World Press Photo 2014 im Hauptbahnhof Dresden

Die Ambivalenz kehrt jedes Jahr zurück. Immer dann, wenn die weltweit besten Pressefotos als Wanderausstellung durch die Lande reisen, stellt sie sich erneut ein.

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1. Preis Sport Feature Fotoserien: Die Siebenkämpferin Nadja Casadei nahm an Welt- und Europameisterschaften der Leichtathletik teil, bevor bei ihr im Sommer 2013 Lymphkrebs festgestellt worden ist.

Quelle: Peter Holgersson

So auch dieses Mal. Es ist zum Teil eine Reise zurück in die Nachrichtenwelt des vergangenen Jahres, extrem beschleunigt, ein Zeitraffer auf Speed. Es ist andererseits die Konfrontation mit der ebenfalls ständig wiederkehrenden Frage, was dieses Abbild des Weltgeschehens über uns als Wesen aussagt, besser formuliert, über unsere offenbare Unfähigkeit, den Dingen eine entscheidende Wende zum Guten zu geben.

So stehe ich auch dieses Mal den Fotos mit einer Mischung aus Faszination und Hilflosigkeit gegenüber: rund 150 Bilder als sozusagen geronnene Essenz. Bis zum 27. September sind sie im Foyer des Dresdner Hauptbahnhofs zu sehen, dann tourt die Schau weiter nach Berlin und München.

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2. Preis Harte Fakten Fotoserien: Am 21. September eröffneten maskierte Männer in Nairobi, Kenia, das Feuer auf das Westgate-Einkaufszentrum. Eine Frau versteckt sich mit zwei Kindern. Sie konnten schließlich unverletzt entkommen.

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Dabei hat sich eins, zumindest größtenteils, nicht geändert: die Qualität der Fotos. Was bei der Auswahl einer 19-köpfigen Expertenjury, die fast

100.000 Bilder von 5754 Fotografen aus 132 Ländern sichtete, natürlich naheliegend ist. Auch die Diskussion, die beim Siegerfoto Paul Hansens beim Jahrgang 2013 noch geführt werden musste – wie viel Nachbearbeitung darf’s denn sein? –, scheint dieses Mal nicht anzustehen. Zumindest existieren bislang keine Hinweise auf ähnliches Eingreifen via Photoshop oder andere entsprechende Bearbeitungsprogramme.

Bleibt also der Blick aufs Eigentliche: die Bilder. Dort setzen sich vor allem Fotoserien im Hinterkopf des Betrachters fest. Goran Tomasevic, eigenen Angaben zufolge seit mehr als 20 Jahren als Kriegsfotograf unterwegs, gelang mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Kämpfe in Syrien zweifellos ein Höhepunkt. Ein Foto steht dabei noch über den anderen. Es zeigt die unmittelbare Wucht eines Granateneinschlags, einen dichten Splitterregen. Links greift eine Hand nach einem Mauervorsprung, in der Bildmitte beugt sich ein Kämpfer zur Deckung. Diese Aufnahme wegen ihres Moments fast unglaublich zu nennen, ist keine Übertreibung.

Syrien bleibt direkt oder indirekt einige Male Thema der prämierten Fotos. So auch der Bombenbauer der syrischen Rebellen. Er hockt irgendwo in einem Gebäude in Aleppo und zieht eine offenbar explosive Flüssigkeit auf Flaschen. Festgehalten wurde dieser Augenblick von Moises Saman. Alessandro Penso beschäftigt sich dagegen mit den Auswirkungen der Flüchtlingsströme aus dem umkämpften Land. In einer Sporthalle in Sofia hat er die notdürftig mit Stoffbahnen abgegrenzten Verschläge derer fotografiert, die den Weg in die Sicherheit geschafft haben. In diesem Kontext helfen Zahlen: Rund 2,9 Millionen Menschen waren und sind in Syrien auf der Flucht, in Europa wurden rund 31 000 von ihnen aufgenommen. Ein kleines Hilfsargument, wenn mal wieder über Flüchtlinge diskutiert wird.

Doch zurück zu den besagten Fotoserien. Sara Lewkowicz’ Reihe über häusliche Gewalt ist ein Szenario, das allein schon durch die atemberaubende Nähe der Fotografin zu den Protagonisten besticht. Aufgenommen irgendwo in Ohio, dokumentiert Lewkowicz, wie der 31-jährige Shane seine zwölf Jahre jüngere Partnerin Maggie drangsaliert. Marcus Bleasdale hat sich seinerseits in den hohen Norden begeben, auf die Lofoten. Dort porträtiert er die letzten Walfischer der norwegischen Inselgruppe. Und zeigt mit einem Foto, auf dem ein ägyptischer Mann Kabeljau als Trockenfisch bearbeitet (es gibt nicht genügend Einheimische für diesen Job), auch einen Aspekt moderner Wirtschaftsmigration – an einem Ort, an dem man es sicher kaum vermutet hätte. Fred Ramos aus El Salvador liefert wiederum das Schreckliche im Einfachen. Seine Fotos zeigen ordentlich ausgelegte Kleidung von Mordopfern. Oft sind die textilen Überbleibsel das Einzige, was der Polizei und den Hinterbliebenen bei der Identifizierung der Leichen noch nützlich ist.

Als Einzelbild bleibt vor allem die Aufnahme von Amir Pourmand im Gedächtnis. Der Iraner zeigt zwei junge Landsleute, kurz vor ihrer Hinrichtung. Einer legt verzweifelt den Kopf an die Schulter des schwarz maskierten Henkers, dem anderen Delinquent sind die Schrecken des unmittelbar bevorstehenden Todes ins Gesicht geschrieben.

Was 2014 etwas abfällt, sind die Sportfotos. Ein vom Pferd stürzender Polospieler oder auch die Bilder der Segelregatta America’s Cup sind gegen die Dichte der nachrichtlichen Bilder nur ein Abguss fast lächerlich anmutender Dekadenz.

bis 27. September, Einritt frei

Torsten Klaus

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