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Das große Raunen: DNN präsentiert die englischen Tindersticks in der Reithalle Dresden

Das große Raunen: DNN präsentiert die englischen Tindersticks in der Reithalle Dresden

Staples ist seit 1991, also von Anfang an, Frontmann und Sänger der Tindersticks. Er ist auch Magier, denn er besitzt eine Stimme, die es vermag, Untertrikotagen der Frauen zu verschieben.

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Die Tindersticks spielen am Dienstag in der Reithalle an der Straße E.

Quelle: PR

Stuart A. Wenn er zu raunen beginnt, zu murmeln, im Nuscheln zu tuscheln, tief im Bariton zu kreisen, lösen sich enge Passformen wie von selbst. Manch einer will in Konzerten schon klickende und reißende Verschlüsse gehört haben. Und daheim passen Tindersticks-Songs sowieso. Schwere innerbetriebliche Zerwürfnisse können mit einer Handvoll Lieder der Briten gelöst werden.

"Es geht doch um Momente", sagt Staples. Das betrifft Komposition wie Rezeption, alle Tindersticks-Platten und auch jene, die Staples als Solist mit Gästen eingespielt hat. "Die besten Konzerte für mich sind die, bei denen die Leute zuerst ziemlich laut sind und uns völlig ignorieren. Schließlich bringt sie die Magie unserer Songs dann doch zum Schweigen." Beim ersten Auftritt der Engländer in Dresden, 2003 war das, herrschte von Anbeginn eine Grundtonart in Moll - selbstverständlich. Die Tindersticks selbst waren kurz danach an einem vorläufigen Endpunkt angelangt. Auch von Auflösung sprach das Umfeld etwas lauter. Doch sie sind lieber eine "Phasen-Band". Nach Gründung in Nottingham und Umzug nach London hielt man zu sechst zunächst zwölf gemeinsame Jahre und sechs Platten durch. Nach der großen Umbesetzung blieben die Urkräfte David Boulter und Neil Fraser neben Staples übrig. Heute sind sie ein Quintett.

2008 kamen die Tindersticks eindrucksvoll wieder und spielten drei weitere CDs ein (exklusive Live-Editionen und Kompilationen), die jüngste davon erschien im Februar 2012.

"The Something Rain" (City Slang) ist eine Marke, die ins Morgen weist. Die Band sagt, sie hätte sich in den letzten Jahren rekonstruiert. Mit befriedigendem Ergebnis. Viele Fans und Kritiker sind sich einig, gerade die bislang schönste Liedersammlung von ihnen zu hören. Auch das seltene Wort der "Makellosigkeit" macht die Runde. Keine opulenten Geigen mehr, nur eine Violine. Keine Hörner, dafür ein schwarzes Saxofon, Drums und Percussions sind viel weiter vorn als früher. Kurzum: effiziente, frische Arrangements für Tindersticks'sche Verhältnisse.

Es war nie reinster Soul, nie Jazz, die Strenge der Kammerklassik schlug stets durch, dominierte aber nie über die Emotion, die ihrerseits von literarisch wertvollen Texten profitiert. Die Tindersticks zelebrieren eine majestätische Melange, viele Elemente finden sich in den balladenlastigen, nachtschimmernden, höchstens in mittleres Tempo oder in experimentelle Schatten gleitenden Liedern. Streichorchester wurden mühelos integriert, Bläser, Vibraphon, Harmonium und Glockenspiel. Doch Pathos war der Band stets ein Gräuel.

Stuart A. Staples lebt mit der Familie längst in Südfrankreich. Dort hat die Gruppe auch das eigene Studio. Es gab Gemeinsames mit Isabella Rossellini, Maria McKee, Carla Torgerson von den Walkabouts, Kurt Wagner von Lambchop, Yann Tiersen. Die Tindersticks sind Lieblingsmusiker der französischen Regisseurin Claire Denis ("Nénette et Bonie"). David Boulter über die vier gemeinsamen Filme: "Eine echte Beziehung. Wir sind auf immer ineinander verliebt, Claire und ihre Werke sind Teil unseres Lebens." Eine CD-Box zeugt davon, wobei es auch öffentliche Live-Auftritte mit Projektion gegeben hat. Boulter zeigte sich stets von Soundtracks infiziert, besonders hat ihn John Barry beeindruckt. Auf der neuen CD spricht er am Beginn in Donovans "Atlantis"-Stil ein eigenes, neunminütiges Rezitativ. Das hat auch etwas Filmisches. Noch 2012 hat er mit den Kollegen die Soundinstallation für ein belgisches Weltkriegsmuseum komponiert und aufgenommen, fast parallel zur neuen Kurz-Tour durch Deutschland mit nur drei Konzerten erscheint "San Sebastian 2012" als Live-Vinyl.

In jedem Falle ist ein Tindersticks-Konzert ein optisches und akustisches Vergnügen, allein aufgrund des durchkonzipierten Lichts und dem genauen Ohr für Feinheiten im Sound. Den Rest macht wohl dann doch Stuart A. Staples Stimme.

Tindersticks, Support: Thomas Belhom, Dienstag, 20 Uhr, Reithalle, Straße E

verlosung

Die DNN verlosen für dieses Konzert fünf mal zwei Freikarten. Wer gewinnen möchte, ruft am Dienstag zwischen 11.30 und 11.45 Uhr unter Tel. 01805/21 81 00 (0,14 Euro/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute) an. Die ersten drei Anrufer, die durchkommen, gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. DNN-Mitarbeiter und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.11.2012

Andreas Körner

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