Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Das große Jubiläum: Von der Schubertiade in Schwarzenberg gibt es auch Bezüge zu Dresden

Das große Jubiläum: Von der Schubertiade in Schwarzenberg gibt es auch Bezüge zu Dresden

Ganz im Zeichen eines großen Jubiläums stand die diesjährige Sommerschubertiade in Schwarzenberg - 1976 war es die erste, jetzt die vierzigste Schubertiade. Die singuläre Stellung des Festivals als Mekka der hochkarätigen Kammermusik und des Liedgesangs wird über zwei Jahrgänge vor allem dadurch betont, dass hier alle Schubert-Lieder aufgeführt werden sollen.

Ein sehr ambitioniertes Projekt, was es so nirgends gibt! Die Folge davon ist ebenfalls, dass fast alle Interpreten auch Lieder singen, die noch nie erklangen - manchmal zu Recht, denn auch Schubert hat ja nicht nur Knüller geschrieben.

Herrlich runder und farbenreicher Sopran in unveränderter Qualität

Erfreulich ist es in all den Jahren zu beobachten, dass hier immer wieder Künstler mit Dresdner Wurzeln ihren Auftritt haben oder solche, die mehr oder weniger häufig in der Elbestadt zu erleben sind. Allen voran Peter Schreier, der der dienstälteste Schubertiadekünstler ist und im Herbst für einen sehr begehrten Meisterkurs gewonnen werden konnte.

Gelegentlich stattete Diana Damrau der Dresdner Opernbühne ihren Besuch ab. Ihr herrlich runder und farbenreicher Sopran ist in unveränderter Qualität etwas zum Genießen. Es spricht für die vielbeschäftigte Operndiva, dass sie sich mit großer Ernsthaftigkeit Zeit für das Lied nimmt. In Schwarzenberg waren es besonders "Ellens Gesänge", die in ihrer bis aufs Äußerste getriebenen Schlichtheit berührten. Ansonsten litt der Abend darunter, dass die Sängerin regelrecht an den Noten "klebte". Ihr Partner war Helmut Deutsch. Wenn es einen Garanten für höchste Qualität am Flügel gibt, für Sensibilität und die absolute Fähigkeit, sich aber auch auf jeden Sänger, jedes Programm einzustellen und eigene Intentionen einzubringen - dann ist es seit Jahrzehnten dieser Pianist.

Gemeinsam mit dem Bariton Michael Volle nahm er sich Schuberts Zyklus "Schwanengesang" an, bei dem dieser durch unter die Haut gehende existentielle Ausbrüche ("Der Atlas") ebenso beeindruckte wie durch zarte Lyrismen ("Frühlingssehnsucht"). Die stimmlichen Reserven Michael Volles schienen unendlich. Diese, reiche Opernerfahrungen und gestalterische Intelligenz machen den Sänger zu einem idealen Balladeninterpreten - hier dem "Taucher".

Ebenfalls von der Opernbühne, aber auch aus dem Konzertbereich ist die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman bekannt. Das samtige Edeltimbre ihrer Stimme nimmt sofort gefangen, noch mehr aber das zwischen Emphase und zarter Intimität pendelnde Ausdrucksspektrum. Wundervoll die im "Wiegenlied" (D 498) geübte Zurückhaltung, die sanfte Durchleuchtung des "Nachtstücks" oder der begeisterte Jubel in "Willkommen und Abschied".

Bestandteil dieses Recitals war "Der Tod und das Mädchen", dem man anderntags bei Ian Bostridge wieder begegnete. Als besonders spannend erwies sich die Frage, wie denn die Zusammenarbeit mit dem tollen Kammermusiker Lars Vogt klappen würde, der ja eher selten als Liedpianist hervortritt. Die Antwort ist einfach: wunderbar. Höchst einfühlsam waltete er seines Amtes. Mit den Novalis-Hymnen, die die Abkehr von allem Irdischen symbolisieren, und der ekstatischen "Nachthymne" enthielt das Programm besonders dunkle Schwerpunkte. Dazu kam u.a. noch die umfangreiche Schilderung eines Männerlebens "Einsamkeit" nach Mayrhofer. Bostridge löste erneut mit seinem unvermindert schlanken Tenor, der äußerst präzisen Stimmführung und ganz besonders durch das wohl durchdachte, stimmungsdichte Ausdrucksspektrum wahre Begeisterungsstürme aus. Auf den Engländer möchte man hier einfach nicht verzichten!

In seinem Solorecital spielte Lars Vogt recht forsch und zupackend Schuberts c-Moll-Sonate (D 958). Über diese Lesart konnte man sich trefflich streiten, nicht aber über das folgende Klaviertrio Es-Dur (929), das er mit Antje Weithaas (V) und Tanja Tetzlaff (Vc) in vertrauter Gemeinsamkeit hinreißend musizierte, so plastisch und lebendig, so aufwühlend.

Nicht zu vergessen sind zwei "Einspringer"-Abende. Zum einen war da der junge Bariton Benjamin Appl, der sich mutig auch kaum bekannten Schubertvertonungen stellte, etwa "Der Kampf" oder auftrumpfend "Gebet während der Schlacht" - und er machte seine Sache ausgezeichnet, aber auch mit viel Übersicht und Zartgefühl der umfangreichen Blumenballade "Viola". Wenn Malcom Martineau ein etwas weniger ausgeprägtes pianistisches Eigenleben geführt hätte, wäre das Glück vollkommen gewesen. Der Tenor Christoph Prégardien und Schuberts "Winterreise" - da kann nichts schiefgehen. Er sang den Zyklus hochsensibel, randvoll mit Emotionen und Klangfarben - auch beim wiederholten Hören ein großes Erlebnis.

Beim Moritzburger Kammermusikfestival war der Geiger Renaud Capuçon ein gern gesehener Gast. Zusammen mit drei Schubertiade-Debütanten - Guillaume Chilemme (V), Adrien La Marca (Va) und Edgar Moreau (Vc) - überzeugte er mit einer expressiven und energischen Deutung des cis-Moll-Streichquartetts von Beethoven sowie ausgewogen und klangschön aufspielend im G-Dur-Quartett von Schubert.

Das Artemis-Quartett als absoluter Quartettgipfel

Den absoluten Quartettgipfel verkörpert nach wie vor das Artemis-Quartett, selbst nach mehrfachem Besetzungswechsel. So packend, so intensiv, auf einem so riesigen musikalischen Bogen gleitend, vermag wohl kaum jemand Dvorak (u.a. "Amerikanisches Quartett") zu spielen. Quartett-Kommunikation, wie sie schöner nicht sein kann.

Bleiben Andras Schiff, die von ihm individuell zusammengestellte Cappella Andrea Barca und des Meisters Vorliebe für Mammutprogramme. Für die Sinfonien Franz Schuberts stellte sich der ansonsten prachtvolle Saal als zu klein heraus. Das Streichquintett von Schubert erlebte eine solide, mit allerlei klanglichen Schönheitsfehlern versehene Aufführung. Glanzpunkt waren Schuberts eher private Klavierstücke D 946, die Andras Schiff lupenrein spielte, feinstens differenziert - die reine Freude.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2015

Mareile Hanns

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr