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Das erste Wochenende von "Jugend musiziert" in Dresden ist beendet, "Jugend jazzt" lief parallel dazu

Das erste Wochenende von "Jugend musiziert" in Dresden ist beendet, "Jugend jazzt" lief parallel dazu

Obwohl an diesem Tag wunderbares Wetter ist, zieht es so einige tief nach unten in den Keller. Genauer gesagt, in den Jazzclub Tonne. Gedimmtes Licht und leise Gitarren-Klänge erwarten den Besucher, dessen Augen sich erst mal an die Dunkelheit gewöhnen müssen.

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Vielseitig und äußerst talentiert: Das Dresdner Gitarrenduo, bestehend aus Friedrich Stenzel und Philipp Adam (v. l.), erspielte sich beim Wettbewerb "Jugend jazzt" einen ersten Platz und heimste dazu noch einen Sonderpreis ein.

Quelle: Martin Förster

Ein Schlagzeug ist aufgebaut, daneben ein Flügel. Eine Bühne gibt es nicht, der Zuschauer sitzt direkt vor den Musikern. Berührungsängste sind hier fehl am Platz. Was in einem Jazz-Club auch nicht zu erwarten wäre.

Der Wettbewerb "Jugend jazzt" ist im vollen Gange. Instrumente werden verrückt, Gitarren gestimmt, die ersten Akkorde gezupft, Mikrofone getestet. Stolze Eltern, erwartungsvolle Zuschauer und Lehrer haben mehr oder minder Platz genommen, während sich die Musiker auf ihren großen Auftritt einstellen. Die Jury erscheint pünktlich auf die Minute und nimmt in der hintersten Reihe Platz.

Das Jazz-Ensemble KON.trust macht den Anfang. Die Musiker Philipp Rumsch am Klavier, Carl Christian Wittig am E-Bass und der Schlagzeuger Tom Friedrich vom Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau bieten ein hochrangiges Programm von Svensson, Mulligan bis Porter. Exaktes Timing, ein wunderbares Spiel mit der Dynamik und Soli, die Zwischenapplaus erhalten, lassen bereits jetzt ahnen, dass KON.trust nicht ohne einen ersten Preis nach Hause gehen wird. Nach zwanzig Minuten ist bereits alles vorbei, eine kurze Umbauphase, dann stehen zwei Dresdner vor dem Publikum. Philipp Adam und Friedrich Stenzel, das Duo ohne Namen, wie Friedrich sich und seinen Mitspieler ankündigt, treten als Gitarren-Ensemble auf.

Die beiden sind sich vertraut und genau aufeinander abgestimmt. Sie schalten blitzschnell um zwischen Solo- und Rhythmusparts, lächeln, wenn ihnen ein Teil besonders gefallen hat - und erhalten nach ihrem Auftritt dementsprechend großen Applaus.

Philipp Adam tritt bei "Jugend jazzt" gleich drei Male auf. Der 13-jährige Schüler des Landesgymnasiums für Musik ist kaum größer als seine rote Semiakustik - aber schon fast ein alter Hase bei dem Wettbewerb. Mehrere Male war er dabei, auch einmal bei "Jugend musiziert" mit der klassischen Gitarre. Aber "Jazz liegt mir mehr", meint Philipp. Der junge Gitarrist sieht nach seinem Auftritt mit Friedrich Stenzel sichtlich entspannt und zufrieden aus. "Es hat Spaß gemacht", lächelt er. Beim abendlichen Preisträgerkonzert von "Jugend jazzt" erhalten er und sein Gitarren-Partner 23 Punkte, das heißt, einen ersten Platz. Darüber hinaus wird ihnen ein Sonderpreis verliehen: Ein Konzert bei den Jazztagen in Görlitz.

Große Kontraste im Programm

"Jugend jazzt" ist seit 1997 in den noch besser bekannten Wettbewerb "Jugend musiziert" integriert. Dieses Jahr sind rund 20 Teilnehmer aus ganz Sachsen vor Ort, aber "mit sechs haben wir begonnen", so Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrat e.V. "Sachsen ist bundesweit der Vorreiter bei diesem Wettbewerb", betont er.

Raus in die Sonne, Ortswechsel in die Hochschule für Musik. Hier - wie auch im Landesgymnasium für Musik und im Heinrich-Schütz-Konservatorium - laufen parallel dazu die Wertungsspiele von "Jugend musiziert". Nicht nur das dargebotene Programm, auch die Atmosphäre ist eine ganz andere als in der Tonne. Die bevorzugten Kleiderfarben auf der großen Bühne sind schwarz und weiß, alles läuft durchorganisierter und akkurater ab. Die Jury moderiert die Stücke der Teilnehmer an, bei "Jugend jazzt" war es umgekehrt. Ein Wettbewerb, zwei Gesichter. Dieser Kontrast ist aber das eigentlich Schöne: Der Vielseitigkeit der musizierenden Jugend kann nur damit gerecht werden, wenn beide Stile - sowohl das Klassische und als auch das Popularmusikalische - gleichwertig angeboten und behandelt werden.

Immer höheres Niveau

Im Kleinen Saal der Hochschule stehen Dorothea Pilz aus Dohma und Jan Reichelt aus Dresden auf der Bühne. Die beiden treten in der Kategorie "Duo Klavier und ein Holzblasinstrument" gegen fünf weitere Duos ihrer Altersgruppe an. Sie geben auf der Bühne ihr Bestes - scheinen aber nach dem Auftritt bereits zu ahnen, dass es für Weiterleitung zum Bundeswettbewerb nicht gereicht hat. Dennoch hat es den beiden Spaß gemacht. Bei jedem Wettbewerb lernt man etwas dazu, finden beide. Für die 14-jährige Dorothea ist es bereits die vierte Teilnahme bei "Jugend musiziert", für den 12-jährigen Jan die dritte. Die Musik ist für beide einfach "ein schönes Hobby". Abends werden die Ergebnisse verkündet. Dorothea und Jan erreichen 18 Punkte. Um für den Bundeswettbewerb zugelassen zu werden, hätten sie 23 gebraucht. Der Bundeswettbewerb, die letzte Stufe für die "Besten der Besten", wie Dorothea sagt, findet vom 17. bis 23. Mai in Erlangen, Fürth und Nürnberg statt.

Der Wettbewerb "Jugend musiziert" wurde 1964 ins Leben gerufen. Die Teilnehmerzahl steigt stetig an - allein in Sachsen beteiligten sich dieses Jahr 1164 Jugendliche an den Regionalwettbewerben. 448 von ihnen haben es in die nächste Runde, den Landeswettbewerb, geschafft, darunter 97 Dresdner. Nicht nur die Teilnehmerzahl, auch das Niveau schraubt sich jedes Jahr nach oben. "Es ist wie beim Sport, da geht die Entwicklung auch immer leicht nach oben. Wenn man Handwerk mit Fleiß verbindet, dann ist es möglich, in die Leistung eine Steigerung reinzubringen", erklärt Torsten Tannenberg. "Und am Ende kommt noch das Talent dazu."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.03.2013

Annette Thoma

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