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Das brillante isländische Quartett AdHd kommt wieder in die Tonne

Das brillante isländische Quartett AdHd kommt wieder in die Tonne

Wer glaubt, die isländische Populärmusik zu kennen, nur weil er in Konzerten von Sigur Rós, Múm, Arstidir oder Ólafur Arnalds war, ein paar CDs von - jetzt wird es schon speziell - Mugison, Pétur Ben und Benni Hemm Hemm besitzt oder jüngst "Von Menschen und Pferden" im Kino gesehen hat, der sollte sich nicht zu sehr freuen.

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Nicht viel Volk, diese Isländer. Dafür viele begnadete Künstler - wie AdHd.

Quelle: Spessi Hallbjörnsson

Der sollte nach Reykjavik fliegen, dort in den Platten- laden 12 Tónar gehen und auf der Couch links oben in der Ecke um Asyl bitten. Geschätzte vier Wochen. Es wird nicht ausreichen, um alles zu hören, was das kleine 325 000-Bürger-Eiland an Pop, Rock, Jazz, Avantgarde, Electronics, Crossover, Reggae und Hip Hop zu bieten hat. Eines aber wird man sehr schnell bemerken: All die -sons und -dottirs besetzen sich kreuz und sehr gern auch quer, begleiten still und bescheiden heute eine Liedartistin, um morgen den Freejazz zu performen und übermorgen bei Stockfisch, Wodka und Opa in der Dorfkapelle zu blasen. Stets ein neuer Blick auf www.icelandmusic.is, von der sich der Islandfreund schon lange optisch ernährt, sei ange-raten.

2008 kam der Film "Screaming Masterpiece" heraus, der einen 90-Minuten-Einblick in die Szene gibt. In sieben Jahren kann viel passieren. AdHd beispielsweise, die Band der Brüder Óskar und Ómar Gudjonsson (Saxofon/Gitarre) sowie Davíð Þór Jónsson (Hammond, Synthesizer, Piano) und Magnús Trygvason Eliassen (Schlagzeug). Ein Quartett, das seit 2008 in den Jazzclubs weltweit zu Hause ist, dorthin eingeladen wird, weil die Betreiber darauf hoffen, dass ihr Publikum sich gegen jede Puristerei stellt. AdHd sind Helfershelfer beim Brechen von Vorurteilen und Klischees, die Jazz als Kunstform auch anno 2015 noch ertragen muss. AdHd schreiten liebend gern in Grenzbereiche, und seien sie noch so unterminiert. Sie haben ihren Coltrane studiert, ihren Monk dabei, Scofield verehrt, aber sie wissen auch, wie das Visier am progressiven Rock'n'Roll zu verstellen ist. Live sowieso, da können Dämme brechen. Aber auch auf ihren bislang fünf, sehr gern preisgekrönten CDs, die einfach Nummerierung tragen und auf hochtrabende Titel verzichten, wachsen sie.

Óskar Gudjonsson suchte, nach eigenem Bekunden, zunächst nur ein paar Mitspieler für ein Festival. Der Auftritt mit Bruder Ómar sowie Eliassen und Jónsson sei aber von so kerniger Intensität gewesen, dass man sich das Gemeinsame "ein Leben lang vorstellen konnte". Eine Heimatband, ein Herd guten Geschmacks und der Energietransformation. Sie zahlen im Kerngeschäft mit Valuta aus Vertrauen und Zuhören. Alle vier komponieren, die Platten bringen sie in Eigenregie heraus, kollaborieren höchstens.

Vor Auftritten durchmessen sie den jeweiligen Raum und fächern, unter besonderer Beachtung von Tagesform und Laune, Material auf, das in ihn passen würde. Die Stücke können dann spektakulär kippen, man sollte sich auf den ersten Eindrücken von fünf CDs nicht betten. Vor allem nicht aufs weite lyrische Ausholen, die Ruhe, das Ge- setzte.

Nach 2012 kommen AdHd zum zweiten Mal in die Tonne. Freitag ist Freutag.

AdHd, heute 21 Uhr, Tonne

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2015

Andreas Körner

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