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"Das beste Pferd im Stall" - Sonja Beißwenger spielt die Polly in Brechts "Dreigroschenoper"

"Das beste Pferd im Stall" - Sonja Beißwenger spielt die Polly in Brechts "Dreigroschenoper"

Sie ist jung, sie ist schön und sie ist reif für die ganz große Show. Die Schauspielerin Sonja Beißwenger wird am Freitag Abend auf der Bühne stehen, wenn das Staatsschauspiel Dresden in seine 100. Spielzeit startet.

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Christian Friedel (Macheath, Mackie Messer) und Sonja Beißwenger (Polly, Peachums Tochter).

Quelle: David Baltzer

Aber die von dieser jungen, schönen Frau darzustellende Figur stammt aus schmuddeligen Verhältnissen, gerät auf Abwege und verfällt einem schmierigen Gauner. Muss das ein Widerspruch sein? Im DNN-Gespräch mit Michael Ernst verrät die in Heilbronn geborene Aktrice ihr Herangehen an Bertolt Brecht und seine "Dreigroschenoper".

Frage: Auftakt mit Brecht - wie nah, wie fern ist Ihnen Bertolt Brecht?

Sonja Beißwenger: Der war mir relativ fern, bis ich ihm auf der Bühne begegnet bin. Während meiner Schulzeit hat er leider kaum eine Rolle gespielt. Aber im Hannoveraner Engagement bei Wilfried Schulz, mit dem ich zusammen nach Dresden gekommen bin, gab es die "Heilige Johanna der Schlachthöfe" sowie "Herr Puntila und sein Knecht Matti". Da haben wir uns im Ensemble sehr an ihm abgearbeitet, und das hat mir die Augen geöffnet für Brechts Gesellschaftskritik, die ja heute noch gültig ist.

Auch die "Dreigroschenoper" ist sozialer Zündstoff. Wie entlarvend ist denn dieses Zeitstück?

Die Gesellschaftskritik wird einfach mitgeliefert, ist in den Songs und sogar schon in der ursprünglichen Vorlage enthalten, der "Beggar's Opera" von John Gay. Durch unsere spezielle Setzung konzentrieren wir uns sehr auf die Musik - inspiriert durch die Uraufführung 1928 in Berlin, die in den Endproben von heftigem Streit und der plötzlichen Idee zum heute so berühmten Mackie-Messer-Song begleitet war. Konsequenterweise ist unsere Sicht also gleich in der Show-Welt zu Hause. Das ist schon ein sehr erfrischender Kontakt mit Brecht.

Es geht ganz deutlich darum, wie man nach außen wirkt, wie man sich darstellt. Ich denke, das hat viel mit unserer Gesellschaft zu tun. Wie armselig ist das. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich schnell bei den Bettlern. Peachums Bettler sind ja nur dazu da, sogar aus allem Erbärmlichen noch irgendwas rauszuschlagen.

So in etwa wollen wir die beteilig- ten Charaktere auch zeigen. Der Existenzkampf findet auf der Bühne statt und hinter den Kulissen, in den Garderoben. Das ist für mich sehr spannend, wie die reine Stückhandlung und diese Show-Welt als Spiegel der sogenann- ten normalen Welt quasi deckungs-gleich sind. Man kann sagen, wir ha- ben das Stück in die Theaterwelt übersetzt.

Die Verkleidung der Bettler, Stichwort Verfremdungseffekt, findet ja schon bei Brecht statt. Sie sollen Eindruck schinden, um Kasse zu machen.

Mitleid erregen, um Geld zu verdienen, ja. Da geht es nur um den Effekt. Wenn wir das jetzt noch zuspitzen und manche Darsteller für alles herhalten lassen, also einen sichtbaren Unterschied zwischen den Stars in der Manege und dem Unterbau zeigen, entsteht viel Reibung und Eifersucht. Da sollte sich das Mitleid auch aufs Publikum übertragen.

Sie stehen als Polly - Tochter von Peachum und Braut von Mackie Messer - ja zwischen zwei Welten. Wie gehen Sie damit um?

Das Vater-Tochter-Verhältnis im Stück beschränkt sich ja darauf, dass Polly sozusagen das beste Pferd im Stall ist, also das Kapital von Mr. Peachum, der bei uns der Theaterdirektor ist. Mackie ist ein anderer unglaublich talentierter Schauspieler, der neu hinzukommt. Polly mit ihrer Sehnsucht, aus diesem Bettler-Theater rauszukommen, findet es toll, neben so einem Star zu spielen. Vielleicht nimmt der sie ja mit? Andererseits ist sie ihrem Vater verpflichtet und entdeckt die eigenen Qualitäten als Geschäftsfrau. Sie weiß sehr wohl, dass sie ein Star ist und diese Rolle dringend erfüllen muss. Denn Polly ist kein unschuldiges Mädchen, sondern benutzt Mackie für ihre Zwecke genauso wie er sie.

Diese Sehnsucht nach einem besseren Leben und das echte Verliebtsein vermischen sich oft, das ist im richtigen Leben ja oft auch nicht anders.

Ist Polly eine Traumrolle für Sie gewesen?

Die Polly im Stück eher weniger. Da hat mich vor allem die Musik gereizt. Aber wie sie im Roman beschrieben ist, wo ja viele Charaktere viel stärker gezeichnet sind, das hat mich sehr interessiert. Und dass ich durch sie nun die Gelegenheit bekomme, mich als menschlicher Stargast inmitten der Muppetshow wiederzufinden, das ist schon lustig.

Premiere am 14.9., weitere Termine: 20., 28.9., 5., 15., 28.10., 7.11. im Schauspielhaus

www.staatsschauspiel-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2012

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