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Das ZDF-Adventskonzert mit Christian Thielemann am Pult der Staatskapelle in der Frauenkirche

Das ZDF-Adventskonzert mit Christian Thielemann am Pult der Staatskapelle in der Frauenkirche

Ohne Frage gehorcht Fernsehen anderen Gesetzen als das ganz normale Leben, das ganz normale Konzertleben eingeschlossen. Einen Eindruck von den Mühen einer Fernsehproduktion mit ihren (kleiner Pannen und unerwarteter Geräusche wegen) notwendigen Nachschnitten hatte das Publikum des ZDF-Adventskonzertes in der Frauenkirche am Sonnabend mit nach Hause nehmen können, bevor alles am folgenden Tag makellos über den Sender gegangen sein würde.

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Die Frauenkirche als fernsehgerechte Kulisse für das ZDF-Adventskonzert.

Solche "Produktionsgeheimnisse" wären Nebensache, wenn der Inhalt stimmte.

Einer tragfähigen Idee allerdings schien es der "Adventlichen Festmusik" der Sächsischen Staatskapelle unter ihrem designierten Chefdirigenten Christian Thielemann zu fehlen und so saß man unruhig auf seinem Platz und suchte nach dem roten Faden, der die Musikauswahl mit dem Termin - dem 1. Advent - verbinden sollte. Ganz aus Musik großer Barockmeister war das Programm zusammengetragen und unterm Strich muss man fragen, ob es bei Thielemann als ausgewiesen starkem Interpreten von Romantik und Neuerem gut aufgehoben war. Lauter kurze Nummern aus allerlei Stücken, die oft besser zu einem Konzert am 1. Weihnachtstag gepasst hätten, sollten für musikalische Pracht sorgen und übergingen fast das Kontemplative, das dem Advent innewohnen will. Das Kleinteilige sorgte zudem für die übliche Verwirrung, wonach man denn nun applaudieren soll und wonach lieber nicht. Und wozu mitten aus Bachs Messe h-Moll das "Et in Spiritum Sanctum" herausgepickt wurde? Vielleicht ein ökumenischer Einfall des im katholischen Mainz ansässigen ZDF, einmal aus der evangelischen Dresdner Frauenkirche mit voller Wucht "Et unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam" singen zu lassen? Nur fehlte dem Text so der entscheidende Vorsatz "Credo in..."

Bariton Thomas Hampson jedenfalls war nicht nur bei dieser Arie reichlich angespannt, sondern hatte schon zuvor bei "Ich will von Jesu Wundern singen" (Kantate 147) seine Mühe in der Ausführung. Der bekannte Sänger ließ merken, dass ihm eine der Grundlagen europäischer Musik wenig vertraut ist. Weit besser arrangierte sich seine an der Dresdner Staatsoper engagierte Kollegin Sophie Koch mit dieser Materie. Die französische Mezzosopranistin sang zwar ebenso weit von aller aufführungspraktischen Erkenntnis entfernt, wie Christian Thielemann die Barockmusik interpretatorisch irgendwo vor den Brüdern Mauersberger ansiedelte, doch war sie sich ihrer stimmlichen Mittel mühelos sicher, differenzierte wohltuend und sorgte mit "Et exsultavit" (Bach: Magnificat) und "Qui sedes" (Vivaldi: Gloria) für einige der seltenen stimmigen Momente des Konzerts.

Der Chor "Gloria in excelsis Deo" (Gloria in D) von Vivaldi hatte das Programm eröffnet und hier war auch der sonst exzellente Chor der Staatsoper im für ihn falschen Element. Markerschütterndes Vibrato und fülli- ge Töne nahmen der Musik alle Klarheit. Dass der Chor unter Wegnahme solcher Mittel ganz anrührend zu singen vermochte, hörte man dann in "Jesu bleibet meine Freude" (Bach: Kantate 147), wobei Thielemann im Piano sehr gegen den Text musizierte. Vivaldis "Domine Fili" (Gloria in D) wie Bachs "Magnificat" und das "Sanctus" (Messe h-Moll) hatten im üppigen Klang etwas geradezu rührend Altmodisches.

Die Staatskapelle spielte zu all dem - da hat der künftige Chef tatsächlich das Sagen - fraglos so, wie es der Dirigent angab. Zwei ebenso spannungslos vorgetragene Orchesterstücke füllten die Vokalwerke auf: Telemanns Konzert für 3 Trompeten und Orchester lief in den schnellen Sätzen - trotz des Glanzes und aller gleichlautenden Eleganz der Soli - belanglos ab und gewann kurioserweise in den langsamen Teilen mit dem Solo der Oboe wirklichen Reiz. Auch die "Pastorale per la Notte di Natale" von Johann David Heinichen (als sächsischer Hofkapellmeisters immerhin Amtsvorgänger Thielemanns) trottete in unveränderlichem Gestus bis an ihren Schluss.

Fast übersehen können hätte man in der Menge an nur mäßig Begeisterndem das eine Orgelstück mitten im Programm (wäre nicht die Orgel als Kircheninstrument prädestiniert, in einem Konzert zum Advent mehr Beiträge liefern zu dürfen), hätte nicht Frauenkirchenorganist Samuel Kummer mit der "Sinfonia" aus Bachs Kantate "Wir danken dir, Gott" einen Akzent in der energisch fundierten und farbig beflügelten Registrierung wie mit seinem lebhaften Spiel gesetzt. Bevor sich die allgemeine Stimmung während der Nachschnitte lockerte, triumphierte der Eingangschor "Jauchzet, frohlocket" aus Bachs Weihnachtsoratorium (mit Sophie Koch und Thomas Hampson in den Reihen des Chores) als effektvolles Finale. Da wussten dann auch alle, wann geklatscht werden muss. Hartmut Schütz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2011

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