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Das "Wolkenkind" Soname Yangchen im Kleinen Haus in Dresden

Das "Wolkenkind" Soname Yangchen im Kleinen Haus in Dresden

Es gibt "Rekorde", die alles andere als fröhlich stimmen. Hundert (!) Menschen, die meisten davon Mönche und Nonnen, haben sich seit 2009 in der Volksrepublik China selbst angezündet - um gegen die Besetzung ihrer Heimat Tibet und die Politik der chinesischen Behörden gegenüber der tibetischen Minderheit zu protestieren.

Der Einparteienstaat untersagte deshalb Ausländern gar zeitweise die Einreise nach Tibet.

Soname Yangchen, die neben Yungchen Lhamo wohl bekannteste Stimme Tibets - mal abgesehen vom Dalai Lama natürlich -, erwähnte bei ihrem Auftritt im Kleinen Haus im Rahmen der Reihe "Musik zwischen den Welten" die Vorgänge in Tibet mit keinem Wort. Sie schwangen auch so im Raum mit. Ihre Lieder spiegeln wider, woher sie kommt, was sie im Laufe ihres bis dato wahrhaft bewegten Lebens erlebt hat (nachzulesen im Buch, dass sie nach ihrer Ankunft in England schrieb und 2005 veröffentlichte), was sie betrübt, aber auch, was sie freut. All das fließt in ihre Stimme, in ihre Texte ein, die gleichsam das Fenster zum eigenen Ich sind.

Inspiriert von ihren Vorfahren und geprägt von den Bürden des Lebens, schöpft die tibetanische Sängerin ihre Quellen aus der Tradition tibetanischer, buddhistisch-religiöser Texte, aber auch aus anderen Melodien, in der Regel traditionellen Volksmusiken ihrer Heimat, aus der sie im Alter von 16 Jahren über den Himalaya nach Indien flüchtete. Es geht um Liebe, einmal auch um Pferde. Aber pure Folklore ist es auch wieder nur in Ausnahmefällen. Soname, die sich als Künstlerin angeblich nur mit dem Vornamen ansprechen lässt, mischt Einflüsse aus aller Welt. Daher hat sie an diesem Abend einen Kambodschaner, einen Brasilianer und einen Inder in ihrer Band. In Sonny Thet hat sie einen selbstlosen Partner am Cello, der mit starkem Gespür für klangliche Nuancierungen das Instrument mitunter wie eine (chinesische) Erhu klingen lässt. Auch Ravi Srinivasan (Tabla, Ghatam, Gesang, Percussion) und der Brasilianer Charlson Ximenes (Gitarre) sind wahre Virtuosen auf ihren Instrumenten, ordnen sich aber stets der Stimme Soname Yangchens unter. Die weiß es zu schätzen, dass ihre Stimme nicht erdrückt wird, Raum hat, sich zu entfalten. Mit ihrer Körpersprache signalisiert Soname Yangchen jedoch Demut. Eine Aura der Anmut strahlt sie aus.

Wenn sie gelegentlich gar a cappella singt, die langsam sich bildenden Töne formt und modelliert, mit den Händen begleitet und in eine fließende Bewegung überführt, dann ist das für sie ein Stück Heimat, aber auch ein Hier und ein Morgen. Manchmal wirkt es schon bis zur Schmerzgrenze, etwa eine 3000 Jahre alte Lobpreisung des Dalai Lama (als Institution, nicht Person).

Das Gros der Lieder dürfte primär eine Form der Ritualmusik zu sein, mit den Parametern Lautstärke, Tempo, Verzierung und Schleifton. Auffällig in der Stimme der gläubigen Buddhistin bleiben die Akkordvielfalt und der lange Atem. In leisen, gleichwohl eindringlichen Ansagen in einem nicht allzu gutem Pidgeon-Englisch versucht sie immer wieder, ihre Botschaft, die in der subtilen Betonung des Gesangs und in der Kraft ihrer Lieder steckt, weiterzutragen, dem Publikum verständlich zu machen, selbst wenn deren Text im Augenblick vielleicht nicht verständlich ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.02.2013

Christian Ruf

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