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Das Trio Joubran begeisterte in der Reihe "Jazz in der Semperoper" in Dresden

Das Trio Joubran begeisterte in der Reihe "Jazz in der Semperoper" in Dresden

Zu Anfang waren die Musiker von der Spielstätte begeistert. Ihr Debüt in der Semperoper hat sie sichtlich beeindruckt. Wenige Fingerbewegungen später haben sie das beinahe ausverkaufte Haus mit Klängen erfüllt und das neugierige Publikum in atemlose Spannung versetzt.

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Das Trio Joubran fesselte mit seiner Musik das reichlich erschienene Publikum in der Semperoper.

Quelle: Matthias Creutziger

Es waren drei Brüder aus Palästina, das Trio Joubran, die gemeinsam mit ihrem Landsmann Yousef Hbeisch den Saal und die Ränge zum Brodeln brachten. Angesichts der Tatsache, dass Adnan, Samir und Wissam Joubran hierzulande kaum bekannt sind und obendrein mit ihrem eher ungewohnten Instrumentarium aufwarteten, ist das Interesse des Publikums umso erstaunlicher. Die zwischen 1973 und 1985 im galiläischen Nazareth geborenen Brüder spielen nämlich Oud, jene Kurzhalslaute, die vom arabischen Kulturraum aus als Vorbild für diverse Zupf- und Saiteninstrumente einen Siegeszug um die ganze Welt antreten sollte. Nur die eigene Verbreitung blieb dabei schlicht auf der Strecke.

Die Joubrans aber entstammen einer Familie, in der dieses heute meist elfsaitige Instrument seit Generationen gefertigt und gespielt wird. Grund genug, mit diesem Spiel auch die inzwischen mehr von der Gitarre geprägten Länder zu erobern. Das Trio gestattet also sowohl einen Blick zurück auf die Urahne aller Lauten als auch einen nach vorn, um Spielweise und Improvisationstechnik neu auszuloten.

Das hiesige Publikum im von DNN und MDR Figaro präsentierten Jazz special in der Semperoper ist vor allem mit Titeln der aktuellen Joubran-CD "AsFar" beglückt worden. Vermag schon die Aufnahme das längst vergangene Flair Tausendundeiner Nacht wachzurufen, so fasziniert im Konzert vor allem das unglaublich synchrone Musizieren der Künstler. Der melancholisch sehnsuchtsvolle Grundton dieser Musik lebt ja nicht nur von der traditionellen und überaus schweren Stimmung der Ouds, sondern auch von beständigen Tempowechseln, von fast perkussiv begleiteten Melodiebögen und einem Wechsel aus Führen und Begleiten. Akribisch perlen die Hände der Brüder auf Griffbrett und Saiten, klopfen am Korpus - solche Rasanz an Fingerfertigkeit und gemeinsamem Atmen ist fesselnd und nimmt mit auf eine einmalige Reise. Dieser Ausflug wird mehr als nur begleitet vom ebenfalls handwerkenden Perkussionisten Yousef Hbeisch, der 1967 ebenfalls in Galiläa zur Welt kam. Ohne Schlagstock drischt er auf Trommeln und Becken, klatscht mal drängend brachial, mal abfedernd sanft und macht aus dem Blättern in drei mal elf Saiten ein nur noch reicher ornamentiertes Spektrum der Klangzauberei.

Mit dem Titel "AsFar" betreiben die heute in Frankreich beheimateten Musiker, die ihre palästinensischen Wurzeln allerdings deutlich betonen und ihnen regelmäßig verbunden sind, ein arabisch-englisches Wortspiel des Unterwegsseins, des Reisens. Letztlich ist auch dieses Konzert eine Tour zwischen Kulturkreisen und Emotionen. Noch im Liebeslied steckt ein Hauch Politik, die Eigenkompositionen leben vom improvisierten Moment, die anklingende Weltmusik vereint junges und älteres Publikum und legt eine weitsichtige Brücke, um das kulturelle Angebot dieser Stadt noch vielschichtiger und im besten Sinne aufklärerisch zu gestalten.

Es wäre schade, müsste man auf solche Ausflüge, die dem Engagement einiger Enthusiasten zu danken sind, künftig verzichten. Dann nämlich dürfte das Konzert des Quintetts von Trompeter Tomasz Stanko am 20. Februar 2012 ein trauriger Abgesang werden. Wenn die Reihe "Jazz in der Semperoper" ausgerechnet im 20. Jahr ihres Bestehens eingefroren würde, würde das Spektrum der Oper um einen schillernden Edelstein ärmer. Über die Gründe hierfür darf spekuliert werden. Ganz profan lastet natürlich ein enger Terminplan auf der großen Bühne des Hauses, seit die einstige Probebühne zur kleinen Spielstätte (Semper 2) und die Kleine Szene zum Leerstand verdonnert worden sind. Schnöde Geldnöte oder mangelnder Publikumszuspruch sollten angesichts des immensen Zuspruchs vom Sonntag für derlei Überlegungen nicht in Frage kommen.

Das Oud-Trio und sein Schlagwerker durften erst nach mehreren Zugaben - darunter noch einmal ein Stück zum Mitsingen - von der Bühne gehen. Zum Schluss waren die hübschen Herren mindestens ebenso wie von dieser Spielstätte auch vom Dresdner Publikum fasziniert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.12.2011

Aldo Lindhorst

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