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Das Theater Junge Generation bietet Ulrich Zaums "Robin Hood" als kämpferische Revue-Version

Das Theater Junge Generation bietet Ulrich Zaums "Robin Hood" als kämpferische Revue-Version

Robin Hood kämpft mit seiner fröhlichen vierköpfigen Bande, politisch korrekt in Grün-Rot gewandet, gegen die goldenen bis braunen Herrscher, hier in Form des Sheriffs von Nottingham, um Freiheit und Gerechtigkeit.

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Lady Marian (Nadine Boske) und Robin Hood (Nahuel Häfliger) piesacken den Sheriff von Nottingham und lieben die Bandenbärin (Babette Kuschel).

Quelle: Dorit Günter

Die Saga gehört seit 850 Jahren zum britischen Brauchtum, die sich vor allem über den Namen immer wieder neu generiert.

Im Dresdner Zoo wird dieser mehrfach erläutert ("mit Doppel-O und weichem D") und auf die moderne Fassung von Ulrich Zaum gesetzt, der mit dem reinen Jungenkult um Robin (Nahuel Häflinger) aufräumt und ihm mit Lady Marian (Nadine Boske) eine gleichwertige Göre ("frech wie Rotz und stur wie Ziegel") vor die Nase setzt. Die will nach der Vertreibung durch Lord Trumm (Roland Florstedt als herrlich tumber Regent), der ihren Onkel Sir Richard (Erik Brünner) von seinem Schloss verjagt, unbedingt zu Robins Bande gehören.

Das und die Überlistung respektive Bekämpfung des Bösen, wobei nur einer stirbt und einer ungewiss verschwindet, sind harte Arbeit und bekannte Geschichte, wobei Regisseur Ronny Jakubaschk das Zaum-Spiel noch konsequent weitertreibt und auch Jacky Wiesel (Ulrike Sperberg) und den lustigen Bandenbär mit rosa Stoffturnschuhen sowie den Hauslehrer (beide: Babette Kuschel) weiblich besetzt. Das tut der Geschichte gut, Ronny Jakubaschks Dresden-Debüt wird als kämpferische Revue-Version in Erinnerung bleiben, der es gelingt, sowohl die Altersempfehlung (P 8) einzuhalten als auch erwachsene Theaterfreunde, die in Dresden als einigermaßen verwöhnt gelten, gut zu unterhalten.

Dabei ist dem gesamten TJG-Team eine harmonische Ensembleleistung gelungen, durch viele witzige Ideen und genaue Umsetzung, aber ohne zu überfrachten. Die Inszenierung ist aufwendig, flüssig und liebevoll handwerklich umgesetzt - vor allem die Bühnenbildidee und die Kostüme von Ulrike Kunze, anhand derer man Farblehre studieren könnte, funktionieren prima, alle Figuren sind Schmuckstücke. Die zahlreichen Kampfszenen sind von Trainer Sven Richter genau choreographiert, wobei auch die Zeitlupenszenen, direkt vor gebannten Kinderaugen, nicht kitschig wirken.

Hinzu kommen mindestens drei Spitzenleistungen beim umzügigen Rollenschlupf: Babette Kuschel wird in Windeseile von Hauslehrerin Roberta Pencil zur Bärin, wobei man kurz zuvor im Hintergrund das Fell durch die Luft fliegen sieht. Der immer überzeugende Erik Brünner mutiert vom Räuber Little John zum schrecklichen Kampfpferd namens Sir Gisbourne (und noch schneller zurück), und die beiden Sheriff-Soldaten, Nummer 1 und Nummer 2 genannt, werden ebenso schnell zu den Räubern Griesgram aus Sachsen (Julian Trostorf) und Bruder Tuck aus Bayern (Daniel Langbein) - beide ebenso kampfstark wie ihre Berufskollegen. Die anderen vier bleiben in ihren Rollen und sind als gute wie böse Protagonisten auch im Spiel genau zu erkennen.

Bei der Premiere in herrlichstem Sonnenschein gab es freudiges Gejohle über den herzlichsten Applaus - dieser war in reichlich zwei Stunden vor allem körperlich hart verdient. Auch die drei Musiker - Bernd Sikora, Paul Hoorn und Matthias Manz - geben, im Hintergrund der Burg platziert, quasi ein eigenes Konzert, das den Soundtrack zum Stück en passant erzeugt, oft auch einfach als Geräuschkulisse. Sikoras eigens komponierte Musik ist ab und an ein wenig zu jazzig-folkloristisch für die Zielgruppe ab Acht und auch etwas komplex für ihre singenden Kollegen, funktionieren aber durch die Nähe zum Publikum dennoch weitestgehend. Das premierentypische Resthoppeln wird sich sehr schnell einschwingen - bei insgesamt zwanzig Vorstellungen bis 8. Juli, wobei viele - vor allem jene in der Woche früh um zehn - als bereits ausverkauft gelten.

Besonderes Augenmerk werden TJG-Fans den beiden guten Haupthelden widmen: Lady Marian und Robin Hood. Denn die beiden, die auch ein wenig jugendfrei techtelmechteln dürfen, während beider Herz aber eigentlich mehr der naschhaft tänzelnden Bärin gehört, geben hier das Dresdner Abschiedsgeschenk ihrer Karrierestartzeit: Nadine Boske und Nahuel Häfliger gehen ihren Weg an die nächste Bühne und zeigen noch einmal, warum sie hier fehlen werden. Beiden gönnt Jakubaschk, neben einigen Kampeleien, den sympathischen Balanceakt zwischen Witz samt Übereifer plus Fehlern als Chance der Kompensation für den anderen. Für ihre Nachfolger im TJG gilt es, sie hier, aber auch in sieben resp. zehn anderen Rollen zu ersetzen.

Gewiefte Zoozuschauer meiden dabei Sonnengegenlicht und achten darauf, dass die in die Traversen eingebauten Bäume nicht gerade die Mitte der Spielplanke verdecken, denn dort passiert das Meiste. Und sie planen Zeit im Umfeld ein: Denn die Karten gelten einerseits auch für eine ganzheitliche Max-Visite oder Andacht am Vorstellungstag sowie als Kombiticket für den ganzen VVO-Verbundraum vier Stunden vorher und bis 4 Uhr des Folgetages. Das sind bei den Zehn-Uhr-Vorstellungen großzügige 22 Stunden Freifahrt - ganz schlaue Zoo- wie Theaterfans besuchen also nachmittags die fidele Fidelia im HoyWoy-Zoo und abends die Felsenbühne in Rathen gleich mit.

Zoo-Vorstellungen mit Restkarten: 20./21. und 27./28. Juni (je 15 Uhr) sowie 1. & 3. Juli (je 10 Uhr) und 4./5. Juli (je 15 Uhr).

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2015

Andreas Herrmann

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