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Das Societaetstheater widmet sich Berg, Mankell und Wilde und blickt beim Festival "Off Europa" nach Kroatien

Das Societaetstheater widmet sich Berg, Mankell und Wilde und blickt beim Festival "Off Europa" nach Kroatien

Mit zwei eigenen und bemerkenswerten Premieren startet das Dresdner Societaetstheater in seine 17. volle Saison der Neuzeit: Einerseits inszeniert Amina Gusner Sybille Bergs Stück des Jahres 2014 mit dem vielversprechenden Titel "Und jetzt: Die Welt!" und hat dafür ab Freitag (Premiere) mit Oda Pretzschner, Anna Kramer und Anne Keßler ein quirliges Damentrio am Start.

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Szene aus dem Tanztheaterstück "Ovo (Ni)Je Moja Šuma" (Das ist (nicht) mein Wald) von Silvia Marchig und Darko Japelj im Rahmen von "Off Europa".

Quelle: Dejan Stifanic/PR

Genau eine Woche später (18. September) kommt Henning Mankells "Lampedusa" in Regie von Gerald Gluth heraus. Hier trifft eine schwedische TV-Moderatorin auf eine emi- wie immigrierte Muslimin aus Somalia - und schnell prallen Verständnis wie Gegensätze aufeinander. Doch der Autor wäre nicht er selbst, würde das Publikum nicht durch stete Wendungen überrascht.

Doppelpassförderung des Bundes

Insgesamt elf Premieren und sieben Festivals stehen auf dem Spielplan, das Soci hat als eigenständige Gesellschaft der Stadt dank neuer Stadtratspriorität einen fixen Etat von 822 000 Euro - also 100 000 mehr als vor einem und 50 000 mehr als vor zwei Jahren. Mehr noch: Dank Extra-Zuschuss von Land und Stadt kann der geschäftsführende Intendant Andreas Nattermann sogar 57 000 Euro extra investieren - zum Beispiel in neue Scheinwerfer oder neue Holzböden für Bühne und Zuschauerpodeste. Das lohnt sich, denn mit insgesamt 12 900 zahlenden Zuschauern bis zur Sommerpause (die 153 000 Euro Eigeneinnahmen mitbrachten) ist das Haus auf dem Weg in Rekordregionen. Der bisherige stammt aus dem Jahr 2013 und beruht auf 25 000 zahlenden Besuchern.

Brit Magdon, künstlerische Leiterin, kann derweil noch auf weitere Höhepunkte die Vorfreude schüren: In der Sparte klassisches Schauspiel zum Beispiel auf Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray" (30. Oktober) mit Tom Quaas in der Hauptrolle. Oder auf Moritz Rinkes "Wir lieben und wissen nichts" in Regie von Anke Salzmann (27. Februar 2016).

Spannend - so zeigte bereits eine musikalische Vorpremiere mit Tobias Herzz Hallbauer beim Schaubudensommer - wird auch die nächste Premiere der frisch gekürten Dresdner Kunstpreisträger von Cie. Freaks und Fremde. Unter dem Titel "Loving the Alien" (20. November) wird David Bowie gehuldigt.

Das Theater La Lune vollendet derweil seine Trilogie zu den drei deutschen Farben und entführt dazu auf den goldenen "Bazar" (11. März 2016), während die Shot AG "Ahnungslos durch die Nacht" (2. Oktober) eine "Sprach-Choreographie für zwei Personen" tanzt, wobei die Premierenfeier direkt in den neuen Tag der deutschen Einheit, an dem alle Welt Silberhochzeit zwischen Goldesel und Pechmarie feiert, ragt.

Womit wir beim Tanz und einer besonderen Ehre wären. Denn eine von nur 15 Doppelpassförderungen des Bundes hat die Dresdner The Guts Company rings um Johanna Roggan mit dem Soci als Partner gewonnen. 150 000 Euro plus den logistischen Wert von drei Produktionen und einer Installation in zwei Spielzeiten gibt es dafür, Intendant Andreas Nattermann freut es vor allem für die Künstlerinnen, die sich nun eine zeitlang rein auf ihre Kunst konzentrieren können, ohne sich von Broterwerb ablenken lassen zu müssen. So feiert "Das Eigene/Heimat" am 22. April 2016 Premiere - mit fünf Tänzerinnen und dem zehnköpfigen Dresdner Gnadenchor wird dabei dem deutschen Lied- und Tanzgut modern gefrönt.

Doch der nächste Stopp heißt erst einmal Kroatien. Denn vom 21. bis 26. September schwappt wieder "Off Europa" vom Leipziger Lofft gen Dresden und zeigt einen Überblick zeitgenössische Darstellerkunst der freien Szene im - so Intendant Knut Geißler - wohl europäischsten Balkanland. Bis auf drei oder vier zu große Nummern habe er alles Wichtige beisammen, sagte der Kenner schmunzelnd, der seit 1992 für Leipziger und seit 2008 für Dresdner Besucher spannende Einblicke in nahe, ferne Brudervolkskunst bietet.

Es beginnt mit einführender Filmkunst und zeigt vor allem spektakuläre Tanzstücke aus einer freien Szene, die weitestgehend ohne staatliches Hinterland mit Tanzhochschulen oder festen Companys an großen Häusern auskommen muss. Stellvertretend sei auf zwei Tanzsoli am 22. September verwiesen: "Nótt" und "Love will tear us apart". Zuvor werden aber ab 18.30 Uhr Knut Geißler und seine Expertin Sonja Pregrad in die Zagreber Szene einführen. Ganz spannend angesichts der aktuellen Lage: das Konzerttheaterstück der Gruppe Montazstroj namens "Wo ist die Revolution, Ihr Dummköpfe?" (25. September). Natürlich auf Kroatisch, mit deutschen und englischen Übertiteln.

Wo ist die Revolution, Dummköpfe?

Und sonst so? Über Jüdische Musikwoche, Filmfest und Tanzwoche lassen wir uns jetzt nicht aus, nur für das hauseigene Festival "Szene: Österreich", als neunte Version mit junger Avantgarde und den besten der Freien Szene angepriesen, gilt es den Terminkalender vom 28. April bis 11. Mai 2016 vorsorglich jungfräulich zu halten. Auch die Dienstagskonzertreihe der allerersten Bürgerbühne Dresdens - die schon 53 barocke Spielzeiten als Theater-Societaet absolvierte, um dann nach der Auflösung 1832 bis zum Ende der Rekonstruktion anno 1999 ausgedehnte Spielpause zu machen - geht in gewohnt gediegener Auswahl weiter: So mit Pretty Mery K. aus Berlin (6. Oktober) und Lùisa aus Hamburg (13. Oktober).

Premiere: "Und jetzt: die Welt!", Freitag 20 Uhr, Societaetstheater,, VVK-Tickets 17,60 Euro

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2015

Andreas Herrmann

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