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Das Societaetstheater startet mit "Off Europa" und einem Blick nach Bulgarien in die 66. Saison

Das Societaetstheater startet mit "Off Europa" und einem Blick nach Bulgarien in die 66. Saison

Gäbe es ein Ranking jener Keimherde der gemeinen Dresdner Festivalitis, die die Stadt kulturell dermaßen auflädt, dass keine Zeit für Unfug bleibt, so wäre das Societaetstheater ohne Zweifel ganz oben dabei: Ob Filmfest, Tanzwoche, Jazztage oder Jüdische Musik- und Theaterwoche, das "Soci" ist als Veranstaltungsort begehrt und oft dabei.

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Ivo Dimchev wird in Dresden "Som Faves" geben - eine wilde Mischung aus Tanz, Monolog und Gesang. Zu erleben am 25. September ab 20 Uhr bei "Discover Bulgaria".

Quelle: PR

Das liegt sowohl an Lage und Ambiente, aber vor allem am per Programm gepflegten Image. Denn die allererste Bürgerbühne Dresdens hatte schon bis 1832 satte 50 barocke Spielzeiten als Theater-Societaet in der Historie stehen, machte dann bis 1999 mal Pause und geht nun in die 16. Spielzeit der Neuzeit, also die insgesamt 66. Saison seit 1776. Als eigenständige Gesellschaft wird sie von der Stadt per fixem Etat mit 722 000 Euro und acht Stellen betankt und gilt als wichtigste Adresse für freie, etablierte Bühnenprofis der darstellenden Zunft. So stehen wieder große Namen im Programm für 2014/2015 - von Frisch über Camus und Bulgakow bis Berg (hier aber: Sybille statt Andrea).

Doch begonnen wird mit zwei arteigenen Exemplaren der eingangs erwähnten Art: Das Musikfestival "The Sound of Bronkow" ist bereits Geschichte, es folgt "Off Europa" vom 23. bis 28. September, ehe dann zum 24. Republikgeburtstag die eigene Spielzeit richtig beginnt. Die Europa-Kooperation mit dem Leipziger Lofft - seit langem das einzige Theaterfestival, das die beiden sächsischen Metropolen verbindet - bringt unter sorgfältiger Intendanz von Knut Geißler seit 1992 für Leipziger und 2008 für Dresdner Besucher spannende Einblicke in die Freie Szene kulturell naher wie ferner Brudervölker.

Die 2014-er Edition widmet sich unter dem Label "Discover Bulgaria" einem auserwählten Balkan- wie Schwarzmeerblick, denn die Szene dort hat genau zwei "hotspots", also Brennpunkte: Sofia und Varna. "Die Situation dort ähnelt denen in den Neunzigern bei uns", erklärt Geißler bei der Programmvorstellung in Dresden. Die öffentlichen Theater sind stark - Sofia hat mehr Stadtbühnen als Ost- und Westberlin zusammen -, die Szene entwickelt sich langsam, hat aber viel Platz in Form von zu bespielenden Freiräumen. Und sie ist, so wie viele ihrer Landsleute, in ganz Europa zu Hause. Es droht "temporäre Reichtumszuwanderung", wie im Vorwort des Programmheftes versprochen wird.

Dass die Kooperation nicht nur für die Künstler Sinn hat, zeigt sich gleich per Dresdner Start von Off Europa, der am Eröffnungsdienstag (23. September, 20 Uhr) den Leipziger Lofft-Samstag nachholt und mit "Big Gun" und "Identity" schon einen gehörigen Kontrapunkt setzen wird. Martin Penev (Idee und Design) sowie Stanislav Genadiev (Choreografie und Tanz) zeigen einen mit einer Waffe verwachsenen Macho als Tanzsolo, während Irina Goleva in einer 30-minütigen Performance den Drang der Bulgaren zum Volkstanz erforscht. Den Abend rundet der bulgarische Trompeter Stefan Hristov als Mr. Smiff an den Reglern im Alten Wettbüro kostenlos ab. Für noch mehr Aufsehen dürfte Ivo Dimchev sorgen, der in Leipzig sein Erfolgsstück "Lili Handel", in Dresden "Som Faves" - eine wilde Mischung aus Tanz, Monolog und Gesang anbietet (25. September, 20 Uhr). Es soll eine Stunde werden, die man nie vergisst. Auch in Willy Pragers "Transformability" (28. September, 20 Uhr), als krönender Abschluss gebucht, wird die Dresdner Tanzszene gebannt kiebitzen.

Für den 10. Oktober ist dann die erste Premiere neuer Eigenproduktionen datiert. Jan Böde inszeniert Max Frischs "Homo Faber" - und zwar mit Annedore Bauer und Philipp Otto, beides Ex-Staatsschauspieler mit etlichen Dresdner Meriten. Ebenso spannend: Amina Gusner inszeniert Sybille Bergs "Und jetzt: Die Welt" (26. Juni 2015). Die Dienstagskonzertreihe ist sowieso voll, so dass man lieber noch die Rückkehr des Sommertheaters hinterm Haus erwähnen sollte, das 2014 einmalig pausierte, wobei bisher nur der Premierentermin (10. Juli) steht.

Da fehlt doch was, wird der geneigte Hausfreund mit Recht bemerken: Das eigene Szene-Festival wird ein Jahr ausgesetzt, um Geld zu sparen. Intendant Andreas Nattermann hofft inständig, dass der neue Stadtrat im nächsten Doppelhaushalt jene 50 000 Euro Zusatzbudget wieder beschließt, die er die beiden letzten Jahrgänge hatte, aber die er derzeit nicht einplanen kann. Noch lieber wäre es ihm, wenn die Hauskosten inklusive Miete ganz und gar in städtische Hand geraten würden: "Uns fressen sonst die ständig steigenden Betriebskosten die Künstlerbudgets immer mehr auf", appelliert er an die neuen Fraktionen im Stadtrat.

So sind Neuproduktionen der dem Haus auf drei Jahre fest verbundenen Gruppen erst für nächstes Jahr angesetzt: Theater La Lune kommt am 30. Januar mit "R:Evolution" ins Haus, während Heiki Ikkola mit seiner Compagnie Cie. Freaks und Fremde sich ab 16. Januar mit "Good Bye, Eden" den Flüchtlingen widmet. Deren "Ruanda-Memory" wird nun im Oktober sogar von der UNO belobigt und darob nach New York eingeladen.

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.09.2014

Andreas Herrmann

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