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Das Robert-Sterl-Haus in Naundorf zeigt Steinbrüche und Steinbrecher

Das Robert-Sterl-Haus in Naundorf zeigt Steinbrüche und Steinbrecher

In den industrialisierten Ländern der Ersten Welt gibt es sie fast nicht mehr - harte, körperliche Arbeit. Automatisierung und Computer haben dazu geführt, dass dort immer weniger Menschen "im Schweiße ihres Angesichts" ihr Brot verdienen.

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Robert Sterl. Verladung in die Elbfähre. Illustration, 1893.

Quelle: Museum

Die Männer, die Robert Sterl in den Steinbrüchen des Elbsandsteingebirges gemalt hat, taten dies noch. Es war ein Knochenjob, den sie ausübten. Und gefährlich. Der Steinbruch mag als Vorstufe der Hölle erscheinen, doch für die Menschen, die dort arbeiten, ist er Alltag, ja sogar Rettung vor noch größerer Armut. Zeichnungen und Gemälde Sterls von den Steinbrüchen und -brechern in der Sächsischen Schweiz zeigt nun das Sterl-Haus in Naundorf, das im vergangenen Jahr etwa 3000 Besucher zählte.

Der junge Sterl hatte sich zunächst nicht für den Abbau und die Bearbeitung des heimischen Baumaterials interessiert, obwohl sein Vater Steinmetz gewesen war (er starb an Staublunge, als sein Sohn Robert 17 Jahre alt war) und ihm die sandsteinerne Pracht Dresdens täglich vor Augen stand. Dann aber sollte er 1893 für die populäre Familien-Zeitschrift "Universum" einen Artikel "Aus den Elbsandsteinbrüchen" Theodor Gampes illustrieren. An sich "nur" eine Auftragsarbeit, aber die gesehenen Motive und erlebten Szenen (abgedruckt wurden in dem Heft neun Illustrationen Sterls) waren wohl so inspirierend, dass die Sandsteinbrüche und ihre Arbeiter den Akademieprofessor nicht mehr losließen. 1910 bekannte der Künstler sogar: "Für mich ist es schon das allerbeste in Dresden, das heißt in den Steinbrüchen zu bleiben und Arbeiter weiter zu malen. So habe ich ein eigenes Gesicht." Wie wichtig das Thema Sterl war, verdeutlicht ein von ihm gestaltetes Plakat, eine seiner letzten Arbeiten, zur einzigen Personalausstellung 1928 in der Kunsthütte Chemnitz, für das er ein Steinbrechermotiv wählte.

In der ständigen Präsentation des Robert-Sterl-Hauses werden, wie Andreas Quermann, der Direktor des Hauses den DNN mitteilte, alle dreizehn Gemälde des Künstlers zum Thema Steinbruch gezeigt, die im Besitz des Hauses sind. Ergänzt werden sie durch Studien und Skizzen aus dem Archiv. Einige der Motive sind als Vorarbeiten zu den Illustrationen anzusehen. Zeitlich reichen diese etwa 30 ausgestellten Zeichnungen von den ersten, realistischen Studien im September 1893, über die Jahrhundertwende bis in die späte, expressive Schaffensphase des Künstlers. Gerade in den Zeichnungen und Studien wird deutlich, dass es zunächst die Steinbrüche selbst waren, die Sterl faszinierten, während es später, vor allem in den 1920er Jahren, die abstrakte Strenge der reduzierten kubischen Formen spannungsvoll gegen die dynamischen Bewegungen der malochenden Steinbrecher setzte. Schon Fritz Löffler meinte einmal: "Es sind Urbilder menschlicher Kraft, exaktest beobachtet."

Die Arbeit im Steinbruch war ein "Witwenmacher".

Sterls Werke erweisen sich als Dokumente eines Gewerbes, das es heute in der Sächsischen Schweiz in dieser Form nicht mehr gibt, und das damals von Fotografen kaum beachtet wurde. In Sterls Bildern kann der Besucher viele Arbeitsschritte der Sandsteinförderung Anfang des 20. Jahrhunderts nachvollziehen: Vier Gemälde führen vor Augen, die Wirkungen von Licht und Farbe in einer dynamischen Komposition eindrucksvoll zur Geltung bringend, wie nebeneinander aufgereihte Arbeiter unter größter Kraftanstrengung mit ihren eisernen Brechstangen die Steinwand oder den Steinblock abdrücken. Dieser sogenannte "Abbau vom Stock" - also etagenweise von oben nach unten - "faszinierte den Künstler", wie zu lesen ist: Sterl, der manchen seiner Modellen etwas Geld zukommen ließ, wie Quermann aufgrund eines erhaltenenen Briefes weiß, variierte das Thema in vielen Gemälden und unzähligen Skizzen.

Sterl fing, meint Quermann, "in seinen Zeichnungen Lebenskraft und Dynamik ein, die er in seinen Gemälden künstlerisch noch zu steigern vermochte." Und er hielt auch fest, was der 1842 in Chemnitz geborene Gampe in seinem Artikel neben der Umweltzerstörung durch den Sandsteinabbau anprangerte: "Die Steinbrecherei freilich ist ein mühsames, gesundheitsschädliches und gefahrvolles Gewerbe mit einer Menge anhaltender Übel, die jedes leidlich veranlagte Menschenherz mindestens verstimmen müssen." Ein junger Steinbrucharbeiter sei geradezu zum Tode verurteilt. Gampe beklagt, dass an jeder Sandsteinfassade und "an jedem dieser Steine ein Stückchen Lunge hängt, welches der Steinbrecher bei seiner Arbeit zusetzen musste. [-] Die Not treibt die Leute frühzeitig in die Brüche und der Tod holt sie vorzeitig heraus." Auch Sterl erkennt diese Tragik. So schreibt er 1911: "Leider haben wir trauriges erfahren. Viele von den besten Arbeitern sind lungenkrank und einer der besten, mit dem ich sehr gerechnet habe - ist an Lungenschwindsucht gestorben. Das ist die Krankheit der Steinbrecher und in dem kleinen Ort wo wir jetzt sind, gibt es alleine 54 junge Witwen, deren Männer, alles Steinbrecher, gegen ihr 40. Jahr gestorben sind." Aber die Löhne waren nicht schlecht, erschienen in der nicht übermäßig mit Glücksgütern gesegneten Gegend doppelt erstrebenswert, "Daher wohl auch das große Angebot an Arbeitskräften, obwohl die Gefahren des Berufes allgemein bekannt sind", schrieb Gampe.

Die Ausstellung ist, wie Quermann mitteilt, auch ein kleines Dankeschön an all die Paten, die mit einer Spende von 50 Euro ermöglichten, dass eine Zeichnung kunstgerecht restauriert, also u.a. auf säurefreies Papier gezogen und auf Passepartoutkarton aufgelegt werden konnte.

bis 7. Juli, Do bis So und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr, 23. Juni, 15 Uhr: Sonderführung zu Sterls Selbstporträts, anschließend Empfang mit Kaffee im Garten

www.robert-sterl-haus.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2013

Christian Ruf

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