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Das Ringen um Vollendung: Der Architekt Horst Witter wird 75

Das Ringen um Vollendung: Der Architekt Horst Witter wird 75

Auf meinem Arbeitstisch liegt ein repräsentativer Katalog über interessante Planungen und ausgeführte Bauwerke von beeindruckender Qualität eines Dresdner Architekten, der heute seinen 75. Geburtstag feiert.

Von Manfred Zumpe*

Horst Witter, von uns allen als einer der begabtesten und erfolgreichsten Architekten unserer Stadt Dresden hoch geschätzt, hat in diesem schönen Band sein beeindruckendes Lebenswerk vorgestellt, ausgestattet mit wunderbaren Fotoaufnahmen und prägnanten Texten.

Ich blättere immer wieder gern in diesem Werk, weil mich mit ihm eine enge Zusammenarbeit über 17 Jahre verbindet und ich in dieser langen Zeit sein kreatives Schaffen aus nächster Nähe miterleben konnte. In all den Jahren habe ich sein kompromissloses Streben nach höchster Qualität bewundert.

Das Schloss Eckberg war der Beginn unserer Zusammenarbeit. Die Rekon­struktion des Schlossgebäudes, sein Umbau zu einem exklusiven Hotel und die damit verbundenen Modernisierungen sowie der das Raumprogramm ergänzende Neubau eines Bettenhauses inmitten des weiträumigen Parks - das sogenannte Kavaliershaus - beschäftigten uns über viele Jahre. Wie es ihm gelang, die Architektur der bestehenden historischen Bauten von Prof. Arnold, einem Schüler Gottfried Sempers, in eine unserer Zeit gemäße moderne Formensprache zu übertragen, bescherte ihm allseits große Anerkennung.

Es folgten viele interessante Bauvorhaben, so dass das Büro schließlich über 20 Mitarbeiter beschäftigte. Besonders hervorzuheben ist das Bergrestaurant und das Berghotel Bastei in der Sächsischen Schweiz.

Eine architektonische Glanzleistung ist sein eigenes Wohnhaus in Oberloschwitz, das er in den achtziger Jahren verwirklichen konnte. Dieses Haus mit den faszinierenden Blickbeziehungen zur Elblandschaft, am steilen Hang errichtet, bietet seiner Familie ideale Wohnbedingungen, und all seine Freunde, die er gern als Gäste bei sich hat, genießen die Vorzüge des Hauses und die herrliche Umgebung.

Im Jahre 1990 gründete er sein eigenes privates Architekturbüro. Interessante Aufträge der Commerzbank für mehrere Filialen in Dresden und Chemnitz, das schöne kleine Landhotel in Moritzburg, die Sporthalle an der Bodenbacher Straße, die Schillergalerie in Blasewitz und das Haus der Commerzbank mit dem Haus des Buches am Dr. Külz-Ring sind gelungene Beispiele. Aber auch einige Wohnbauten, Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser zählen zu seinem Gesamtwerk.

Bei all diesen Bauten spürt man sofort die gestalterische Handschrift von Horst Witter. Wer ihn kennt, weiß, wie zäh sein Ringen um höchste Vollendung immer gewesen ist und wie er darunter gelitten hat, wenn einige seiner Bauten nach dem Wechsel des Eigentümers in der Nachwendezeit durch andere Architekten - ohne seine Mitwirkung - verändert und oft verunstaltet wurden. Hier klafft eine empfindliche Lücke in der Wahrung des Urheberrechtes, was für die Baukultur unseres Landes von großem Schaden ist.

Von besonderer Bedeutung ist sein Wirken am Westflügel des Residenz­schlosses in Dresden. Wie es ihm bei diesem anspruchsvollen Auftrag gelungen ist, die alte Bausubstanz behutsam, aber wirkungsvoll in die neuen Strukturen einzubeziehen und durch den gestalterischen Dialog zwischen Alt und Neu etwas ganz Besonderes und Großartiges zu schaffen, findet in allen Fachkreisen höchste Anerkennung.

Gegenwärtig ist der Jubilar beschäftigt mit einigen funktionellen und gestal­terischen Veränderungen in der Semperoper. Dies geschieht in Abstimmung mit dem damaligen Chefarchitekten beim Wiederaufbau der Semperoper, Wolfgang Hänsch. Man ist sehr gespannt, welches Ergebnis dabei erzielt wird, und es ist zu hoffen, dass es für das einzigartige Bauwerk eine Bereicherung sein wird.

Nachdem Horst Witter aus Altersgründen sein Büro in der Wolfshügelstraße auf dem Weißen Hirsch aufgegeben hat, benutzt er den ursprünglich für seine Tochter bestimmten Wohntrakt als Büro und bezeichnet es immer als seine "Werkstatt". Hier baut er Modelle, hier arbeitet er auf seinem großen Reißbrett noch in alter Weise mit Schiene, Winkel und Maßstab und führt die Planungen traditionell bis zur erforderlichen Reife. Danach lässt er sie durch computerkundige junge Architekten in die heute übliche Form der Darstellung bringen. Viele Detailzeichnungen werden von ihm noch traditionell erarbeitet.

Horst Witter hat sich immer wieder mit beachtenswerten Erfolgen an nationa­len und internationalen Wettbewerben beteiligt. Der Umfang seines Lebens­werkes ist beeindruckend. Mehrere Bauwerke wurden mit Architekturpreisen ausgezeichnet und erlangten Berühmtheit bis weit über die Grenzen unseres Landes hinaus. Auch das Studium der Pläne nicht ausgeführter Bauten ist von einem ganz besonderen ästhetischen Reiz.

Nun hat dieser fleißig schaffende Architekt das beachtenswerte Alter von einem dreiviertel Jahrhundert erreicht. In diesem langen Leben voller Höhen und Tiefen, mit dem schicksalhaften Wechsel von Erfolgen und Niederlagen, musste er viele körperliche Schmerzen ertragen. Aber keiner hat ihm diese oftmals quälende Pein angemerkt. Immer hat er tapfer die Zähne zusammengebissen. Deshalb wünschen wir alle, die sich mit ihm verbunden fühlen, vor allem eine erträgliche Gesundheit, weiterhin frohes, beglückendes Schaffen und geistige Regsamkeit im Kreise seiner Familie und seiner Freunde, aber auch die Kunst, eine dem Alter gemäße Gelassenheit zu üben.

Vom 3. bis 27. September präsentiert das Haus der Architekten in der Goetheallee eine Ausstellung mit Horst Witters Werken.

* Professor Manfred Zumpe, fast zwei Jahrzehnte Vorsitzender des Bundes der Architekten Dresden, Mitglied im George-Bähr-Forum für Baukultur und Ingenieurbaukunst sowie Ehrenmitglied der Architektenkammer Sachsen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2012

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