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Das Projekttheater Dresden baut in der Sommerpause kräftig um

Viel Projekt, wenig Theater Das Projekttheater Dresden baut in der Sommerpause kräftig um

Rütteln, Hämmern und Bohrgeräusche tönen aus dem Inneren des Theatersaals an der Louisenstraße, den man mittlerweile gar nicht mehr als solchen erkennen mag. Die Bühne des Projekttheaters steht säuberlich auseinandergebaut im Hofpavillon, eine gute Hand voll Handwerker ist in Dresdens selbst ernanntem Kulturschutzgebiet zu Gange.

Umbau heißt auch, Dinge erst einmal zwischenlagern zu müssen – wie hier im Hinterhof des Projekttheaters.

Quelle: Sebastian Burkhardt

Dresden. Rütteln, Hämmern und Bohrgeräusche tönen aus dem Inneren des Theatersaals an der Louisenstraße, den man mittlerweile gar nicht mehr als solchen erkennen mag. Die Bühne des Projekttheaters steht säuberlich auseinandergebaut im Hofpavillon, eine gute Hand voll Handwerker ist in Dresdens selbst ernanntem Kulturschutzgebiet zu Gange.

Das Projekttheater in Dresdens Neustadt steht vor dem größten Umbau der vergangenen Jahre – zu einem Barrierefreien Theater. Der gesamte Theatersaal soll um 17 Zentimenter tiefer gelegt werden, auch die Bühne wird neu arrangiert, eine neue Zuschauertribüne soll es ebenfalls geben. Seit Ende Juni verwandelt sich der Theaterraum deshalb peu à peu in eine Baustelle. Fußböden, Bühne, Tribüne und Technik – alles muss weichen für den geplanten Umbau.

Umbau heißt auch, Dinge erst einmal zwischenlagern zu müssen – wie hier im Hinterhof des Projekttheaters

Umbau heißt auch, Dinge erst einmal zwischenlagern zu müssen – wie hier im Hinterhof des Projekttheaters.

Quelle: sbu

Bereits während des Schaubudensommers, als drei Projekte notdürftig ins Projekttheater verlagert wurden, strömten insgesamt 2500 Gäste an elf Tagen in einen provisorischen Theaterraum. „Die Zuschauer saßen auf der nackigen Tribüne ohne Stühle. Gestört hat das niemanden. Ganz im Gegenteil, der Charme war schon einmalig“, erzählt Geschäftsführer Julius Skowronek. Ende Juli quartierte sich sogar das Improvisationstheater Freie Spielkultur der TU Dresden noch einmal für ein Gastspiel in den schon fast unbespielbaren Saal ein, um den Baustellencharakter einzufangen.

Doch seit Anfang August ist das Projekttheater endlich in der „Sommerpause“ angekommen – spielfreie Zeit bis Mitte Oktober. Doch Pause hat hier niemand. Organisatorin Anke Siefke schwingt Pinsel, Hämmerchen und Zollstock, um im Gebäudetrakt etliche Schönheitsreparaturen anzugehen. Geschäftsführer Skowronek plant und organisiert derweil den groß angelegten Umbau im Theaterraum.

Barrierefrei soll er werden, so das Vorhaben, das an den ersten Projektabschnitt im vergangenen Jahr anknüpft, als ein Treppenlift, eine behindertengerechte Toilette und eine Rampe am Hofeingang installiert wurden. Möglich gemacht hat das Projekt das Investitionsprogramm „Barrierefreies Bauen - Lieblingsplätze für alle“ des Sächsischen Sozialministeriums und der Stadt Dresden. „Wir hatten so etwas auch schon lange im Hinterkopf, doch eine Realisierung war bis dahin schwer umzusetzen“, so Skowronek, der den Besuch körperlich eingeschränkter Theatergäste sehr schätzt. „Sie alle rezipieren auf eine unglaubliche Art und Weise, wie man es kaum für möglich hält.“ Als das Stadterneuerungsamt das Umbauvorhaben im Projekttheater als „förderungswürdig“ einstufte, reichten die Beteiligten den Antrag ein – mit Erfolg.

Im vergangenen Jahr gab es 25 000 Euro von der Stadt, in diesem Jahr fließt noch einmal die gleiche Summe für den nächsten Abschnitt. Doch der Aufwand liegt weit höher als beim letzten Umbau, etwa 100 000 bis 120 000 Euro schätzt Skowronek. Genau beziffern könne er die Summe aber noch nicht. Der Umbau sei ein „Wachstumsprozess“, Planung und Förderung reichen sich abwechselnd die Hand. „Wir wollen Nachhaltigkeit erreichen und nicht einfach drauf los bauen. Auch wenn wir sicherlich nur einen Teil unseres Vorhabens umsetzen können, wollen wir die Grundlagen für die Zukunft schaffen“, so der Geschäftsführer. Dazu gehört zum Beispiel eine geplante Belüftungsanlage. Die benötigten Rohre und Anschlüsse werden schon jetzt mit verlegt, das Gerät soll aber erst in den kommenden Jahren angeschafft werden. „Da reden wir auch ganz schnell wieder über eine sehr hohe fünfstellige Summe. Doch notwendig ist es. Wenn sich im Hochsommer bis zu 100 Personen im Theatersaal befinden, kann es doch schon mal ganz stickig werden“, so Skowronek.

Besonders freuen sich die Verantwortlichen auf der Louisenstraße auf einen neuen Holzfußboden, der das „hügelige Irgendwas“ von früher endlich ersetzen soll. Allein das Abtragen des alten Untergrundes hat knapp zwei Wochen Arbeitszeit in Anspruch genommen, Skowronek und seine Mitstreiter konnten nur erahnen, was sich darunter befindet – immerhin ist das Gebäude über 120 Jahre alt. „Wir hofften natürlich, das Bernsteinzimmer zu finden. Damit hätten sich alle Finanzierungsfragen aufgelöst“, scherzt der Geschäftsführer. In Wirklichkeit waren es dann Kellergewölbe und alte Treppenteile. Mit der Planung für den neuen Saal konnte Skowronek erst nach dem Rückbau beginnen, was insgesamt für eine Mehrarbeit von gut zwei Wochen sorgte, die man jetzt schon im „Verzug“ sei.

Doch das ist für die Crew des Projekttheaters kein Problem – am 14. Oktober geht es definitiv wieder los, denn wie die Erfahrung zeigt, scheuen sich die Kulturschaffenden in der Neustadt nicht, auch während eines Baubetriebes zu arbeiten. „Der Baufortschritt ist nicht das begrenzende Element“, so Skowronek. Bis zum Start der neuen Spielzeit wird dennoch einiges passieren. Eine neue Tribüne befindet sich bereits in der Planung. Künftig soll die erste Reihe Rollstuhlfahrern vorbehalten werden, die Gesamtkapazität erhöht sich von 73 auf 79 Plätze. Die Bühnenbereiche von Hinter- und Vorderbühne werden angepasst und befinden sich zukünftig bündig auf einer Ebene. Auch die alte Drehbühne, die zuvor nur selten genutzt wurde, soll nun fester in das zukünftige Konzept eingebunden werden und soll sich ebenerdig auf der Vorderbühne wiederfinden. „Vor dem Umbau benötigten wir gut einen Tag, um die Bühne vorzubereiten. Künftig geht das in wenigen Stunden“, erklärt der Geschäftsführer.

Doch trotz des Umbaus und der zukünftigen Barrierefreiheit soll eines beim alten bleiben: Der einzigartige Charme des Off-Theaters, der Spielende und Publikum seit Beginn des Projektes vereint. Daran soll auch der Umbau nichts ändern. „Künstlerisch bleiben wir uns treu, inhaltlich wollen wir jedoch etwas mehr an Bandbreit gewinnen“, erklärt Skowronek. Vor allem Inklusionsprojekte mit dem Tanztheater Multifil Identity sollen angeschoben werden. „Wir denken sogar über eine Art Inklusionsfestival nach.“ Auch mit Columba Palumbus will man nach dem Umbau verstärkt zusammen arbeiten. „Es wird viel möglich sein, wir werden das wie immer in Ruhe ausloten.“

Nicht nur deshalb blicken die Verantwortlichen des Projekttheaters positiv auf die kommende Spielzeit. Die 13 000 Besucher aus der abgelaufenen Spielzeit zeigen, dass das selbst ernannte Kulturschutzgebiet zur festen Größe in Dresdens Kultur-Szene gehört. Besonders erfolgreich in der vergangenen Spielzeit war das 25-jährige Jubiläum der Tanzwoche, das gemeinsam mit sehr gut besuchten Stücken wie „Die dritte Generation“ der Freispieler und einem ausgewogenem Programm aus Schulprojekten, Gastspielen und interaktiven Events, wie beispielsweise dem „Story of Change“ von sukuma arts, für Besucherzahlen auf stabilen Niveau sorgte.

Am 14. Oktober zeigt Utz Pannike zum Start der neuen Spielzeit das Stück „Stille, die uns täuscht“. Einen besonderen Höhepunkt wird laut Anke Siefke der Besuch der Zirkusmanufaktur Leipzig im Dezember darstellen. Auch auf zahlreiche Workshops, Tanztheater und Premieren von den Freispielern oder dem Ensemble La Vie freut man sich auf der Louisenstraße 47.

Von Sebastian Burkhardt

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