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Das Projekt "Musikergesundheit" mit dem Landesjugendorchester

Das Projekt "Musikergesundheit" mit dem Landesjugendorchester

"Einen ganz anderen Blickwinkel aufs Musikalische zu bekommen, mehr auf seinen Körper zu achten und verschiedene Formen des Muskeltrainings auszuprobieren - es war echt schön und auch entspannend, bei den Bewegungsstunden mitzumachen", schwärmt die 16-jährige Geigerin Sarah Gräfe, "und gut war die Rückenschule mit den Gummibändern, ich hab mir zu Hause gleich welche gekauft".

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Was für Leistungssportler selbstverständlich ist - z.B. Erwärmung, Kräftigen, Dehnen -, hat nun auch das Landesjugendorchester Sachsen praktiziert.

Quelle: Filip Sommer, SMR

Seit 2010 ist Sarah Mitglied des Landesjugendorchesters Sachsen (LJO) und erlebte den Start des von der AOK PLUS geförderten Präventionsprojekts "Musikergesundheit" während der Probenwoche im Herbst 2011 in Sayda. Nach dem Geigespielen tat ihr schon häufig der Rücken weh. "Ich bekam dann mitunter Massagen und war auch mal mit meiner Mutter beim Yoga." Aber gezielte Angebote zur Physioprophylaxe für Musiker kannte sie bisher nicht. So geht es auch Reinhard Wappler. Der 17-Jährige spielt Posaune und war im Oktober erstmals beim LJO dabei. Nach den Proben fühlt er sich oft verspannt, hat Schulter- und Rückenprobleme: "Die Kraftübungen mit den Gummibändern fand ich sehr gut, auch den Parcour - drei bis vier Kreise mit verschiedenen Übungen. Es hat richtig Spaß gemacht und sollte beim nächsten Projekt unbedingt fortgesetzt werden!"

Was für Leistungssportler selbstverständlich ist - z.B. Erwärmung als Vorbereitung des Organismus auf optimale motorische Leistungen oder Kräftigen und Dehnen, um die Gelenkreichweite zu erhalten - sollte auch für Musiker zum Standard gehören. Im Landesjugendorchester lernen die begabtesten Nachwuchsmusiker Sachsens unter professioneller Anleitung alles, was für angehende Solisten und Orchestermusiker unverzichtbar ist. Da mit diesem hohen Leistungsanspruch auch eine enorme physische Belastung einhergeht, haben viele von ihnen bereits körperliche Beschwerden. Deshalb sieht sich der Sächsische Musikrat (Träger des Ensembles seit 1992) in der Verantwortung hinsichtlich Information und Prävention.

Ulrike Kirchberg arbeitet hier seit zehn Jahren und suchte nach einer praktikablen und finanzierbaren Form, Physioprophylaxe anzubieten. "Schon seit langem fallen mir bei den jungen Musikern Haltungsschäden auf, manche klagen während der Proben über Schmerzen oder klappen kurz vor oder kurz nach dem Konzert ab. Auch Auftrittsängste sind ein Thema." Um sich Rat zu holen und entsprechende Partner für eine langfristige Kooperation zu finden, schrieb man die Musikhochschulen, die großen Orchester an, ging auf die Krankenkassen zu. "Zwei davon konnten wir schließlich als Gesundheitspartner gewinnen: die AOK für das Landesjugendorchester und die TKK für das Jugendjazzorchester." So wurde u.a. jeweils ein Gesundheitsexperte für das Probenlager finanziert.

Auf Empfehlung von Prof. Dr. Hans-Christian Jabusch, Leiter des Instituts für Musikermedizin an der Hochschule für Musik Dresden, und des Mitarbeiters für Physioprophylaxe Ralf-Ulrich Mayer kam der Kontakt zu einem der Wegbereiter auf dem Gebiet der Musikermedizin zustande: Der Sportwissenschaftler und Sportpädagoge Dr. Hartmut Puls war auf Einladung der AOK PLUS beim 41. Projekt des LJO Sachsen unter Leitung von David Timm dabei, bot neben dem "warm up" und "cool down" für das ganze Orchester bei Proben und Konzerten auch Bewegungsstunden in kleineren Gruppen sowie Einzelkonsultationen an, darunter die Einführung in ein speziell für Musiker modifiziertes Hatha-Yoga sowie Kraftausdauertraining zur Verbesserung der Fitness zum Musizieren und zur Vermeidung muskulärer Dysbalancen. Der 71-Jährige schaute bei den Proben zu und konnte alle, auch die Dozenten, im Handumdrehen für die Sache begeistern.

"Dr. Puls brachte ein breit aufgestelltes Angebot mit, aus dem die Musiker wählen und ausprobieren konnten, was ihnen auch weiterhin für das Üben zu Hause gut tut", so Kirchberg. "Uns war es wichtig, bei ihnen das Bewusstsein zu wecken, dass ihr Körper auch ihr Instrument, ihr Kapital ist". Vor allem gehe es dabei um Nachhaltigkeit. So bekommen die Orchestermitglieder aller vier Wochen eine E-Mail mit einem neuen Aufsatz oder Trainingsprogramm von Dr. Puls zugesandt, darunter Themen wie "Was Musiker über ihre Muskeln / über ihren Blutkreislauf wissen müssen", "Gymnastik und Dehnen ja, aber Krafttraining? - Was bin ich für ein Bewegungstyp?", "Übungen zur Verbesserung der Schulterhaltung" u.v.m.

Den Feedback-Fragebogen haben rund 80 Prozent der Nachwuchsmusiker ausgefüllt. "Mit dem Angebot waren etwa 98 Prozent aller Befragten insgesamt sehr zufrieden bzw. zufrieden" - freut sich Fachberaterin Sabine Wolff (Fachbereich Gesundheitsförderung der AOK PLUS), die der Probenwoche einen Besuch abgestattet hatte und beeindruckt war, "dass die Jugendlichen freiwillig einen Teil ihrer ohnehin knappen Pausen und Freizeit für das Bewegungstraining geopfert haben". Wie sie sagt, belegen Studien, dass circa 75 Prozent der Berufsorchestermusiker über Belastungsprobleme klagen. Die AOK PLUS setzt daher auf Prävention und möchte das Pilotprojekt "Musikergesundheit" beim LJO auch weiterhin unterstützen. Auf Nachahmer und Multiplikatoren hoffend, soll es zur nächsten Mitgliederversammlung des Sächsischen Musikrats näher vorgestellt werden.

In den Osterferien trifft sich das LJO Sachsen zu seinem 42. Projekt in der Landesmusikakademie Colditz und bereitet gemeinsam mit den Chören der Hochschule für Musik und der TU Dresden die Aufführung von Frank Martins Oratorium "In terra pax" und der Missa brevis C-Dur von Mozart vor. Dann wird auch Dr. Puls wieder mit dabei sein, worüber laut Kirchberg Gastdirigent Jörg-Peter Weigle ganz begeistert gewesen sei, denn da habe man "eine echte Koryphäe" an Bord geholt.

Nächste Konzerte des LJO Sachsen: 14.4. Dresdner Musikhochschule, 15.4. Hochschule für Musik und Theater Leipzig, 29.4. Theater Meißen

www.saechsischer-musikrat.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2012

Silke Fraikin

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