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Das Musikjahr 2016 in der Frauenkirche will und soll Horizonte erweitern

Aufbruch Das Musikjahr 2016 in der Frauenkirche will und soll Horizonte erweitern

Sich eines Jubiläums und damit des Erreichten zu erfreuen, ist schön, doch hinterher muss es auch weitergehen. In diesem Sinne stellte die Stiftung Frauenkirche gestern ihr Musikprogramm für 2016 vor.

Blick aus der Kuppel ins Innere der Frauenkirche.

Quelle: MDR/Christiane Fritsch

Dresden. Sich eines Jubiläums und damit des Erreichten zu erfreuen, ist schön, doch hinterher muss es auch weitergehen. In diesem Sinne stellte die Stiftung Frauenkirche gestern, also noch bevor die zehn Festtage zum zehnten Kirchweihfest des wiedererrichteten Gotteshauses am Sonnabend enden, ihr Musikprogramm für 2016 vor. Sowohl für die hauseigenen Kirchenmusiker, Kantor Matthias Grünert und Organist Samuel Kummer, als auch für Konzertreferent Ralf Ruhnau kündigt sich nicht einfach ein neues Jahr, sondern eine neue Dekade an. Und die soll neben den gewohnten neue Welten öffnen. Den sich weitenden Blick, der die musikalische Wahrnehmung sensibilisiert, Neugier weckt, Horizonte erschließt, sehen die Akteure wiedergegeben im quasi allumfassenden Titelbild der neuen Musikbroschüre. Und er soll sich widerspiegeln in der Abkehr von der in etliche Konzertreihen verpackten Programmgestaltung hin zu, so Ruhnau, "zwei Assoziationen": re|creation und welt|weit. Haydns Oratorium "Die Schöpfung" oder "Die Elemente" vom französischen Barockkomponisten Jean-Féry Rebel einerseits, Dvoráks "Sinfonie aus der neuen Welt" andererseits sind Werke, die sich dem auf den ersten Blick zuordnen. Für andere Programme verweist Ruhnau auf die wesentlichen Aspekte menschlicher Existenz, auf die man im Kontext oben genannter Assoziationen immer wieder gekommen sei.

Mit der erwähnten "Schöpfung" oder Brahms' "Schicksalslied" steuern die hauseigenen Ensembles - Chor, Kammerchor und ensemble frauenkirche - das Ihre zur Konzertdramaturgie bei. Deren Fokussierung auf neue Blicke schließt sich aber auch die in den gewohnten Formaten weitergeführte Kirchenmusik an, wenn etwa anlässlich des Jahrestages der Zerstörung Dresdens eine Vertonung der Versöhnungsliturgie von Coventry aus der Feder Matthias Grünerts zur Uraufführung kommt. In den Geistlichen Sonntagsmusiken, von denen es insgesamt 22 geben wird, liegt ein Schwerpunkt auf wiederentdeckten Kantaten von Homilius. Max Reger, dessen 100. Todestag 2016 ansteht, wird gewürdigt u.a. durch die Thematisierung seiner Werke in den Konzerten des "Dresdner Orgelzyklus". Diese gehören zu den insgesamt 38 Orgelabenden des Jahres, ebenso der neu beginnende Bachzyklus. Insgesamt gestalten die Hausensembles neben ihren gottesdienstlichen Aufgaben 30 Angebote und sind damit gemeinsam mit Samuel Kummer eine tragende Säule des musikalischen Geschehens.

Viel Wert legt die Stiftung auf ihre Angebote für junge Konzertgänger. Neben die Familien- und Gesprächskonzerte und das Musikalische Klassenzimmer tritt als neue Idee "sing along": Ausgewählte Schulchöre können vor der Aufführung des Mozart-Requiems Teile aus dem Werk, vom ensemble frauenkirche, begleitet singen. Während dies eine geschlossene Veranstaltung ist, sind bei Haydns "Schöpfung" am 3. September alle Interessenten eingeladen: Mit eigenen Noten ausgestattet, kann man 17.30 Uhr für ein Ticket zu zehn Euro mit Orchester singen.

Mit der "Schöpfung" wäre wieder der Bogen geschlagen zu den Konzertangeboten für 2016. Die warten aufs neue mit einigen großen Namen auf: Anne-Sophie Mutter und das London Philharmonic Orchestra, Daniel Hope (Violine) & Sebastian Knauer (Klavier), die Trompeterin Alison Balsom, der Oboist Albrecht Mayer, Tölzer Knabenchor und Thomanerchor Leipzig. Bariton Thomas Hampson wird Lieder u.a. von Brahms und Schubert singen, aber auch solche seines Landsmannes Samuel Barber, die er dem Publikum mit eigenen Worten besonders ans Herz legen will. Zwei Programme setzen die Verflechtung von Musik und Text fort, Elke Heidenreich und Sebastian Koch sind dort für das Wort zuständig.

Da man eine große Nachfrage nach den Konzerteinführungen verzeichnet hat, wurden diese für die Zukunft auch inhaltlich erweitert: Erstmals sind Kunstgespräche im Albertinum geplant, in denen das jeweilige Konzertprogramm in Bezug zu einem ausgewählten Objekt der Bildenden Kunst gesetzt wird. Das erste von drei Zusatzangeboten dieser Art (zum Aufpreis von fünf Euro) gibt es am 27. Januar. Hier steht 18.30 Uhr Gerhard Richters Birkenau-Zyklus im Fokus, korrespondierend mit einem besonderen Konzert, das 20 Uhr in der Frauenkirche in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau stattfindet. Im Rahmen von dessen dreiteiligem Festival "Romamor", einer Hommage an die Kultur der Sinti und Roma, erlebt an jenem Tag des Gedenkens an die Oper des Nationalsozialismus Roger "Moreno" Rathgebs "Requiem für Auschwitz" seine Dresdner Erstaufführung. Der niederländische Sinto-Musiker widmete das Werk dem Völkermord an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten, zugleich aber ausdrücklich auch dem Leben. Es könne dafür, so die Hellerauer Programmleiterin Musik und Musiktheater Barbara Damm, keinen besseren Ort geben als die Frauenkirche, "die wie kaum ein zweiter Ort in Deutschland als Symbol für Erinnerung und Versöhnung steht."

Während die Kooperation mit Hellerau eine neue ist, ebenso jene mit der Jüdischen Musik- und Theaterwoche, setzt die Frauenkirche auch künftig auf das Netzwerk, das mit Dresdner Musikfestspielen, Sächsischer Staatskapelle, Dresdner Philharmonie, MDR Musiksommer und dem Heinrich Schütz Musikfest geknöpft wurde. Das Konglomerat aus Eigenveranstaltungen und Kooperationen soll auch 2016 mit Vollkostendeckung funktionieren; Spenden werden nach den Worten von Christine Gräfin von Kageneck, Kaufmännische Leiterin der Stiftung, nicht dafür eingesetzt. "Da wir ohne Subventionen auskommen müssen, muss das Publikum natürlich bei uns für eine Konzertkarte tiefer in die Tasche greifen", so von Kageneck. Die Tickets für 2016 - sie sind, zumindest für die Mehrzahl der Veranstaltungen, ab heute im Vorverkauf erhältlich.

www.frauenkirche-dresden.de

Sybille Graf

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