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Das Musikhaus "Opus 61" an der Dresdner Wallstraße ist insolvent, bleibt aber geöffnet

Das Musikhaus "Opus 61" an der Dresdner Wallstraße ist insolvent, bleibt aber geöffnet

Dass auf der Wallstraße ein gut bestücktes und fachlich bestens orientiertes Geschäft für CDs, Schallplatten, Publikationen und Noten zu finden ist, das wissen in Dresden sehr viele, die sich intensiver, berufsmäßig oder als Laien mit Musik beschäftigen (wollen).

Dresden.

Seit November 2003 gibt es "Opus 61". Das Musikhaus hat mit den Jahren innerhalb der angemieteten Räume seine Auswahl erweitert, ein Stammpublikum gewonnen und bietet Kompetenz und Beratung für einen in seinen mehr oder weniger guten Angeboten schier unübersichtlichen Musikmarkt, vor allem im Bereich von Klassik, Jazz, Weltmusik und auch für so manche Nische.

Die Stuttgarterin Susanne Paulus hatte 2003, von der Leipziger Hauptniederlassung von "Opus 61" nach Dresden gewechselt, den Sprung gewagt und die Dependance in der Musikstadt an der Elbe etabliert. 2007 trennte sich Paulus endgültig von Leipzig. Ein Festangestellter arbeitet heute bei ihr, und es gibt zwei Azubis, die ihr theoretisches Wissen in einer dreijährigen Ausbildung zum Musikfachhändler im bayrischen Mittenwald erhalten und dieses dann praktisch bei "Opus 61" anwenden und erproben können.

Inzwischen existiert das Geschäft fast zwölf Jahre in Dresden, und was über das erste Jahrzehnt in der Stadt der Spitzenorchester, mehrerer Theater, eines zahlenmäßig großen Klassikpublikums und von Musikhochschule und Musikschulen zunächst zur Erfolgsgeschichte wurde, ist jetzt von Insolvenz bedroht. Eben diese hat Susanne Paulus beim Amtsgericht Dresden anmelden müssen.

Schon seit einigen Jahren wurde es immer schwieriger, erzählt Susanne Paulus den DNN, stabile Umsätze zu erzielen und durch ein gutes Weihnachtsgeschäft die Mindereinnahmen umsatzschwacher Monate auszugleichen. Steigende Kosten und die hohe Miete sind Kostentreiber, was sich schließlich auch durch Personalreduzierung und höhere Effektivität nicht mehr ausgleichen ließ. Ein ganz problematisches Jahr wurde 2014, als ein Computercrash alle Pläne zum Stocken brachte, den Zweitausendeins-Versandhandel zu integrieren, und außerdem natürlich das sonstige Bestellsystem zumindest für einige Zeit zusätzlich lahmlegte.

Zudem stieg die Zahl der Diebstähle in ihrem Geschäft immens. Susanne Paulus spricht hier sogar von "Klaubanden", die meistens zu zweit agieren und es vor allem auf teure DVDs und CDs abgesehen haben. Wer "Opus 61" kennt, wird nachvollziehen können, dass den Dieben in den verwinkelten Räumlichkeiten schwerlich das Handwerk zu legen ist. Die dadurch entstandenen Verluste bewegten sich im fünfstelligen Bereich, sagt Susanne Paulus.

Vor allem aber ist es natürlich der Online-Handel, der zur Schieflage von "Opus 61" geführt hat. Ein Problem in Zeiten von amazon und anderen Versand-Riesen, das den Einzelhandel im Allgemeinen trifft und kontinuierlich zum Rückgang des Umsatzes im stationären Geschäft führt. Auch bei "Opus 61". Schweren Herzens blieb schließlich der alleinigen Gesellschafterin nur der Gang zum Amtsgericht, das Hans-Jörg Derra zum vorläufigen Verwalter bestellte. Die genaue Höhe der Verbindlichkeiten wollte Rechtsanwalt Gunter Tarkotta von der Kanzlei Derra, Meyer & Partner gegenüber DNN nicht mitteilen, auch die Gläubiger nicht nennen. Die zwei Azubis und der Festangestellte aber haben bisher ihre Gehälter erhalten.

Gunter Tarkotta ist jetzt zusammen mit Susanne Paulus bemüht, Lösungen zu finden, damit "Opus 61" weitergeführt werden kann. Der Vermieter habe gekündigt und bestehe auf Räumung des Geschäftes - zu welchem Zeitpunkt, wollte Tarkotta nicht sagen, aber absehbar sei ein Auszug bis Jahresende. Nun müssten kleinere, kostengünstigere Räume gefunden werden. Susanne Paulus sei auf der Suche und habe sich mehrere Objekte angeschaut. Wie sie DNN erzählt, gestaltet sich das natürlich nicht gerade einfach, zudem brauche sie eine Örtlichkeit, an der sich nicht nur Dresdner, sondern auch Touristen als potentielle Käufer einfinden.

Die Kostenstruktur von "Opus 61" müsse dem Umsatz angepasst werden, sagt Tarkotta. Es brauche einen Investor, und der werde gerade gesucht. Angesichts der realistischen Einschätzung, dass man mit CD- und Notenhandel nicht die großen Gewinne erwirtschaften kann, dürfte es eines Investors bedürfen, der nicht nur finanzkräftig ist, sondern auch die gleiche Leidenschaft für dieses Metier hat wie Susanne Paulus.

"Opus 61" bleibt weiterhin geöffnet. Bestellungen werden angenommen, Beratung gibt es wie gehabt. Bis Oktober müsse eine Lösung gefunden werden, meint Rechtsanwalt Tarkotta.

"Opus 61" und Dresden ist zu wünschen, dass sich das (Noten)Blatt noch zum Guten wendet.

Musikhaus Opus 61, Wallstr. 17-19, 01067 Dresden. Tel. 0351/486 1748 post@opusweb.de

www.opusweb.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2015

Kerstin Leiße

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