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Das Musical „Der goldne Topf“ am Dresdner Kreuzgymnasium aufgeführt

Jubiläum Das Musical „Der goldne Topf“ am Dresdner Kreuzgymnasium aufgeführt

2016 feiern Dresdner Kreuzschule und Kreuzchor ihr 800-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen. Jetzt präsentierten Kreuzschulorchester, Chor und Schulband gemeinsam mit Solisten und Tänzern das Musical „Der goldne Topf“ nach der Märchenerzählung von E.T.A. Hoffmann in der Sporthalle des Ev. Kreuzgymnasiums.

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„Der goldne Topf“ an der Kreuzschule Dresden mit Friedrich Blome (Archivarius Lindhorst), Emilie Neumeister (Serpentina) und Aaron Köbsch (Anselmus) – Besetzung in der zweiten Aufführung.

Quelle: Lucas Garte

Dresden. Um die von dubiosen Verteidigern beschworene abendländische Kultur muss niemandem bange sein, wenn sie an ihren Schulen noch solch ambitionierte Projekte wie den „Goldnen Topf“ am Dresdner Kreuzgymnasium hervorbringt. Trotz drastisch gekürzter Lehrer-Abminderungsstunden für die nachmittägliche Chor- oder Theaterarbeit blüht noch immer solche musische kollektive Betätigung unter den Heranwachsenden. Große und großstädtische Gymnasien setzen die Maßstäbe.

Allerdings fällt auf, dass es insbesondere bei Musiktheaterprojekten kaum zeitgenössische Stoffe zu geben scheint, die zu einer Umsetzung durch die zwar jungen, aber nicht mehr allzu wilden Spieler einladen. Zum Vergleich: Das Vitzthum-Gymnasium griff im Vorjahr auf Pink Floyds „The Wall“ zurück, immerhin vor 36 Jahren erschienen. Und die Kreuzschule bezog sich in einem der Programmpunkte zu ihrer 800-Jahr-Feier auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der goldne Topf“. Diese hat wiederum einen Bezug zu Dresden, etwas spekulativ sogar zur Kreuzschule. Und sie spiegelt, wie Kornél Magvas als Spiritus Rector des Projekts schreibt, etwas von der Suche eines jungen Menschen nach seinem Weg zwischen Phantasmagorien und materiellen Karriereverlockungen.

Wer die überfüllte große Turnhalle des Kreuzgymnasiums sah, wer den Einsatz eines Riesenapparates von 160 Mitwirkungen beobachtete, kann sich eigentlich nur freuen und muss sowohl die beabsichtigte pädagogische Wirkung als auch den Gratulationscharakter in den Vordergrund stellen. Die Auswahl des Stoffes darf dennoch angefragt werden. Versuche, diesen Science-Fiction-Vorläufer der Romantik auf die Bühne zu bringen, endeten sämtlich nicht besonders glücklich. Die Oper des Darmstädters Wolfgang Petersen von 1941 kennt heute niemand mehr. Für die Semperoper schrieben Ingo Zimmermann und Eckehard Mayer 1989 eine recht hausbackene Oper in dem ziemlich gewagten Duktus, die mit Napoleon verbündeten Sachsen hätten das Jahr 1813 als Befreiung empfunden. Trotz mancher Unschlüssigkeiten machte die Fassung von Sebastian Baumgarten am Staatsschauspiel Dresden 2010 noch den am weitesten gehenden Versuch einer Adaption an heutige Fragen und gegenwärtiges Empfinden.

Mit großem Aufwand und bemerkenswerter Professionalität ist nun das Kreuzgymnasium in dieses Projekt eingestiegen. Der Deutsch- und Musiklehrer Kornél Magvas schrieb das Libretto, Hendrik Felber die stimmigen Songtexte für das Musical. Magvas, Volker Milde und Dietrich Zöllner komponierten und dirigierten auch abwechselnd mit straffer Hand den riesigen Apparat. Diese Uraufführung hört sich mitreißend an, auch wenn der typische, von den Komponisten gut getroffene Musical-Sound mittlerweile selbst schon archivarisch anmutet. Da gibt es Ausflüge in den Reggae oder den Walzer, das Finale mündet in einen feierlichen Choral. Leitmotive ziehen sich durch die reichlich eineinhalb Stunden.

Aber warum der „Goldne Topf“? Es war eine helle Freude, die jungen Sänger zu hören, man konnte über Instrumentalsoli staunen und über die für ein Schulorchester ungewöhnliche Präzision des Zusammenspiels. Was diese Musiker und die Schulband „M.&THe Jazzmatix“ in Big-Band-Besetzung plus Vokalisten boten, hatte Schmiss. Und doch wurde man das Gefühl nicht los, dieses Stück sei nicht ganz das ihre. Erst beim Punschlied und vor allem mit dem Lied der Kreuzschüler, das als Zugabe wiederholt wurde, drehten sie wirklich auf. Das waren sie selbst, wie eine entfesselte Boy Group tanzten und sangen vier den Zauberflaschen entsprungene Schüler den Funk, der pikanterweise Mauersbergers „Schola crucis schola lucis“ einen ungeahnten Drive verpasst. Aber das verschachtelte Märchen Hoffmanns ist weder konsequent in die heutige Lebenswelt transformiert noch in seiner Zeit belassen worden, noch zeitlos zu nennen. Ein Lächeln drängt sich ob der Kollisionen auf, wenn in Pop-Rhythmen von Hofrat und Rittmeister geschwärmt wird. Auch bei den Kostümen geht es ziemlich durcheinander. Kann sich der heutige Kreuzschüler mit der Art und Weise identifizieren, wie der junge Anselmo zwischen den Prinzipien und damit zwischen zwei Frauen schwankt?

Nichtsdestoweniger sang Ji Hoon Bang diesen Protagonisten geschmeidig, klar und souverän. Auch Friedrich
Blome als das skurrile Original des Archivarius Lindhorst bleibt in Erinnerung, ebenso die lasziv-dämonischen Auftritte des Äpfelweibs (Martha Stoll). Zwei einfache Choreografien gehörten eben auch zum Musical, der Schulchor erfüllte eher eine Backgroundfunktion. Unbestritten schweißt ein solches Großprojekt zusammen, demonstriert die Potenzen der Schule und entzückt die Besucher.

Von Michael Bartsch

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