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"Das Monster hat sich prächtig entwickelt" - Die Broilers im Interview

"Das Monster hat sich prächtig entwickelt" - Die Broilers im Interview

Frage: Wenn das die nächsten 20 Jahre so weiter geht, dass für jedes Album ein Tattoo hinzukommt ...Sammy Amara: Ein bisschen Platz ist noch, da können wir noch einige Alben herausbringen.

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Die Broilers mit Sänger Sammy Amara (vorne rechts) und Schlagzeuger Andi Brügge (Mitte).

Quelle: Robert Eikelpoth

Frage: Wenn das die nächsten 20 Jahre so weiter geht, dass für jedes Album ein Tattoo hinzukommt ...

Sammy Amara: Ein bisschen Platz ist noch, da können wir noch einige Alben herausbringen.

Du hast gesagt, "Noir"' drücke eine Grundstimmung der letzten Jahre aus. Inwiefern?

Amara: So floskelhaft es klingt - Texte helfen mir, etwas zu bewältigen. Am Ende war ich überrascht, wie düster viele der Songs geworden sind. Es war kein Konzept, dass alles schwermütig klingen soll. Ich finde es aber passend, denn "Santa Muerte" hatte ja eher eine fröhliche Grundstimmung, danach ist ein bisschen Abwechslung nicht schlecht. Und deshalb ist auch der Titel "Noir", schwarz, treffend.

Auffällig viele Lieder handeln von Beziehungen. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Amara: Ja, ich habe mich von meiner Freundin getrennt nach vielen Jahren. Diese Beziehung ist ein großer Teil meines Lebens gewesen. Wenn es mir gut geht, will ich rausgehen und feiern, Sachen unternehmen. Wenn ich aber nicht so gut drauf bin, setze ich mich an den Schreibtisch und schreibe traurige Lieder. Das ist dann die richtige Stimmung dafür. Ich mache das nicht so klischeehaft mit Rotwein auf dem Teppich, sondern am Schreibtisch mit Kaffee - und vielleicht auch einem Rotweinchen.

Nur einem?

Amara: Ja, denn wenn ich dann weiter trinke, kriege ich wieder gute Laune und kann nicht mehr schreiben. Aber nee, Spaß beiseite, Kummersaufen habe ich noch nie gemacht. Alkohol verstärkt ja immer nur die Stimmung, in der man gerade ist.

Im Song "Nur nach vorne gehen" heißt es "Niemand kann mir diktieren, wohin es für mich geht". Ist das auch ein Statement für euch als Musiker?

Amara: Absolut. Wir haben immer auf unser Bauchgefühl vertraut und nicht darauf gehört, wenn uns jemand etwas vorschreiben wollte. Vielleicht wären wir schon früher an diesem Punkt unseres Erfolgs angekommen, wenn wir mehr auf gute Ratschläge gehört hätten. Aber egal: Auch wenn die Schritte vielleicht kleiner sind, es fühlt sich so einfach besser an.

Andi Brügge: Es gibt ja auch Menschen, die sagen, dass wir etwas nicht machen können, weil wir dann nicht mehr real sind. Aber wenn uns etwas gefällt, dann machen wir es, auch wenn wir damit jemanden vor den Kopf stoßen.

Auf Ihrer Website beschreiben Sie sich als lallendes, fünfköpfiges Monster, das jetzt schon seit 20 Jahren sein Unwesen treibt. Hat sich das Monster in dieser Zeit verändert?

Brügge: Es hat sich ganz prächtig entwickelt, hat einen Buckel und lahmt auf dem rechten Fuß.

Amara: Wir sind zufrieden mit der Entwicklung, die das Monster genommen hat und auch mit seiner Außenwirkung. Wenn man es ganz lieb und süß ausdrücken will, sind wir für die Fans so etwas wie eine Fernsehfamilie. Die kennen uns alle ganz gut, die einzelnen Charaktere und auch ihre Macken. Und sie werden von uns auf sehr unterhaltsame, manchmal auch furchtbar nervige Art und Weise vor den Fernseher gebannt.

Der Bandname wurde danach gewählt, dass ,Oi' drin vorkommt. Was ist Oi!-Punk genau, und wie stehen Sie heute zu dieser Musikrichtung?

Brügge: Als Oi!-Punk wird die zweite britische Punkwelle bezeichnet. Die erste Welle Ende der 70er wurde von Bands wie den Sex Pistols und The Clash dominiert. Die zweite Welle Anfang der 80er, unter anderem mit den Cockney Rejects, war tougher. Weil der Oi!-Punk aus der Arbeiterbewegung kam, haben sich auch Skinheads dafür interessiert. Das war damals eine Mischung aus schwarzen und weißen Jugendlichen, die zu Reggae und Ska-Musik gefeiert und dann auch Gefallen an dieser Punkwelle gefunden haben.

Amara: Diese Attitüde des Oi!-Punks hat uns interessiert, das kickt ordentlich. Dazu gehört auch, ehrlich und geradeheraus zu sein. Das hat nichts mit rechtsradikaler Scheiße zu tun, das ist uns wichtig. Die aktuelle Oi!-Punk-Szene verfolgen wir gar nicht so richtig. Wir hatten eine wunderbare Zeit damals und müssen uns nicht dafür schämen.

Brügge: Obwohl man mal ehrlich sagen muss, dass unserer Bandname nicht gerade der Knaller ist...

Im Osten verbindet man mit Broiler ja eher ein Nahrungsmittel ...

Brügge: Ja, das hat uns schon viele schöne Stunden beschert, weil Veranstalter meinten, uns was Gutes zu tun, wenn sie uns Brathähnchen hinstellen.

Amara: Aber wir sind da in einer ganz guten Tradition, viele deutsche Punkbands haben bescheuerte Namen, die Toten Hosen oder die Ärzte sind auch nicht geiler. Irgendwann denkt man dann nicht mehr darüber nach, sondern der Name steht für sich.

Die Verbindung der Band mit der rechten Szene - haben Sie dieses Kapitel inzwischen überwunden?

Amara: Unsere Texte sind eindeutig. Wer das immer noch missinterpretiert, dem können wir auch nicht helfen. Wer uns ein bisschen kennt, weiß, wofür wir stehen und wofür wir nicht stehen.

Brügge: Es ist ja auch nicht so, dass uns als Band eine Verbindung zur rechten Szene nachgesagt wird. Es ist nur generell ein Thema, wenn man von Skinheads spricht.

Auf eurer Website wird eine Broilers-Liste erwähnt. Was verbirgt sich dahinter?

Brügge: Das ist unsere Wunschliste. Die letzte wurde erfüllt mit unserem Doppelkonzert in der Düsseldorfer Philippshalle. Das war der Traum unserer Kindheit und Jugend. Wir fuhren damals immer auf dem Weg in die Stadt mit der S-Bahn an dieser großen Konzerthalle vorbei. Und wir 14-Jährige haben uns gesagt: Irgendwann wollen wir da mal spielen.

Amara: Wir haben uns auch kleinere Wünsche erfüllt, zum Beispiel nicht mehr mit einem Neunsitzer, sondern mit einem komfortablen Nightliner-Tourbus zum Konzert zu fahren. Die erste Liste haben wir abgehakt und uns auch schon eine neue zurecht gelegt. Die Ziele werden aber natürlich nicht verraten.

Nicht einmal eins?

Amara: Eine Sache kann ich sagen, ich hätte gerne so einen von diesen tragbaren Garderobenständern auf Rollen, die man hinten in den Tourbus stellen kann. Manchmal sind das Quatschpunkte, aber es macht einfach Spaß.

Ihr habt mit Ines Maybaum eine Dame am Bass. Ist das eure persönliche Frauenquote?

Amara: Andi hat sich damals in sie verliebt und sah keinen anderen Ausweg, als sie in die Band zu holen.

Brügge: Ein cooler Move, was? Sie ist auch kein typisches Mädchen, sie hing schon vorher immer mit uns ab.

Amara: Sie ist 'ne feine Lady, auf jeden Fall. Interview: Nina May

Die Broilers spielen am 25. Juli am Dresdner Elbufer (Einlass 17 Uhr, Beginn 19 Uhr). Tickets gibt's noch an der Abendkasse.

Aufgrund der hohen Nachfrage spielen Die Broilers in diesem Jahr noch sechs zusätzliche Konzerte. Unter anderem rockt die Band ihre sächsischen Fans am 23. Dezember in der Arena Chemnitz in Weihnachtsstimmung. Alle Zusatzkonzerte können unter www.broilers.de eingesehen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.07.2014

Nina May

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