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Das Licht bleibt an - The Walkabouts kehren nach 7 Jahren in den Dresdner Beatpol zurück

Das Licht bleibt an - The Walkabouts kehren nach 7 Jahren in den Dresdner Beatpol zurück

1997 waren die Walkabouts schon das vierte Mal in der Stadt und von da an nicht viel unregelmäßiger. Sie gingen auf dem Friedhof in Briesnitz spazieren, verweilten dort, um einen Song zu schreiben.

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Immer wieder glänzend: Carla Torgerson und die Walkabouts im Beatpol.

Quelle: Dietrich Flechtner

Sie verschoben auch schon mal den Konzertbeginn, weil draußen im Westen eine Mondfinsternis ihre Faszination verströmte. Wenn es, wie zuletzt, längere Lücken zwischen den Auftritten gab, dann waren sie allein der Bandkonstellation geschuldet. Neben Calexico, Dead Moon, Giant Sand und Lambchop gehörten die US-Amerikaner zu denjenigen Künstlern, denen man in Dresden beim Wachsen beistehen konnte. Und mit ihnen wuchsen ihre Fans.

Wohin? Das war in ihrem Stammhaus bestens zu sehen. Böse Zungen werden behaupten, vor allem in die Breite, aber es soll hier um Musik gehen. Ausschließlich. Oder fast. Chris Eckman, Carla Torgerson, Terri Moeller, Glenn Slater, Michael Wells, Paul Austin haben nichts verloren. Miteinander nicht, in ihrer Ausstrahlung nicht, in der Konzentration auf Material und Chemie, dem Verzicht auf noch die kleinste Ablenkung durch Äußerlichkeiten. Aufgrund ihrer vielen bandfernen Projekte sind sie nur noch selten im Studio und in Europa. Es führte bei den Walkabouts zu noch höherer Fixierung auf Gemeinsamkeiten. Das, was sie im (ordentlich mit Wiederkehrern gefüllten) Beatpol boten, greift viel weiter, als eine reine Rückmeldung leisten sollte.

Karriere der Aufrichtigkeit

Bis unter den nicht vorhandenen Stehkragen mit Spielwillen, Kraft und offener Geste ausgestattet, klammerten sie mühelos ihre so beeindruckend verlaufene Karriere der Aufrichtig- keit. "Travels In The Dustland", die neue CD, war also vor allem Anlass, den gemeinsamen Weg wieder um ein neues Laufstück zu bereichern, sich zu sehen, auszuloten, was möglich ist und die Flammen am Züngeln zu halten. Aktuelle Songs marmorieren das Programm, das - auch hier völlig ohne Krampf - 20 Jahre nimmt.

Es war "Bordertown" von der 2003er Platte "Shimmers", das für die wenigen Neueinsteiger in den Freundeskreis wohl am besten aufzeigte, worin die Stärke der Gruppe besteht. In dieser Komposition gipfelt Carla Torgersons Folk- und Chris Eckmans Rockliebe, fließt ihr nach wie vor perfekt harmonisierender Solo- und Duettgesang wie von selbst zusammen. Hier schälen sich auf der Bühne die Fähigkeiten der anderen heraus: Slaters ätherische Tasten, Austins Saitenkicks, vor allem aber diese grandiose Rhythmussektion mit Moeller und Basser Wells, deren blindtaubes Verstehen, ihre so bemerkenswerte Präsenz. Allein Terri Moeller an den Drums schien an diesem Abend so befreit, als würde sie in dieser Musik baden, wäre die Tour Heimaturlaub.

Und vielleicht war das gleichzeitig die augenfälligste Erkenntnis dieser erneuten Begegnung nach immerhin sieben Jahren Pause: Dereinst erlag man selbst ein paar Mal zu viel der Versuchung, sich auf die Köpfe Torgerson/Eckman zu fixieren. Heute sind die Walkabouts noch nachhaltiger die BAND. Das Licht bleibt an - the light will stay on. In dieser fast zwangsläufigen Mischung aus Akustik und Elektrik, aus Abrieb und Ballade sind die sechs immer wieder glänzend. Ohne Motto.

Anders als 2005 mit dem zeitkommentierenden Album "Acetylene", das so viele Grätschen und Hiebe enthielt. So etwas wie "Fuck Your Fear" drängt anno 2012 nicht mehr ins Set, eher Stücke, die aus sich selbst heraus dem Licht entgegenstreben: "Lazarus Heart", "Jack Candy", "The Dustlands", "Say A Prayer". "Grand Theft Auto" ist mit diesem nach wie vor neckigen Springsteen-Zitat aus "State Trooper" so etwas wie ein Spiegelblick. Und Eckman schwitzt sich dabei an der E-Gitarre noch immer in die Soli. "Move along, cannot stay", singen Torgerson & Eckman seit Jahren in "The Stopping-Off-Place". Auch an diesem Abend. Es ist Motto für beide Seiten, Band und Fans.

Es gibt überhaupt keinen Grund stehen zu bleiben, sich der Nostalgie zu überstellen oder gar von den Walkabouts zu lassen. Zugegeben, das war vor dem Konzert erhofft worden, aber alles andere als klar.

Andreas Körner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.07.2012

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